Die Religion im Koran Gesellschaft & Rechte Koran als Quelle Natur Propheten

Die Nachfolgerschaft und die Theokratie

Im Christentum sowie im Islam zeigt sich im Laufe der Geschichte eine Tendenz von der wahren Religion Gottes hin zur Theokratie, was die Menschheit in ein Elend treibt. Den absoluten Gehorsam gegenüber einer Obrigkeit verlangt Gott nicht von uns, noch nicht einmal gegenüber seinen Propheten. Es gibt in der Religion Gottes keine unantastbaren Menschen, egal in welcher Position sie sind. Unantastbar ist nur das Wort Gottes. Die Kirche und viele islamische religiöse Führer haben es jedoch durchgesetzt, dass religiöse Führer und auch Staatsmänner verheiligt werden, um Macht und Einfluss zu gewinnen und von Gottes Religion abtrünnig zu machen.

Die Nachfolgerschaft und die Theokratie

Prof. Dr. Abdulaziz Bayındır

Gott schuf den Menschen mit der Notwendigkeit der Nachfolgerschaft. Dies bedeutet, dass dieser sich ständig im Wettbewerb um Macht und Einfluss befindet. Gott sagt in Kapitel Al-Baqara, (2) Vers 30:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

(30) Und als dein Herr zu den Engeln sagte: ,,Ich bin dabei, auf der Erde einen Statthalter einzusetzen“, da sagten sie: ,,Willst Du auf ihr etwa jemanden einsetzen, der auf ihr Unheil stiftet und Blut vergießt, wo wir doch Dein Lob preisen und Deine Herrlichkeit rühmen?“ Er sagte: ,,Ich weiß, was ihr nicht wisst.“

Der Begriff ,,Kalif” oder besser ,,Nachfolger” kann im Arabischen ( خليفة ) zweierlei Bedeutungen haben: Die erste ist, dass man selbst der Nachfolger eines anderen ist. Die zweite Bedeutung ist, dass man von einem anderen nachgefolgt wird. In beiden Fällen muss der Vertretene gestorben oder verschwunden sein, damit er durch den Nachfolger ersetzt werden kann.

So wurde, z. B., Abu-Bakr der Nachfolger Mohammeds, des Nachgefolgten, Führer der Muslime.

Wenn wir von Adam als Kalif sprechen, meinen wir natürlich damit, dass ihm nachgefolgt wird, da es ja keine anderen Menschen vor ihm gab.

Für die Engel war Adam, als Gott ihnen mitteilte, dass er einen Kalifen auf Erden erschaffen wolle, ja nur ein Lebewesen, das auf der Erde wohnen würde und aus Machtgier Blut vergieβen würde.  

Die Nachfolgerschaft gibt es auch in der Tierwelt. Um die  Führung über seine Artgenossen zu erlangen,  ist ein männliches Tier bereit, zu kämpfen, bis der männliche Gegner getötet, ausgestoßen oder unterjocht ist.

Im Hühnerstall gibt es, z.B., nur einen einzigen Hahn. Falls es zwei Hähne gäbe, würden sie so lange gegeneinander kämpfen, bis einer von ihnen stirbt oder aufgibt und geht. So ein Kampf existiert nicht unter Hühnern. Es würden sich dann ja nur ein Hahn und ein einziges Huhn im Stall befinden. Wenn es aber einen solchen Kampf zwischen Hahn und Huhn gäbe, würde diese Tierart vollkommen aussterben.

Die Engel dachten, dass die Beziehung unter den Artgenossen des neuen Geschöpfes (des Menschen) durch die Gesetze der Nachfolgerschaft bestimmt werden. Es würde also ein gefährlicher Wettbewerb zwischen Mann und Mann, zwischen Mann und Frau und zwischen Frau und Frau geben.

Diesen sind aber wegen dieser falschen Vorstellung keine Vorwürfe gemacht worden.

Der Mensch stuft sich selbst herab auf ein Niveau, das unter dem der Tiere ist, wenn er Unbill treibt und Blut vergieβt, um an die Macht zu kommen.

Es  gibt jedoch etwas, das die Engel nicht kannten. Im o.e. Vers steht:

,,Er sagt: ,Ich weiß, was ihr nicht wisst.'“

Danach berichtet Gott im Vers 31 des gleichen Kapitels:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

(31) Und Er lehrte Adam die Namen alle. Hierauf legte Er sie den Engeln vor und sagte: ,,Teilt Mir deren Namen mit, wenn ihr wahrhaftig seid!“

Im Arabischen bedeutet das Wort ,,al-asma (die Namen; Namen mit dem Definitions Artikel l’)”. Damit ist wiederum alles Existente und Bekannte gemeint. Es sagt auch etwas über die Natur und den Zweck der genannten Dinge aus.

Gott lehrte also Adam alle Namen der vorhandenen, aber noch unbekannten Dinge in dieser Welt und auch deren Zweck.

All diese Dinge waren vorher ja unbekannt. Gott zeigte und brachte Adam bei, wie sie alle heiβen und wozu man sie braucht. Danach sind sie für Adam bekannt geworden.

In der arabischen Grammatik gibt man immer unbekannte Dinge ohne Artikel an, also nur ,,asmaa” (Namen). Die bekannten Dinge, die alle kennen, versieht man mit dem Definitionsartikel, also ,,al-Asmaa” (Die Namen).

Wenn nun über Namen von unbekannten Dingen gesprochen wird, so wird das durch die arab. Endsilbe ,,ha” ausgedrückt, also ,,külli-ha” (alle), wie dies am Anfang des o. e. Verses 31 zu sehen ist: ,,alle Namen (الأسماء كلها )”, das bedeutet, dass die Dinge bislang noch nicht bekannt waren. Nach Adams Belehrung durch Gott wurden erst alle Dinge bekannt. Im darauffolgenden Satz wird dies durch den Ausdruck hum” klargestellt: ,,Hierauf legte Er sie den Engeln vor (, عرضهم ‘).”

Somit präsentierte Gott die nunmehr bekannt gewordenen Dinge (hum) den Engeln und fragte sie nach deren Namen (Bezeichnungen), was die Engel natürlich nicht wussten.

