Islam und Koran

Hat das Ereignis von „Qālū Balā“ tatsächlich stattgefunden?

„Ist das Ereignis von ‘Qālū Balā’ eine Metapher oder hat es sich tatsächlich so ereignet?

Das Thema Qālū Balā wird in unserem traditionellen Verständnis leider sehr falsch interpretiert. Es heißt dann: Adam wurde erschaffen, die Seelen wurden aus ihm hervorgebracht, und Allah fragte sie: „Bin Ich nicht euer Herr?“ Sie alle antworteten: „Ja, Du bist unser Herr.“ Dann wird erzählt, die Seelen der Ungläubigen seien aus seiner linken Seite und die der Gläubigen aus seiner rechten Seite hervorgekommen. Mit solchen völlig absurden Behauptungen werden diese Verse unverständlich gemacht. Dieser Vers beschreibt vielmehr etwas, das jeder Mensch erlebt. Allah der Erhabene sagt in Sure al-Aʿrāf, Vers 172: „Als Er von den Nachkommen Adams ihre Nachkommenschaft aus ihren Rücken hervorgehen ließ…“ Was bedeutet es, dass die Nachkommenschaft aus dem Rücken hervorgeholt wird? Gemeint ist der Bereich unterhalb der Wirbelsäule und des Beckens. Dort entstehen die Eizellen der Frau und die Samenzellen des Mannes. „Nachkommenschaft“ bedeutet hier auch nicht das bereits geborene Kind. Ein Kind wird nicht aus dem Rücken eines Menschen hervorgeholt, sondern aus dem Mutterleib.

Damit ist klar, dass dies bildlich gemeint ist. Was aus dem Rücken hervorgeht und die Nachkommenschaft ermöglicht, sind die Eizellen der Frau und die Samenzellen des Mannes. Sobald die Eizelle der Frau und die Samenzelle des Mannes in die Fortpflanzungswege gelangen, haben sie die Geschlechtsreife und das Heiratsalter erreicht.

 

Allah der Erhabene sagt hier: Bis zu diesem Zeitpunkt haben sie bereits seit ihrer Kindheit… Wenn ihr Kinder habt, dann achtet einmal darauf. Schon von klein auf beobachten Kinder ihre Umgebung. Sie stellen Fragen, forschen nach und machen sich Gedanken über die Existenz und die Einheit Allahs. Beobachtet nur einmal, wie viele tiefgründige Fragen sie ihren Eltern und Großeltern stellen. Wenn sie jedoch die Geschlechtsreife erreichen, gelangen sie zu einer festen Überzeugung. Dann spricht Allah in ihrem Inneren zu ihnen. Denn Allah der Erhabene gibt jedem Menschen sowohl das Gute als auch das Schlechte ein, das heißt, Er flüstert es ihm ein. Das wird in der Sure asch-Schams mitgeteilt. Dort sagt Allah zu ihnen: „Bin Ich nicht euer Herr? Bin Ich nicht euer Eigentümer?“ Und sie alle antworten: „Ja.“ „Ja, wir bezeugen es. Alles gehört Dir, und auch ich gehöre Dir. Alles im Universum gehört Dir, unser Herr. Das bezeugen wir.“

 

Warum ist das so? Ganz gleich, wo auf der Welt ihr lebt und unter welchen Umständen, jeder Mensch erlebt dies. Deshalb hat niemand aufgrund seiner eigenen Beobachtungen einen Zweifel an der Existenz und Einzigkeit Allahs, unabhängig davon, was seine Eltern glauben. Danach heißt es: Am Tag der Auferstehung werdet ihr nicht sagen können: „Unser Herr, wir wussten nichts von Deiner Existenz.“ Oder ihr werdet auch nicht sagen können: „Unsere Vorfahren haben zwei Gottheiten angenommen; wirst Du uns etwa für das bestrafen, was sie getan haben?“ Diese Verse beschreiben also, dass jeder Mensch von seiner Kindheit bis zur Geschlechtsreife nach Allah sucht und während der Geschlechtsreife zu einer festen Gewissheit gelangt. Nach der Geschlechtsreife verändert sich jedoch der Mensch. Dann kommen Wünsche auf: Besitz, Geld und vieles mehr.

 

Nun muss er zwischen Wahrheit und Irrtum wählen. Entscheidet er sich für das Falsche, stellt er Allah an die zweite Stelle. Entscheidet er sich dagegen für das Richtige, ergibt er sich Allah. Wer sich Allah ergibt, besteht die Prüfung. Wer Allah an die zweite Stelle setzt, besteht die Prüfung nicht.

 

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