Der Tod Die Religion im Koran Gesellschaft & Rechte Gesellschaftsordnung im Koran Koran als Quelle Kultur & Tradition

Selbstmordattentate aus der Sicht des Korans und der Sunna

Es gibt Islamwissenschaftler und Gelehrte, die Selbstmordattentate befürworten. In dieser Arbeit zeigen wir auf, dass dies ein großer Irrtum ist und dass Koran und Sunna diese Art von Attentate strengstens verbieten.

 

Selbstmordattentate aus der Sicht des Korans und der Sunna

Mit der Bezeichnung Selbstmordattentat ist die Selbsttötung durch „Explodieren“ inmitten von Feinden gemeint. Man hofft, so viele von ihnen wie möglich, zu töten.

Manche bezeichnen so einen Selbstmord als Martyrium. Einer, der dabei stirbt, sei demzufolge ein Märtyrer, der eine höhere Belohnung von Gott erhält und von den Menschen verehrt wird.

Es ist nicht zu akzeptieren, solche Operationen als Martyrium zu betrachten. Einem Feind ist nicht mit Selbstmord zu begegnen, sondern mit Geduld und Standhaftigkeit.

Ganz im Gegenteil! Im Islam ist es absolut untersagt, Selbstmord zu begehen. Er wurde auch unter den Gefährten Mohammeds niemals verübt. Daher kann so eine Handlung niemals ein Martyrium (Sterben für Gott) sein.

Wer ist ein Märtyrer?

Gott sagt im Kapitel (2) Al-Bakara, Vers 154:

( 154 )   Und sagt nicht von denen, die auf Allahs Weg getötet werden, sie seien tot! Nein! Vielmehr sie seien lebendig; aber ihr nehmt es nicht wahr.

Hier ist von einer Bedingung die Rede, um die Bezeichnung „Märtyrer“ zu bekommen: Er muss auf Gottes Weg (für Gott) getötet worden sein. D. h., ein anderer tötete ihn. Es handelt sich also hierbei nicht um Selbstmord!! Derjenige, der sich selbst tötet, ist hier also nicht gemeint. Es ist ein wahrhaft großer Unterschied zwischen Selbstmord bei einer selbst initialisierten Explosion und Sterben (für Gott) auf dem Wege Gottes.

Scheich El-Qaradawi (ein islamischer Wissenschaftler in Ägypten, Al-Azhar) und andere gaben als islamische Fatwa (Urteil), dass solch ein Attentat ein Martyrium sei!  Viele junge Leute glaubten diesem Urteil.

So rannten sie durch selbstverursachte Explosionen in den Tod, in der Hoffnung, dass sie dadurch den Feind schwächen und den erhofften Grad als Märtyrer erlangen würden.

Im Grunde kann niemand zu dem Schluss kommen, dass Gott sie freundlich aufnehmen oder gar belohnen würde. Nur in der Hand Gottes liegt die Entscheidung darüber, wann und wie man sterben soll und wird. Es darf keiner sein eigenes Leben auf eigene Faust beenden.

Gott hat keinen, der sich selber das Leben nimmt, als Märtyrer bezeichnet. Er hat es sogar absolut untersagt. Im Kapitel (4) An-Nisaa, Vers 29, steht:

( 29 )   Ihr Gläubigen! Bringt euch nicht untereinander in betrügerischer Weise um euer Vermögen! Anders ist es, wenn es sich um ein Geschäft handelt, dass ihr in gegenseitigem Einvernehmen abschließt. Und tötet euch nicht selbst. Allah ist gewiss barmherzig gegen euch.

Es wurde von Mohammed überliefert, dass er sagte, dass  „jemand, der sich tötet, indem er sich von einem Berg ,,hinabstürzt”, auch in der Hölle für immer hinabstürzen wird.  Einer, der ein tötendes Gift einnimmt, um Selbtmord zu begehen, der wird für immer in der Hölle dieses Gift einnehmen. Einer, der sich mit einem scharfes Metallstück ersticht, um zu sterben, der wird für immer in der Hölle erstochen werden.“

Die  Beweggründe für Selbstmordattentate

Es ist klar, dass einer, der an Suizid denkt, in Wirklichkeit einer ist, der die Hoffnung völlig verloren hat und alle Wege vor ihm verschlossen sieht.

Einem Muslim sollte so etwas nicht passieren. Gott sagt im Kapitel (12) Yusuf, Vers 87 :

( 87 )   O meine Söhne, geht und erkundigt euch nach Yusuf und seinem Bruder. Und gebt nicht die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs auf. Es gibt die Hoffnung auf das Erbarmen Allahs nur das ungläubige Volk auf.“

Im Kapitel (15) Al-Hijr, Vers 56, steht:

( 56 )   Er sagte: „Wer verliert die Hoffnung auf die Barmherzigkeit seines Herrn außer den Irregehenden?“

Es heißt zudem im Kapitel (41) Fussilat, Vers 49:

( 49 )   Nicht überdrüssig wird der Mensch, Gutes zu erbitten, doch wenn ihm Schlechtes widerfährt, dann ist er sehr verzweifelt und verliert alle Hoffnung.