Auf diese Weise erkannten die Engel, dass die Schöpfung nicht ohne Sinn ist. Im Gegenteil: Alle Geschöpfe und Dinge sind voller Kenntnisse und Bedeutungen. In Bezug darauf sagt Gott im Vers 33 vom Kapitel Al-Baqara:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

(33)   Er sagte: ,,O Adam, teile ihnen ihre Namen mit!“ Als er ihnen ihre Namen mitgeteilt hatte, sagte Er: ,,Habe Ich euch nicht gesagt, Ich kenne das Verborgene der Himmel und der Erde, und Ich weiß auch, was ihr offenlegt und was ihr verborgen zu halten sucht?“

Die Überlegenheit Adams besteht also darin, dass er Dinge kennt, die die Engel nicht kannten. Dies sind die Wissenschaften, die Gott Adam beigebracht hat. Darauf deutet Gott in den Versen 3 – 5 vom Kapitel Al-Alaq (96) hin:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 3 )   Lies, und dein Herr ist der Edelste,

( 4 )   Der (das Schreiben) mit dem Schreibrohr gelehrt hat,

( 5 )   den Menschen gelehrt hat, was er nicht wusste.

Mit ,,Mensch” ist hier der allererste gemeint. Das ist Adam, Friede sei mit ihm.

Was die Engel nicht kannten, war, Zivilisationen aufzubauen und Wissenschaften zu erfinden, auf der Basis eines Wettbewerbs.

Der Mensch befindet sich in einer Prüfung. Umso mehr Gutes er tut, um das  Schönste wetteifert, Blutverieβen unterlässt und sich als eine aufbauende Kraft zeigt, einen desto höheren Rang kann er auf der Erfolgsliste erreichen!!

 

1)   Die Prüfung

Das Besondere an der Menschenschöpfung ist seine Prüfung. Das unterscheidet ihn vom Tier. Wenn der Mensch nicht mit der Eigenschaft der Nachfolgerschaft erschaffen worden wäre, hätte eine Prüfung überhaupt keinen Sinn. Es existiert eine proportionale Beziehung zwischen der Schwere der Prüfung und dem erreichten Grad.

Die Bevorzugung des jenseitigen Lebens bedeutet den Erfolg des Guten im Inneren des Menschen. Dies bedeutet wiederum, dass er ein gutes Leben im Diesseits und die Glückseligkeit im Jenseits verdient. Gott sagt im Kapitel An-Nahl (16), Vers 97:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 97 )   Wer rechtschaffen handelt, sei es Mann oder Frau, und dabei gläubig ist, den werden Wir ganz gewiss ein gutes Leben leben lassen. Und Wir werden ihnen ganz gewiss mit ihrem Lohn das Beste von dem vergelten, was sie taten.

Wer aber den Vorrang seinen tierischen Neigungen und Begierden gibt und die Gesetze Gottes während des Wetteiferns um die Nachfolgerschaft übertritt und das Diesseits dem Jenseits vorzieht, dem droht eine  entsprechend schwere Strafe. Gott sagt im Kapitel Ibrahim (14), Vers 2- 3:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

(2) (den Weg) Allahs, Dessen ist, was in den Himmeln ist und was auf der Erde. Und wehe den Ungläubigen vor einer strengen Strafe!

( 3 )   Diejenigen, die das diesseitige Leben mehr lieben als das Jenseits und von Allahs Weg abhalten und danach trachten, ihn krumm zu machen; sie befinden sich in weit(reichendem) Irrtum.

Manche behaupten, dass Gottes Worte unverständlich seien und es keine klaren Deutungen für das gäbe, was Gott eigentlich mitteilen möchte. In Wirklichkeit ist das nur der Versuch, vor Gottes Gesetzen zu entfliehen. Diesbezüglich sagt Gott in Kapitel Az-Zukhruf (43), Vers 36- 37:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 36 )   Wer für die Ermahnung des Allerbarmers blind ist, dem verschaffen Wir einen Satan, der ihm dann zum Gesellen wird.

( 37 )   Und sie (die Satane) halten sie wahrlich vom Weg ab, und diese meinen, sie seien rechtgeleitet.

Der Satan (Teufel) verlässt niemals den geraden Weg, weil er sein wahrer Arbeitsplatz ist. Er ist ständig damit beschäftigt, die Menschen von diesem Weg abzubringen. Als er das Versprechen Gottes bekam, weiter bis zum Ende des Lebens zu existieren, sagte er, was in den Versen 16- 17 vom Kapitel Al-A’raaf (7) geschildert wird:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 16 )   Er sagte: ,,Darum, dass Du mich in Verirrung hast fallen lassen, werde ich ihnen ganz gewiss auf Deinem geraden Weg auflauern.

( 17 )   Hierauf werde ich ganz gewiss von vorn und von hinten, von ihrer Rechten und von ihrer Linken über sie kommen. Und Du wirst die meisten von ihnen nicht dankbar finden.“

Ein Teufel kann ein Mensch, aber auch ein Dämon (Dschinn) sein. Eines Dämons kann man sich entledigen, indem man Zuflucht bei Gott (Allah) vor dem verfluchten Satan sucht, aber  von einem Menschen kann man sich nicht so einfach befreien.

Der Mensch kennt die Details der Religion. Er hat die Fähigkeit, die durchgeführten Änderungen in einer überzeugenden Form darzulegen. Zusätzlich findet er die Schwächen der angesprochenen Person, um sie auszunutzen und somit diese Person vom Rechten Weg  abzubringen.

Nachdem Gott Adam belehrte, ließ Er ihn im Paradies wohnen. Da hatte er alles. Gott sagt im Kapitel Al-A’raaf (7), Vers 19:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 19 ) Und (du) o Adam, bewohne du und deine Gattin den (Paradiesgarten), und dann esst, wo immer ihr wollt. Aber naht euch nicht diesem Baum, sonst gehört ihr zu den Ungerechten!“

Gott warnte Adam aber vor der verführerischen Anlockung Satans. Er sagt in den Versen 117- 119 vom Kapitel Taa-Haa (20):

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 117 ) Da sagten Wir: ,,O Adam, dieser (da) ist dir und deiner Gattin gewiss ein Feind. Dass er euch beide ja nicht aus dem (Paradies)garten vertreibt! Sonst wirst du unglücklich sein.

