Islam und Koran

Ist der Koran ein Buch zur Namenssuche für Kinder?

Einer der Bereiche, in denen am häufigsten auf den Heiligen Koran zurückgegriffen wird, ist die Zeit vor der Geburt eines Kindes. Dann wird im Koran nach einem Namen gesucht, und erst dann kommt der Koran vielen in den Sinn. „Es soll ein Name sein, der im Koran vorkommt.“ Deshalb wird der Koran schnell zu diesem Zweck durchsucht. Dabei ist das eigentlich gar nicht nötig. Warum? Die Propheten, deren Namen Allah der Erhabene im Koran erwähnt, sind bekannt. Du kannst jeden dieser Namen bedenkenlos vergeben. Aber darüber hinaus gibt es im Koran viele Wörter, die sich nicht als Vorname eignen. Sie sind dafür einfach nicht bestimmt. Dort haben sie eine andere Bedeutung. Ihr nehmt sie heraus und macht daraus Eigennamen. Warum? „Weil sie im Koran vorkommen.“ Sie kommen zwar vor, aber nicht als Eigennamen wie Ali, Ahmet oder Mehmet. Im Koran erscheinen sie nicht in dieser Funktion. Oft ist es das Ende eines Wortes und der Anfang eines anderen. Weil man kein Arabisch kennt, entsteht beim Zusammenlesen zweier Wörter ein schöner Klang, eine gewisse Melodie. Dann sagt man: „Aha, das ist ein schöner Name.“ Dann heißt es etwa: „Lamra kommt im Koran vor“ Warum? Weil aus Alif, Lam, Ra ein Name gemacht wird. Man nimmt verschiedene Buchstaben oder Wörter und bildet daraus einen Namen.

 

Das bekannteste Beispiel kennt ihr ja. Inzwischen hat es sich als Vorname fest etabliert, deshalb habe ich fast Sorge, missverstanden zu werden. Welcher Name? Aleyna. Er hat sich durchgesetzt. Warum? „Er kommt im Koran vor.“ Ja, aber dort erscheint er als Partikel und hat für sich allein keine vollständige Bedeutung. „Aleyna“ bedeutet „auf uns“ oder „gegen uns“, mehr nicht. Damit der Satz im Koran Sinn ergibt, muss danach noch ein weiteres Wort folgen, nicht wahr? Zum Beispiel: „اَفْرِغْ عَلَيْنَا صَبْرًا“ – „O Herr, gieße Geduld über uns aus.“ Seht ihr? „Aleyna“ bedeutet hier „über uns“ und wird durch das folgende Wort ergänzt. Nur weil etwas im Koran vorkommt, kann man es nicht einfach als Namen oder Eigennamen verwenden. Und nicht jeden Eigennamen, der dort vorkommt, würdet ihr vergeben. Würdet ihr euer Kind etwa Pharao nennen? Das haben wir erst gestern gehört. Bei dieser Recherche erzählten uns einige Leute tatsächlich, dass jemand sein Kind „Pharao“ genannt habe, weil der Name im Koran vorkommt. So geht das nicht.

 

Ein Name muss nicht unbedingt im Koran vorkommen. Solange er dem Koran, der Religion und den heiligen Werten nicht widerspricht, kannst du ihn vergeben. Wenn du unbedingt einen Namen möchtest, der im Koran vorkommt, dann sind die Namen der Propheten ohnehin bekannt. Dafür musst du den Koran nicht eigens durchsuchen. Von Adam (a.s.) bis Muhammad (a.s.) kannst du frei wählen. Dem Koran aber nur zu diesem Zweck zu begegnen, ist nicht besonders sinnvoll.

 

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