Der Beweis, den Scheich El-Qaradawi aufgeführt hatte und dessen Widerlegung.

Er (El-Qaradawi) nahm den Vers 60 vom Kapitel (8) Al-Anfaal als Beweis für seine Fatwa (Behauptung). Da steht:

( 60 )   Und haltet für sie bereit, was ihr an Streitkräften und an kampfbereiten Pferden (haben) könnt, um damit den Feinden Allahs und euren Feinden Angst zu machen, sowie anderen außer ihnen, die ihr nicht kennt; Allah aber kennt sie! Und was immer ihr auf Allahs Weg ausgebt, wird euch in vollem Maß zukommen, und es wird euch kein Unrecht zugefügt.

Er verstand unter dem Koran-Ausdruck „bereithalten“ die neue ,,modernere” Waffe:  Menschliche Bombe!!

Dieses Verständnis entspricht aber keinesfalls der menschlichen Würde. Der Mensch kann doch nicht als „eine Waffe“ angesehen, geschweige denn genutzt werden.

Noch wichtiger: Der Vers, den Scheich El-Qaradawi als Beweis nahm, spricht ja überhaupt nicht von einem Kampf auf dem Schlachtfeld, sondern davon, dass man sich außerhalb der Kriegszeiten so vorbereiten sollte, dass der Feind von dem Gedanken, die Muslime anzugreifen, oder zu bekämpfen, wegkommt.

Eine weitere Gruppe von den zeitgenössischen islamischen Wissenschaftlern erkennt die Selbstmordattentate auch an.

Diese bringt als Beweis hierfür eine Überlieferung von Mohammed: ,,Am Tage von der Schlacht von Uhud hob er ein Schwert hoch und fragte: ,Wer möchte das nehmen?’ Jeder wollte es nehmen! Da fügte Mohammed noch hinzu: ,Wer nimmt es für seinen wahren Zweck?’ Da schwiegen sie alle, bis auf ,Semak Ebu Duschane’, der antwortete: ,Ja, ich nehme es für seinen wahren Zweck.’ Er nahm es tatsächlich und kämpfte damit, bis die Muslime siegten.”

Ein Schwert ,,zu seinem wahren Zweck” nehmen, bedeutet, dass man es für den Zweck benutzt, für den es hergestellt wurde: Für den Kampf! Nicht fürs Behalten als Andenken!

Die besagten Gelehrten verstanden von dieser Überlieferung fälschlicherweise, dass derjenige, der das Schwert nimmt, solange damit kämpfen muss, bis er stirbt.

Es ist überhaupt nicht nachvollziehbar, wie diese Gruppe zu dieser Schlussfolgerung kommt. Die Frage von Mohammed an seine Leute, wer das Schwert ,,zu seinem wahren Zweck” nehmen möchte, beinhaltet überhaupt nichts von dem, was sie behaupten.

Eigentlich darf man diese Überlieferung ohnehin nicht als Beweis für Selbstmordattentate nehmen. Das ist ein Vergleich mit einem riesigen Unterschied.

Schließlich führt der Kampf mit einem Schwert während eines Krieges nicht unbedingt zum Tode, denn es ist ja denkbar, dass der Feind flieht, ohne dass man stirbt.

Was der Nabi Mohammed sagen wollte, war, die Muslime zum Weiterkämpfen zu ermutigen, angesichts des Feindes standhaft zu bleiben und ihm nicht den Rücken zu kehren.

Das ist genau das, was im Kapitel Al-Anfaal (8), Vers 45, steht:

( 45 )   O die ihr glaubt, wenn ihr einer feindlichen Truppe begegnet, so bleibt standhaft und gedenkt Allahs häufig, auf dass es euch wohl ergehen möge!

Es ist im Islam verboten, während eines Krieges dem Feind den Rücken zu kehren, es sei denn, um sich einer anderen kämpfenden Gruppe anzuschließen oder um sich neu zu gruppieren, falls die Kampfstrategie dies erfordert. Diesbezüglich steht im Kapitel (8) Al-Anfaal, Verse 15-16:

15 )   O die ihr glaubt, wenn ihr den Ungläubigen auf dem Schlachtfeld begegnet, dann kehrt ihnen nicht den Rücken.

( 16 )   Wer ihnen an jenem Tag den Rücken kehrt – außer, er setzt sich ab zum Kampf, oder er schließt sich einer (anderen) Schar an – zieht sich fürwahr den Zorn von Allah zu und sein Zufluchtsort ist die Hölle – ein schlimmer Ausgang!