( 118 )   Gewiss, es ist dir gewährt, dass du darin weder hungerst noch nackt bist,

( 119 )   und dass du darin weder dürstest noch Sonnenhitze erleidest.“

Und als sich die Engel vor Adam nieder warfen, bemerkte er, wie wichtig er ist und welch hohe Position er hat. Gott sagt über solche Leute, die in eine ähnliche Situation kommen wie Adam, im Kapitel Al-Alaq (96),  Verse 6-7:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 6 )   Keineswegs! Der Mensch lehnt sich wahrlich auf,

( 7 )   dass er von sich meint, unbedürftig zu sein.

Der Satan kannte den Schwachpunkt Adams. So flüsterte er ihm ein (ohne hörbare Stimme), dass er von diesem Baum essen solle, damit er ewig leben und eine Herrschaft, die nie vergeht, haben würde. Ihm war aber gerade das Essen von diesem Baum verboten.

Gott sagt im Kapitel Taha (20), Vers 120:

(Im Namen Allahs, des Allerbarmers, des Barmherzigen)

( 120 )   Aber da flüsterte ihm der Satan ein und sagte: ,,O Adam, soll ich dich auf den Baum der Ewigkeit hinweisen und auf eine Herrschaft, die nicht vergeht?“

Adam war sowohl mit der Methode als auch mit dem Ergebnis einverstanden, also mit dem Essen vom Baum und mit dem ewigen Leben danach. Er hatte aber auf beides kein Anrecht. Dies war die erste Prüfung Adams, wo sich seine widerspenstige Natur zeigte. Er erreichte aber sein Ziel durch das Essen von dem verbotenen Baum nicht. Da stellte er fest, wie er sich geirrt hatte. Er bereute es, kehrte sofort um und bat Gott um Vergebung.

Die Satane nutzen die Demut der Leute gegenüber Führern und Kommandanten aus. So eröffnen sie den Weg  zu deren Verheiligung. Somit bildet sich die Theokratie.

2) Der Nachfolger (Staatsführer):

Aufgrund der o. e. Verse ist jeder Mensch ein Nachfolger von jemand anderen vor ihm und er wird dann durch andere nachgefolgt oder ersetzt.

Wenn man heutzutage von ,,Nachfolger” spricht, dann rückt sofort der ,,Führer” des islamischen Staates ins Bewusstsein. Abu Bakr war der Nachfolger Mohammeds. Ömer war der Nachfolger Abu Bakrs usw.

Es ist nicht wichtig, dass man Nachfolger wird, aber wie man sich danach als solcher verhält.

Wird er (der Nachfolger) sich wie ein Tier verhalten? Blut vergießen? Den menschlichen und tierischen Nachwuchs beenden und die aufgebauten Länder zerstören? Oder wird er die aufbauenden Antriebe der Menschen unterstützen, der Zivilisation und dem Fortschritt, die der Menschenwürde angemessen sind, beistehen?

Der erste Typ des Nachfolgers, der dem Diesseits den Vorrang (vor dem Jenseits) gibt, und versucht, seinen eigenen Gelüsten nachzueifern, indem er die Grenzen Gottes  überschreitet, der bringt sich in große Gefahr. Solche Nachfolger wollen, dass sich ihnen die anderen unterwerfen. Dies gelingt ja nur, wenn sie die anderen daran hindern, die Wahrheit zu erkennen.

Der zweite Typ des Nachfolgers müsste ja zugunsten der Gesellschaft verständlicherweise auf seinen eigenen Egoismus völlig verzichten. Das ist der Weg Gottes.

3) Mohammed, der Prophet*, Friede sei mit ihm, der Ideale Staatsführer:

Mohammed ist Gesandter Gottes und der allerletzte Prophet. Wer zwischen den beiden Begriffen ,,Gesandter” (Rasul) und ,,Prophet” nicht unterscheidet, der glaubt, dass Mohammed -da er der allerletzte Prophet ist- auch der allerletzte Bote sei. Die Allgemeinheit denkt, dass ein Gesandter Gottes einer sei, der mit einem neuen Buch und neuen Gesetzen entsandt wurde. Ein Prophet aber sei einer, der entsandt wird, um die vor ihm bereits bekannten Gottesgesetze zu bestätigen.

Demzufolge gibt es denn, nachdem der letzte Prophet Mohammed gestorben ist, keinen Boten mehr, der die Worte Gottes an die Menschen weiterleiten wird.

Gemäß einer traditionellen, gängigen Definition des Wortes ,,Prophet” soll Ismael nur ein Prophet und nicht ein Bote sein, weil er weder mit einem neuen Buch noch mit neuen Gesetzen ausgestattet worden sei.

*Prophet: auf arabisch ,,Nabi”, bedeutet einer, der von Gott eine heilige Schrift erhalten hat. So ist er im Besitz von Gottes Informationen, die er dann als Resul absolut unverändert weiterleiten soll. Er darf auf gar keinen Fall etwas dazu hinzufügen oder etwas davon weglassen. Er prophezeit nicht und kann auch nicht.

In Kapitel Al-Anaam (6), Vers 89 steht jedoch:

( 89 )   Das  sind diejenigen, denen Wir die Schrift, das Urteil und das Prophetentum gegeben haben. Wenn aber diese es verleugnen, so haben Wir damit schon (andere) Leute betraut, die dem gegenüber nicht ungläubig sind.

Mit dem Artikel „das” am Anfang des Verses sind viele Propheten und Boten gemeint, die in den vorigen Versen (83- 87) des gleichen Kapitels aufgezählt werden. Unter ihnen wird auch Ismael genannt.

Ismael wurden also die Weisheit (Urteil) und das Buch (Schrift) gegeben. Zusätzlich auch noch das Prophetentum.

Dies wurde durch folgenden Vers (54) vom Kapitel Maryam (19) bestätigt:

( 54 )   Und gedenke im Buch Ismael. Gewiss, er war wahrhaftig in seinem Versprechen, und er war ein Gesandter und Prophet.

