Im Koran wird das Herz als Zentrum des Denkens und Entscheidens dargestellt. Dabei wissen wir, dass diese Aufgaben vom Gehirn übernommen werden. Gibt es hier einen Widerspruch oder gibt es etwas, das wir nicht verstehen?
Jeder Mensch hat zwei Ebenen: die materielle Ebene, also den Körper. Die andere ist die geistige Ebene, also die Seele. Wenn sich der Körper im Mutterleib vollständig entwickelt hat, haucht Allah, der Erhabene, ihm gemäß Vers 14 der Sure Al-Mu’minun die Seele ein. Das heißt, er fügt dem Körper die Seele hinzu, so wie man auf einem Computer ein Betriebssystem installiert. Von dem Moment an, in dem die Seele in den Körper eingehaucht wird, hat der Mensch zwei Herzen. Zwei. Das eine ist das körperliche Auge, das andere die innere Einsicht. Ebenso gibt es das bloße Hören und das aufmerksame Zuhören und Beurteilen. Durch die Verbindung von Seele und Körper wurden sowohl die Menschen als auch die Dschinn zu Wesen gemacht, die auf dieselbe Weise geprüft werden. Denn der Geist strebt nach mehr als bloßem Nutzen, während der Körper aufgrund seiner natürlichen Beschaffenheit das Natürliche begehrt. Wenn das Gehirn richtig funktioniert und Gehirn und Herz miteinander im Einklang sind, dann wird mit dem Herzen gedacht. Das Herz, von dem wir hier sprechen, ist etwas, das sich ständig verändert. Der Mensch kann mal so und mal anders sein. Sie kennen das sicher. Betrachten Sie sich selbst: „Ich kann mich einfach nicht entscheiden. Soll ich das tun oder jenes? Soll ich so oder anders handeln?“, sagen Sie. Eigentlich sagt Ihnen Ihr Gehirn, was richtig ist, aber Ihr Geist akzeptiert es vielleicht nicht. Deshalb erleben Sie dieses Hin und Her. Wenn Gehirn und Selle vollständig im Einklang sind, fühlt sich auch der Körper sehr wohl und ist innerlich zufrieden.
Genau darum geht es Allah, dem Erhabenen, hier: um das Zusammenspiel zwischen dem Herzen der Seele und dem Gehirn des Körpers. Gemeint ist nicht das Herz, das Blut durch den Körper pumpt. Zum Beispiel sagt Allah in Vers 179 der Sure Al-A’raf: „Viele Menschen und Dschinn haben Wir gleichsam für die Hölle erschaffen.“ Es heißt, als hätte er sie für die Hölle erschaffen. Doch darum geht es nicht. Er hat sie vielmehr erschaffen, um sie zu prüfen. Denn sie alle haben ein Herz, aber sie denken nicht damit und verstehen nicht damit. Das heißt, zwischen dem Herzen und dem Kopf, also dem Denkvermögen, besteht kein vollständiger Einklang. Was geschieht dann? Der Mensch stellt seine eigenen Interessen in den Vordergrund. Ja, er weiß, was richtig ist, sagt aber: „Ich muss dies und jenes tun. Wenn ich das jetzt mache, wird später Folgendes passieren.“ Obwohl sie wissen, dass sie falsch handeln, folgen die Menschen den Impulsen ihres Geistes und tun das Falsche. Danach heißt es: „Sie haben Augen, aber sie sehen nicht.“ Das heißt, sie haben keine innere Einsicht. Sie achten nicht darauf, was dahintersteckt und welche Folgen es haben wird. Man könnte ihnen sagen: „Wenn du das tust, wird dir schon beim nächsten Schritt Folgendes passieren.“
Ein Beispiel: „Wenn du Zinsen nimmst, wirst du untergehen.“ Ich gebe Ihnen ein kurzes Beispiel: Als ich früher in der Wirtschaftsberatung tätig war, gab es eine ziemlich große Firma. Sie gehörte zu den größten Unternehmen der Türkei. Ihr Inhaber sagte zu mir: „Wir brauchen etwas Geld. Wenn Sie uns dabei helfen könnten, es zinsfrei zu bekommen …“ Also ging ich zum Generaldirektor einer zinsfreien Bank und sagte: „Kümmern wir uns darum. Wir helfen Ihnen.“ Doch dann sagte er: „Nein, es hat sich erledigt. Wir haben das Geld woanders bekommen.“ Ich sagte: „Dann sind Sie erledigt.“ Vergleicht man das Vermögen des Unternehmens mit dem Betrag, den es aufgenommen hatte, war dieser sehr gering. Ich sagte: „Sie sind erledigt.“ Tatsächlich waren sie schon kurze Zeit später am Ende und gingen bankrott. So etwas passiert … Die großen Unternehmen, die die Menschen heute als bedeutende Firmen ansehen, und die großen Geschäftsleute, die sie bewundern, sind leider nur Handlanger der Geldmächtigen. Wenn man ihnen dann sagt: „Schau, das wird dir später passieren“, wollen sie es nicht sehen. Denn die Entscheidung trifft letztlich die Seele. Danach heißt es: „Sie haben Ohren, aber sie hören nicht damit.“ Die Ohren hören, aber der Mensch hört nicht wirklich zu. Man erklärt und erklärt es ihnen, doch sie sagen: „Erzähl mir nichts mehr, schon gut, schon gut.“ Man liest ihnen Koranverse vor, und sie sagen: „Lies mir keine Koranverse vor.“ All das hängt also damit zusammen, dass der Mensch zwei Ebenen hat: die Seele und den Körper. Wenn diese beiden vollständig im Einklang sind, ist der Mensch überaus glücklich. Damit dieser Einklang entsteht, muss man die Religion leben, die Allah, der Erhabene, als „Fitra“ bezeichnet und die in Vers 30 der Sure Ar-Rum erwähnt wird. Wenn Sie die Religion so leben, wie Allah sie im Koran beschreibt, kommt Ihre natürliche Veranlagung so sehr ins Gleichgewicht, dass sich Ihre Welt in ein Paradies verwandelt. Wenn Sie jedoch nach Ihren eigenen Vorstellungen handeln, gerät alles aus den Fugen. Genau das wird hier erklärt.





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