Gott sagt zudem im Kapitel (2) Al-Bakara, Vers 190:

( 190 )   Und kämpft auf Allahs Weg gegen diejenigen, die gegen euch kämpfen, doch übertretet nicht! Allah liebt nicht die Übertreter.

Ein Kampf bedeutet eine persönliche (und körperliche) Auseinandersetzung mit dem Feind auf einer sog. Kampffläche, wo sich beide Gegner befinden. Ein Selbstmordattentat ist in jedem Maße kein „Kampf“ im Sinne des Korans. Er wird als „Suizid“ klassifiziert.

Zudem wird eine Selbstmordattentat immer außerhalb des Schlachtfeldes (wo sich beide Gegner befinden) durchgeführt. Er trifft in den meisten Fällen nur unbewaffnete Zivilisten, die mit dem Krieg wenig zu tun haben. Das ist wahrlich eine Übertretung.

Das Verhalten gegenüber dem Feind im Falle eigener Schwäche

Pharao stoß die Kinder (die Nachkommenschaft)  Israels aus, er ließ deren Söhne töten und nahm die Frauen als Sklavinnen und Konkubinen.

Moses versuchte, sein Volk gegen die Erpressung Pharaos zu unterstützen und empfahl ihm, geduldig zu sein und zu beten. Gott sagt im Kapitel (128) Al-A‘araaf:

( 128 )   Moses sagte zu seinem Volk: „Sucht Hilfe bei Allah und seid standhaft! Gewiss, die Erde gehört Allah; Er gibt sie zum Erbe, wem von Seinen Dienern Er will. Und das (gute) Ende gehört den Gottesfürchtigen.“

Sein Volk war enttäuscht:

( 129 )   Sie sagten: „Uns ist Leid zugefügt worden, bevor du zu uns kamst und nachdem du zu uns gekommen bist.“ Er sagte: „Vielleicht wird euer Herr euren Feind vernichten und euch zu Nachfolgern auf der Erde machen und dann schauen, wie ihr handelt.“

Moses hielt auf seiner Meinung fest. Er ermutigte sein Volk weiterhin und befahl, das Beten fortzusetzen. Siehe zweite Hälfte des o. e. Verses!

Dann wurde das Versprechen Gottes dem Volk von Moses gegenüber, bezüglich der Strafe von Pharao, wahr. Im Kapitel (7) Al-A’raaf, Vers 130, steht:

( 130 )   Und Wir ergriffen ja schon die Leute Pharaos mit Dürrejahren und Mangel an Früchten, auf dass sie sich ermahnen ließen.

Im  gleichen Kapitel (7), Vers 137, steht auch:

(137) Und Wir gaben dem Volk, das unterdrückt worden war, die östlichen und die westlichen Gegenden des Landes, das Wir gesegnet haben, zum Erbe. Und das schönste Wort deines Herrn erfüllte sich an den Kindern Israels dafür, dass sie standhaft waren. Und Wir zerstörten alles, was Pharao und sein Volk geschaffen und was an hohen Bauten sie errichtet hatten.

Das Verhalten gegenüber dem Feind im Falle der Möglichkeit der  Kriegsvermeidung

Der Nabi Mohammed und eine Anzahl von 1600 Mann von seinen Gefährten beschlossen, im sechsten Jahr nach der Auswanderung von Mekka, zu pilgern. Als sie aber den Ort „Hudaibiyah“ kurz vor Mekka erreichten, wurden sie von den Leuten von Mekka festgehalten und aufgehalten. Das war in Wirklichkeit eine Schande für die Leute von Mekka, denn sie hatten noch nie zuvor jemanden aufgehalten, der nach Mekka pilgern wollte.

Die Muslime, unter Leitung Mohammeds, hatten zu diesem Zeitpunkt die Oberhand. Die Leute von Mekka litten immer noch an den Verlusten des Krieges von Handak vor nur einem Jahr. Außerdem erhielten sie keinen Weizen mehr von „Sahib El-Jamama“, da dieser kürzlich den Islam angenommen hatte. Er schickte ihnen danach keinen Weizen mehr.

Mohammed aber gab den Befehl, dass man ihnen den Weizen weiterhin schicken sollte. Zusätzlich verteilte er Gelder an die Armen.

„Ebu-Sufyan“, ein Großhändler, kaufte die ganzen Güter, damit er sie zu höheren Preisen weiterverkaufen konnte. Deshalb warteten die einzelnen Händler auf die Muslime, damit ihr Handel blühen würde.

Gott hatte aber etwas Anderes geplant.