Die Unterscheidung zwischen Prophet und Gesandter ist enorm wichtig. Ein Gesandter ist ein Bote, der eine Nachricht unverändert, ohne Zusatz und ohne Mängel weitergibt.

Ein Prophet ist, dem Vers 83 vom Kapitel Al-Anaam (6) zufolge, ein auserwählter Mensch, dem Schrift und Weisheit offenbart wurden.

Die Gesandten bestehen aus zwei Gruppen:

Zunächst gibt es den Gesandten, der gleichzeitig ein Prophet ist. Jeder Prophet ist damit beauftragt, sämtliche Offenbarungen unverändert weiterzuleiten. Somit ist er also ein Gesandter. Es gibt keinen Propheten, der keine Schrift erhalten hat.

Im Gegensatz dazu gibt es auch ,,Gesandte”, die keine Schrift bekommen haben.

Der König von Ägypten schickte einen Boten zu Joseph, der zu dieser Zeit noch im Gefängnis war: Im Vers 50 vom Kapitel Yusuf (12) steht:

(50) Der König sagte: ,,Bringt ihn zu mir.“ Als der Bote (Resul) zu ihm kam, sagte er: ,,Kehr zu deinem Herrn zurück und frag ihn, wie es mit den Frauen steht, die sich in die Hände geschnitten haben. Mein Herr weiss doch über ihre List Bescheid.“

Das Gleiche tat Balqees, als sie Boten zu Salomon hinschickte. Im Vers 35 vom Kapitel An-Naml (27) heißt es:

( 35 )   ,,Gewiss, ich werde (Boten) zu ihnen senden mit einem Geschenk und dann abwarten, was (für eine Antwort) die Gesandten (Resul) zurückbringen.“

Da Mohammed der allerletzte Prophet ist, wird es nach ihm gar keine göttliche Schrift mehr geben. Gott sagt im Kapitel Al-Ahzaab (33), Vers 40:

( 40 )   Mohammad ist nicht der Vater irgend jemandes von euren Männern, sondern Allahs Gesandter und das Siegel der Prophet Und Allah weiß über alles Bescheid.

Hier wird also klargestellt, dass Mohammed der Letzte aller vor ihm entsandten Propheten darstellt. Dies bedeutet ja nicht das Ende der Gesandten. Es bleibt also die Aufgabe der Weitergabe des Korans an die gesamte Menschheit bestehen.

Der Vermittler des Korans ist heute ein Gesandter (Rasul), solange er nichts von sich aus hinzufügt oder weglässt. Sogar im Falle, dass der Vermittler gleichzeitig ein Prophet wäre, dürfte er selbst ausgedachte Aussprüche nicht hinzufügen oder vom Originaltext etwas weglassen. Sonst würde er mit dem Tod bestraft werden. Gott sagte in den Versen 44- 47 vom Kapitel Al-Haaqqa (69):

( 44 )   Und wenn er sich gegen Uns einige Aussprüche selbst ausgedacht hätte,

( 45 )   hätten Wir ihn sicherlich an der Rechten gefasst

( 46 )   und ihm hierauf sicherlich die Herzader durchschnitten,

( 47 )   und niemand von euch hätte (Uns) dann von ihm abhalten können.

Ein Gesandter ist derjenige, der die Worte Gottes absolut unverändert weitergibt. Ihm zu gehorchen ist unabdingbar. Die Gehorsamkeit ist hier alleine für Gott.

Gott sagt im Kapitel An-Nisaa (4), Vers 80:

( 80 )   Wer dem Gesandten gehorcht, der gehorcht Allah, und wer sich abkehrt, – so haben Wir dich nicht als Hüter über sie entsandt.

Unser Prophet Mohammed leitete den Koran weiter als Gesandter. Er lehrte die Menschen aber auch Koranwissenschaften und übte selbst die Gesetze des Korans vor Augen aller aus. Gott sagt im Kapitel An-Nisaa (4), Vers 105:

( 105 )   Gewiss, Wir haben dir das Buch mit der Wahrheit herabgesandt, damit du zwischen den Menschen richtest auf Grund dessen, was Allah dir gezeigt hat. Sei kein Verfechter für die Verräter!

Wenn er selbständig gewisse Regeln aus dem Koran ziehen wollte, dann wäre es ja nicht ausgeschlossen, dass er sich irren würde. Darum soll man ihm nur im Bereich der bereits bekannten Rechtsgesetze gehorchen, wenn er etwas außerhalb des Koraninhaltes sagt.

Gott befiehlt im Kapitel Al-Mumtahana (60), Vers 12:

(12) O Prophet, wenn gläubige Frauen zu dir kommen, um dir den Treueid zu leisten, dass sie Allah nichts beigesellen, nicht stehlen, keine Unzucht begehen, ihre Kinder nicht töten, keine Verleumdung vorbringen, die sie vor ihren (eigenen) Händen und Füßen ersinnen, und sich dir nicht widersetzen in dem, was recht ist, dann nimm ihren Treueid an und bitte Allah für sie um Vergebung. Gewiss, Allah ist allvergebend und barmherzig.

Diese Frauen, die zu Mohammed kamen, um ihm Treueid zu leisten, gehörten zur  sozial schwachen Schicht in der Stadt. Sie kamen aus Mekka als Einwanderer. Sie hatten niemanden als Fürsorger. Trotz ihrer Schwäche und ihrer Unbeholfenheit,  wurde von diesen Frauen nicht verlangt, ihm (Mohammed) als Staatschef blind zu gehorchen. Sie sollten ihm nur im Bereich des allgemein Anerkannten gehorchen.

Wenn die verantwortlichen Personen in einem islamischen Staat einen Fehler begehen, dann sollte man das richtige Urteil im Koran suchen und in den Überlieferungen Mohammeds. Gott sagt im Kapitel An-Nisaa (4), Vers  59:

( 59 )   O die ihr glaubt, gehorcht Allah und gehorcht dem Gesandten und den Befehlshabern unter euch! Wenn ihr miteinander über etwas streitet, dann bringt es vor Allah und den Gesandten, wenn ihr wirklich an Allah und den Jüngsten Tag glaubt. Das ist am besten und am ehesten ein guter Ausgang.