Die derzeitigen Umstände waren sehr günstig, um Mekka zu erobern. Die Muslime waren wohl gut darauf vorbereitet, diesen Schritt mit Erfolg und in kurzer Zeit durchzuführen. Kriegserfahrungen hatten sie ja wohl genug. Sie hatten gerade die Kriege von Badr, Uhud und Handak durchgeführt und gesiegt. Die Leute von Mekka kannten genau die Macht und das Können der Muslime. Zu dieser Zeit waren alle Gelder in der Hand vom Großhändler „Ebu-Sufyan“ und seinesgleichen.

Trotzdem gab Gott seinem Nabi Mohammed nicht den Befehl, Mekka zu erobern. Diesbezüglich steht im Vers 25 des Kapitels (48) Al-Fath:

( 25 )   Sie sind es, die ungläubig gewesen sind und euch von der geschützten Gebetsstätte abgehalten haben und die Opfertiere aufgehalten haben, so dass sie ihren Schlachtort nicht erreichten. Und wenn es (dort) nicht gläubige Männer und gläubige Frauen gegeben hätte, die ihr nicht kanntet, und die ihr vielleicht unwissentlich niedergetreten hättet, so dass euch ihrethalben ein Unrecht hätte zugerechnet werden können (wenn sie nicht gewesen wären, hätte das Unternehmen anders geendet). Allah lässt eben in seine Barmherzigkeit eingehen, wer es verdient hat. Wenn sie sich (von den übrigen, ungläubigen Mekkanern vorher) getrennt hätten (und so nicht in Mitleidenschaft gezogen worden wären), hätten Wir diejenigen von ihnen, die ungläubig sind, wahrlich mit schmerzhafter Strafe gestraft.

Gott nennt hier den Grund, warum Er ihnen nicht gestattet hatte zu kämpfen. Unter den Einwohnern Mekkas gab es viele Muslime, die es aber verheimlichten. Die Mitstreiter Mohammeds wussten es nicht. Es bestand also die große Gefahr, dass sie bei der Eroberung von Mekka auch diese unbekannten Muslime versehentlich töten würden. Dann würden es die Eroberer (als Muslimen) sehr bedauern und es bereuen. Das wollte Gott nicht.

Mohammed beschloss infolgedessen, nach Medina zurückzukehren, trotz allgemeiner Unzufriedenheit seiner Gefährten. Alle folgten dem Befehl Gottes, nicht zu kämpfen und sie kehrten alle zurück. Sie handelten gegen ihren Willen.

Gott bezeichnete dies als „Sieg“.

So sagt Er im Kapitel  (48) Al-Fath, Verse 1-3:

( 1 )   Gewiss, Wir haben dir einen deutlichen Sieg verliehen,

( 2 )   damit dir Allah deine vergangenen und zukünftigen Sünden vergebe, und damit Er Seine Gunst an dir vollende und dich einen geraden Weg leite

( 3 )   und (damit) Allah dir helfe mit mächtiger Hilfe.

Niemand kann sagen, dass das Verhalten von Moses oder Mohammed falsch wäre. Aufgrund ihrer richtigen Verhaltensweise spürte jeder Nichtmuslim in seinem Inneren die Notwendigkeit, zum Islam zu konvertieren.

Im Gegensatz dazu rufen die sog. Selbstmordattentate nur den tiefen Hass im Herzen des Nichtmuslims und aller Menschen hervor.

Gott sagt im Kapitel (94) Asch-Scharh, Verse 5 – 6:

( 5 )   Wahrlich, mit der Erschwernis kommt die Erleichterung,

( 6 )   gewiss, mit der Erschwernis kommt die Erleichterung.

Wir Muslime müssen uns so verhalten, wie es Gott im Koran erklärt. Dann schauen wir, was passiert. Er lässt die Rechte eines jeden Menschen niemals verloren gehen. Er hält immer sein Versprechen.

Der Allmächtige sagt im Kapitel (40) Ghafir, Vers 51:

( 51 )   Wahrlich, Wir helfen Unseren Gesandten und denjenigen, die glauben, im diesseitigen Leben und am Tag, da die Zeugen auftreten, …

Er versprach, die Muslime siegen zu lassen.

Er sagt im Kapitel  (30) Ar-Room, Vers 47:

( 47 )   Und Wir haben bereits vor dir Gesandte zu ihren (jeweiligen) Völkern gesandt. Sie kamen zu ihnen mit den klaren Beweisen. Da übten Wir Vergeltung an denjenigen, die Übeltaten begangen; und es war für Uns eine Pflicht, den Gläubigen zu helfen.

______________________________________________________

(Ende des Berichtes)

Geschrieben von Prof. Dr. Abdulaziz Bayındır

13.07.2015

 

Übersetzt ins Arabische von Dr. Jamal Najim

Am 13.07.2015,

Übersetzt ins Deutsche von Dr. med. Abdulhamid Gehani

Am 01.09.2016

Deutschsprachige Aufsicht:

Hatice Göktaş

10.09.2016

Schreibe einen Kommentar