Ein Muslim wird niemals weder mit Gott noch mit seinem Propheten streiten. Wohl aber kann er mit seinen Vorgesetzten Meinungsverschiedenheiten haben. Die Lösung hierfür findet er im Koran.

Mohammed vermittelte den Koran als Gesandter. Ihm zu gehorchen ist aus diesem Grund absolut obligatorisch. Er hat aber auch den Koran auf Erden als Prophet praktiziert. Als Staatschef hatte Mohammed ständig seine Pläne entsprechend der Koranverordnungen angesetzt. Genau dies war jedoch nicht passiert, als Mohammed viele Gefangene im Kriege von Badr festnahm, bevor der Krieg zu Ende war. Er wurde deswegen von Gott heftig zurechtgewiesen.

Im Kapitel Al-Anfaal (8), Vers 6, steht:

(68) Wenn nicht von Allah eine früher ergangene Bestimmung wäre, würde euch für das, was ihr genommen habt, wahrlich gewaltige Strafe widerfahren.

Der Badr-Beutezug, die Prüfung für unseren Propheten

Im Beutezug von Badr war die Festnahme von Gefangenen vor dem Kriegsende eine Fehlentscheidung. Viele Begleiter Mohammeds waren mit dieser falschen Entscheidung  ebenfalls einverstanden. Deswegen ermahnte Gott alle: Mohammed und sein Gefolge. Im Kapitel Al-Anfaal (8), Vers 67- 68 steht:

( 67 )   Es steht keinem Propheten zu, Gefangene zu haben, bis er (den Feind überall) im Land schwer nieder gekämpft hat. Ihr wollt Glücksgüter des Diesseits, aber Allah will das Jenseits. Allah ist allmächtig und allweise.

( 68 )   Wenn nicht von Allah eine früher ergangene Bestimmung wäre, würde euch für das, was ihr genommen habt, wahrlich gewaltige Strafe widerfahren.

Diesen Versen zufolge war der Grund für diese Fehlentscheidung, dass sie das Diesseits dem Jenseits vorzogen. Die Ermahnung war deswegen so streng, weil diese Entscheidung nicht gemäß dem, was in zuvor herab gesandten Versen steht, gefällt wurde.

Im Vers 4 vom Kapitel Mohammed (47) steht:

( 4 )   Wenn ihr auf diejenigen, die ungläubig sind, (im Kampf) trefft, dann haut auf den Nacken. Wenn ihr sie schließlich schwer niedergeschlagen habt, legt (ihnen) die Fesseln fest an. Danach (lasst sie) als Wohltat frei oder gegen Lösegeld, bis der Krieg seine Lasten ablegt. Dies (soll so sein)! Und wenn Allah wollte, würde Er sie wahrlich (allein) besiegen. Er will aber damit die einen von euch durch die anderen prüfen. Und denjenigen, die auf Allahs Weg getötet werden, wird Er ihre Werke nicht fehlgehen lassen;

Gott sagt im Kapitel Al-Anfaal (8), Vers 68:

( 68 )   Wenn nicht von Allah eine früher ergangene Bestimmung wäre, würde euch für das, was ihr genommen habt, wahrlich gewaltige Strafe widerfahren.

Dies hat folgenden Grund:

Vor der Auswanderung der Muslime aus Mekka ereignete sich ein heftiger Krieg zwischen den Römern und den Persern, dieser endete mit dem Erfolg der Perser und der Niederlage  der Römer. Danach prophezeite der Koran den Erfolg der Römer gegenüber den Persern im nächsten Krieg, der in wenigen Jahren stattfinden würde.

Der Sieg der Römer gegen die Perser verkündet den Sieg der Muslime gegen deren Feinde. Gott sagt in den Versen 1- 6 von Kapitel Al-Room (30):

1 )   Alif-Lam-Mim.

( 2 )   Die Römer sind besiegt worden

( 3 )   im nächstliegenden Land. Aber sie werden nach ihrer Niederlage (selbst) siegen,

( 4 )   in einigen Jahren. Allah gehört der Befehl vorher und nachher. An jenem Tag werden die Gläubigen froh sein

( 5 )   über Allahs Hilfe. Er hilft, wem Er will, und Er ist der Allmächtige und Barmherzige.

( 6 )   Das (ist) Allahs Versprechen. Allah bricht Sein Versprechen nicht, aber die meisten Menschen wissen nicht.

Die Muslime und auch die Nichtmuslime warteten deswegen mit großer Spannung auf jede Nachricht über den Krieg zwischen den Römern und Persern. Im zweiten Jahr nach der Auswanderung der Muslime aus Mekka, während der Rückkehr der großen Handelskarawane von Damaskus, unter der Leitung von Abu-Sufyan, kam tatsächlich die Nachricht über den großen Sieg der Römer gegen die Perser. Diese fröhliche Botschaft veranlasste die Muslime dazu, die Handelskarawane anzugreifen.

Abu-Sufyan, der Anführer der Karawane, wusste aber vom Vorhaben der Muslime. So nahm er sofort einen anderen Weg als geplant und konnte so sich und seine Karawane retten.

Die Muslime hofften durch die Beschlagnahme der Karawane viele Güter zu erbeuten, was ihnen alle finanziellen Verluste ersetzen würde, die sie durch die Auswanderung aus ihrer Heimat (Mekka) erlitten hatten.

Die Leute von Mekka (die Feinde der Muslime) waren aber bereits unterwegs, um gegen die ausgewanderten Muslime an dem Ort namens Badr zu kämpfen. So fanden sich die Muslime unerwartet vor den bewaffneten Gegnern, unter Leitung von Abu-Jahl. Es gab keinen anderen Weg als zu kämpfen.

Und genau darauf bezieht sich der folgende Vers,

Al-Anfaal (8), Vers 7:

( 7 )   Und als Allah euch versprach, dass die eine der beiden Gruppen euch gehören sollte, und ihr (es) lieber gehabt hättet, dass diejenige ohne Kampfkraft euer sein sollte! Aber Allah will mit Seinen Worten die Wahrheit bestätigen und die Rückkehr der Ungläubigen abschneiden, …

Die Muslime gewannen hier den Krieg von Badr und besiegten haushoch die Nichtgläubigen. Der Sieg war aber nur lokal. Sie hatten die wegrennenden Gegner nicht verfolgt. Sie hätten dann ja Mekka erobert, hatten sich aber mit der Festnahme von Gefangenen begnügt, und hofften, Gelder gegen Freilassen dieser Gefangenen zu erhalten. Der Prophet Mohammed war mit dieser Vorgehensweise einverstanden. Sein Gefolge vergaß ebenfalls, ihn an die Verse zu erinnern, die die Festnahme von Gefangenen solange verbietet, bis sie den klaren Sieg deklarieren. Also beide, Mohammed und sein Gefolge begangen den gleichen Fehler. Daher sandte Gott den folgenden Vers  herab (Al-Anfaal (8), Vers 67 ):

( 67 )   Es steht keinem Propheten zu, Gefangene zu haben, bis er (den Feind überall) im Land schwer nieder gekämpft hat. Ihr wollt Glücksgüter des Diesseits, aber Allah will das Jenseits. Allah ist allmächtig und allweise.

Manche Gefangene bezahlten etwa 4000 Dirham, manche bezahlten weniger, andere bezahlten überhaupt nichts für ihre Freilassung.

Die Gefährten Mohammeds schämten sich, die Beute nach Bekanntwerden des diesbezüglich herab gesandten Verses zu behalten. Die Antwort ließ aber nicht lange auf sich warten. Gott sagt im Kapitel Al-Anfaal (8), Vers 69:

( 69 )   Esst nun von dem, was ihr erbeutet habt, als etwas Erlaubtes und Gutes, und fürchtet Allah! Gewiss, Allah ist allvergebend und barmherzig.

Der Grund, warum Gott Adam und Eva bestraft hatte, war, dass sie das Diesseits bevorzugt hatten. Sie mussten das Paradies verlassen.

Wenn nicht Gott schon vorher versprochen hätte, dass Er Mohammed und seine Gefährten besiegen lassen würde, hätten sie eine große Niederlage im Badr-Beutezug erlitten. Obschon sie ja einen markanten Sieg erlangt hatten, kehrten sie zurück, ohne Mekka zu erobern.

Die Versöhnung von Hudaibiya im 6. Jahre nach der Auswanderung ebnete den Weg für die Rückkehr Mohammeds und seiner Gefährten und öffnete den Weg nach Mekka.

Gott sagt im Kapitel Al-Fath(48), Verse 1-2:

( 1 )   Gewiss, Wir haben dir einen deutlichen Sieg verliehen,

( 2 )   damit dir Allah das von deinen Sünden vergebe, was vorher war und was später sein wird, und damit Er Seine Gunst an dir vollende und dich einen geraden Weg leite.

Das Kapitel An-Nasser (110), das nach der Eroberung Mekkas herabgesandt wurde,  zeigt, dass er die Reue Mohammeds und seines Gefolges angenommen hatte. Es steht in den Versen 1- 3:

( 1 )   Wenn Allahs Hilfe kommt und der Sieg

( 2 )   und du die Menschen in Allahs Religion in Scharen eintreten siehst,

( 3 )   dann lobpreise deinen Herrn und bitte Ihn um Vergebung; gewiss, Er ist der Reue Annehmende.

Aufgrund des oben Berichteten können wohl Anführer und Staatsoberhäupter manchmal den Anlockungen und Reizen des Diesseits nicht widerstehen, sogar, wenn sie Propheten sein sollten. Daher sollte man ihnen nicht blind folgen, weil sie ja manchmal Fehlentscheidungen treffen können. Man sollte ihre Entscheidungen immer abwägen, ihre Handlungen kontrollieren und ihre Fehler korrigieren.

4) Die Theokratie, die Vergöttlichung der Befehlshaber

Gott, Ihm alleine gebührt Ehrerbietung, möchte nicht, dass irgendein anderer außer Ihm angebetet wird, auch wenn dieser sogar ein gesandter Prophet oder ein naher Engel sein sollte. Die Anbetung bedeutet sprachlich die absolute Hingabe zum Angebeteten ohne jegliche Bedingung. Und diese gebührt nur Gott.

Wenn einer aber einen anderen außer Gott anbetet, so bedeutet dies, dass er damit einverstanden ist, ein Sklave einer anderen ihm ähnlich erschaffenen Kreatur zu sein.  Es ist nicht möglich, Gott und noch jemanden anderen gleichzeitig anzubeten.

Gott sagt im Kapitel Al-Israa (17), Vers 84:

( 84 )   Sag: ,,Jeder handelt nach seiner Weise. Euer Herr weiß sehr wohl, wessen Weg der Rechtleitung eher entspricht.“

Diejenigen, die das Diesseits bevorzugen, kennen viele Wege, um sich Gottes Religion durch Betrug zu entziehen.

Der bekannteste dieser Wege ist, den Prophet und den Wissenschaftlern eine Bedeutung beizumessen, die nur Gott gebührt. Sie gesellen Gott somit Partner bei. So gebührt dann die absolute Gehorsamkeit diesen ja von Gott erschaffenen Partnern.

Sie bezwecken damit, den Koran in den Hintergrund zu stellen und neue andere Quellen zu erfinden, die ihre Begierden und Gelüste eher befriedigen.

Diese Gruppen bildeten allmählich eine neue alternative Religion. Diese neue alternative Religion wurde selbstverständlich auf die Wünsche und Vorstellungen der Befehlshaber zugeschnitten; sodass sie keinen anderen aus der Gemeinde eine kritische Meinung äußern ließen.

Das Ganze endete damit, dass die Leute letzten Endes die neue alternative Religion annahmen, ob gewollt oder ungewollt, um den Vorgesetzten näher zu kommen oder sich vor deren Zorn und Vergeltung zu schützen. So konnte sich diese neue Religion ausbreiten, die fälschlicherweise Gott zugesprochen wurde.

Abraham (als Prophet) hatte seinen Leuten gesagt, was im Kapitel Al-Ankabut (29), Vers 25 steht:

( 25 )   Und er sagte: ,,Ihr habt euch ja anstatt Allahs nur Götzen genommen aus Freundschaft zueinander im diesseitigen Leben. Aber dereinst, am Tag der Auferstehung, werdet ihr einander verleugnen und einander verfluchen. Euer Zufluchtsort ist das (Höllen)feuer, und ihr werdet keine Helfer haben.“

Die meisten von Abrahams Leuten (Gemeinde) wussten, dass die Anbetung von Götzen falsch ist und dennoch betrieben sie sie weiter. Sie wollten damit die gute Beziehung zu ihren Befehlshabern und religiösen Vorgesetzten aufrechterhalten. Das war das gewöhnliche Verhalten aller, die nie zuhören wollten, was Gottes Gesandter sagte. Am Tage der Auferstehung werden sie einander Vorwürfe machen und sich  gegenseitig verfluchen.

Die Ablehnung der Religion Gottes und das Festhalten an der alternativen Religion ist ein einfacher Weg zur Vergöttlichung der Befehlshaber, indem man vorgibt, dass deren Tätigkeit heilig sei, sie dürfte weder angetastet noch kritisiert werden.

Die Behauptung, dass die Gehorsamkeit gegenüber dem Vormund der (Gehorsamkeit) gegen Gott und die Ungehorsamkeit gegenüber dem Vormund der (Ungehorsamkeit) gegen Gott gleicht, ist der Grundpfeiler für die neue Religion. Sie setzen die Gehorsamkeit des Befehlshabers vor die Gehorsamkeit gegenüber Gott. Sie bezeichnen es sogar als den Weg, der zu Gott führt. Gott ist in der Tat weit erhaben über diese irreführenden Behauptungen.

5) Die Leute der Schrift und die Theokratie

Die Theokratie im Westen bedeutet das Regieren im Namen Gottes. Das Wort besteht aus zwei Silben: ,,theo”,was ,,Gott” bedeutet und ,,kratie”, was ,,regieren” bedeutet. Also kann man auch sagen ,,Gottesstaat”.

In diesem Staat ist die Gehorsamkeit gegenüber dem Regierenden gleich der Gehorsamkeit gegenüber Gott! Weder im alten noch im neuen Testament findet man allerdings einen Beweis hierfür. Man hat jedoch die Paulus- und Petrusbriefe als angebliche Beweise im neuen Testament hinzugefügt.

Man liest in den Paulusbriefen, die an die Einwohner von Rom gerichtet waren:

,,Jeder hat sich den Königen zu unterwerfen, weil sie nicht von sich aus Könige geworden sind, sondern durch Gott. Gott hat es so gewollt und angeordnet. Wenn du also Widerstand leisten solltest gegen den König, so handelst du gegen den Willen Gottes. Wenn du etwas Gutes tust, so wird er (der König) dich loben. Und wenn du etwas Schlechtes tust, wird er dich bestrafen. Er trägt sein Schwert nicht umsonst. Er ist der Diener Gottes. Er bestraft für Fehler. So muss man sich ihm unterwerfen.”

Paulus wollte in seinem Brief mitteilen, dass man den Vorgesetzten und Regierenden die absolute Hingabe und Gehorsamkeit zeigen muss, ob sie gut oder schlecht sind, da sie die Wahl und Anordnung Gottes darstellen.

In den Petrusbriefen steht: ,,Unterwerfet euch jeder menschlichen Anordnung für Gott. Der König ist über alles. Er ist Botschafter Gottes, er lobt den, der Gutes tut, und bestraft den, der Schlechtes tut. So ist der Wille Gottes.”

Aufgrund des oben Angeführten ist die Kirche die Basis zur Begründung des theokratischen Systems. Sie vertritt die Meinung der Dreifaltigkeit: Vater, Sohn und der Heilige Geist. Der Sohn hier ist Jesus, dem alles, was im Himmel und auf Erden ist, gegeben worden sei. Daher hat die Kirche, als Vertreter von Jesus, eine starke Macht gewonnen. Diese Macht erstreckt sich so weit, dass nun sie (die Kirche) ihre Zustimmung  abgeben muss, damit jemand in das Christentum eintreten darf. Erst danach darf man die Taufe machen. Die Taufe als christlicher Begriff bedeutet das Treffen mit Jesus und mit dem Heiligen Geist. Die Taufe ist die erste Bedingung fürs Eintreten ins Christentum. Auch für den Wechsel von einer Kirche zu einer anderen ist die Taufe eine Bedingung.

Die meisten Christen gehören zur römisch-katholischen Kirche, die sich nach Petrus orientiert. Der geistliche Führer der katholischen Kirche ist der Papst. Der Papst ist der Vertreter von Jesus und Nachfolger von Petrus. Der Papst hat eine absolute Macht. Die Kirche hat internationalen Einfluss und hat Zugriff auf alles in der Welt. Es gibt kein Seelenheil ohne die Kirche. Die Zentralkirche in Rom ist die geistliche Zentrale aller anderen Kirchen in der ganzen Welt. Die Kirche wird durch den Heiligen Geist regiert und vom Vater und Sohn gebildet. Die Erklärung der Bibel befindet sich in der Hand der Kirche.

Das theokratische System der Kirche bevollmächtigt sie, den König und seine Vertreter sowie alle anderen Mitarbeiter anzustellen und zu berufen, weil sie dies ja im Namen Gottes bewerkstelligt. Darum trägt sie auch keine Verantwortung. Sie (die Kirche) wird ja schließlich durch den Heiligen Geist beaufsichtigt und geschützt.

Nach diesen oben angeführten Punkten wird nun die Theokratie so definiert,  dass sie ein System ist, die das Regieren der Kirche überlässt. In diesem System ist die Kirche also autorisiert, den Staatschef und dessen Regierung sowie alle anderen Mitarbeiter zu bestimmen.

6) Die Theokratie im Islam

In der Überlieferung wird mitgeteilt, dass der Prophet Mohammed warnend sagte: „Ihr werdet (leider) genau dem folgen, was die Leute vor euch getan hatten!“

Da fragten die Muslime verwundert, ob sie sogar den Juden und den Christen in ihrem Verhalten folgen würden.

Mohammed sagte dies nicht umsonst und erzählte nichts Unbekanntes. Er sagte dies auf Grund der Verse 30 – 31 vom Kapitel (25) Al-Furqan:

( 30 )   Und der Gesandte sagt: ,,O mein Herr, mein Volk mied diesen Koran unter Missachtung.“

( 31 )   So haben Wir für jeden Propheten einen Feind aus den Reihen der Übeltäter bestimmt. Und dein Herr genügt als Führer und Helfer.

Diese Verse geben den Hinweis darauf, dass es nach Mohammed Verbrecher geben wird, die versuchen werden, den Koran und seine Worte umzustellen und abzuändern, wie dies die anderen Gegner der vorigen Boten taten.

Tatsächlich haben die Muslime später dem gefolgt, was die anderen taten, wie es Mohammed schon vorher befürchtete, und zwar durch die Distanzierung vom Koran und das Befolgen dessen, was über Mohammed gelogen wurde. Nicht lange nach dem Tode Mohammeds zeigten sich schon die Anzeichen der Abkehr vom Koran und der Rückkehr zu anderen Quellen. Das geschah einmal durch die politische Uneinigkeit und die blutigen Auseinandersetzungen, die zur Aufteilung der Muslime in zwei Gruppen führten: Die Schiiten und die Sunniten. Zum anderen war es durch die Hingabe zu den Wünschen und Gelüsten und durch religiöse Praktiken. Dadurch war die Tendenz deutlich geworden, die Theokratie als Basis des Regierens bei den Schiiten (A) und teilweise bei den Sunniten (B) anzunehmen.

A)  Die Theokratie bei den Schiiten

Der Anführer (Imamat) bei den Schiiten kann nur durch den Propheten selbst oder den vorigen Vorsitzer bestimmt werden. Das liegt also nicht in der Hand der Gemeinde. Er wird  auch nicht gewählt.

Der Vorsitzer (Imam) ist wie ein Prophet, von der Geburt bis zum Tode unfehlbar. Dieser wird also niemals etwas vergessen oder übersehen. Die Vorsitzer sind daher „Hüter und Zeugen“ der Gesetze. Die Gründe, die uns an die Unfehlbarkeit der Propheten haben glauben lassen, sind die gleichen, die uns an die Unfehlbarkeit der schiitischen Vorsitzer glauben ließen. Der Glaube der Schiiten an die Gehorsamkeit gegenüber dem Vorsitzer beinhaltet Folgendes:

„Der Befehl der Vorsitzer ist der Befehl Gottes. Die  Gehorsamkeit ihnen gegenüber ist die Gehorsamkeit gegenüber Gott. Deren Ableugnen ist die Ableugnung Gottes. Deren Feind ist Gottes Feind. Die Hingabe zu ihnen gleicht der zu Gott. So muss man ihnen ohne Widerstand folgen“.

Bezüglich dieses Glaubens findet man keinen einzigen Beweis im Koran oder in den Hadithen. Sie entspricht nicht mal der Logik und ist gegen die Natur („Fitra“) des Menschen. So gleicht hier das theokratische System der Schiiten, so wie es deren Vorsitzer schildern, dem der Kirche, die sie aufgrund der Paulus- und Petrusbriefe aufbaute, mit dem Unterschied, dass die Schiiten nicht behaupten, die Worte ihrer Führer seien die Gottes, aber sie seien denen Gottes sehr ähnlich und sie müssten befolgt worden. Der Vertreter des Vorsitzes (des Imams) in dessen Abwesenheit ist der Regierende und Befehlshaber und besitzt die absolute Autorität. Der Ungehorsam  seinen Befehlen gegenüber gleicht dem Ungehorsam gegenüber Gottes Befehlen.

Bei den Schiiten gleichen die Worte ihrer Vorsitzer den Worten von Paulus und Petrus im Christentum.

B)  Die Theokratie bei den Sunniten („Ehli es-Sunna“)

Zum Bedauern finden sich auch hier Meinungen, die den Befehlshabern eine religiöse Macht verleihen. Es ist fälschlicherweise über Mohammed erzählt worden, dass er gesagt hätte:

,,Wer mir gehorcht, der gehorcht Gott. Und wer mir gegenüber ungehorsam ist, ist auch Gott gegenüber ungehorsam. Wer dem Nachfolger gehorcht, der gehorcht mir. Der Vorsitzer ist euer Beschützer und Vormund. Wenn er etwas Gutes tut, dann wird er belohnt. Aber wenn er etwas Schlechtes macht, dann trägt er alleine die Schuld“.

Damit sich solche Lügen über Mohammed durchsetzen, muss man den markanten Unterschied zwischen „Prophet“ und „Bote“ wegwischen.

Ein Bote, in der arabischen Sprache ,,Resul”, bedeutet eine Person, die Gottes Worte, so wie sie sind, absolut unverändert weiterleitet. Falls er dazu etwas Ausgedachtes hinzufügen, oder etwas weglassen sollte, wird seine Aufgabe als Bote Gottes auf der Stelle beendet.

Gott sagt diesbezüglich im Kapitel El-Haakka (69), Verse 44 -47:

( 44 )   Und wenn er sich gegen Uns einige Aussprüche selbst ausgedacht hätte,

( 45 )   hätten Wir ihn sicherlich an der Rechten gefasst

( 46 )   und ihm hierauf sicherlich die Herzader durchschnitten,

( 47 )   und niemand von euch hätte (Uns) dann von ihm abhalten können.

Im Sinne des Korans wird also die Gehorsamkeit gegenüber Mohammed als Boten als die Gehorsamkeit gegenüber Gott betrachtet, weil wir Gottes Worte ja nur durch Mohammed erfahren können. Der Prophet ist während der Vermittlung von Gottes Worten gleichzeitig ein Bote. Aber außerhalb dieser Aufgabe trägt er nur die Bezeichnung „Prophet“, und er ist nicht mehr „Bote“. Daher findet man im Koran keinen einzigen Vers, der besagt, dass ihm (Mohammed) die unabdingbare Gehorsamkeit gebührt. Man hat ihm zu gehorchen nur im Rahmen des allgemein Bekannten.

Es gibt viele erfundene Erzählungen über die Handlungen und die Aussagen Mohammeds. Manche wollen solche Erzählungen auf die Ebene des Korans platzieren. Sie behaupten, dass ein Bote (Resul) derjenige sei, der ein neues Buch und ein neues Gesetz bringe, während ein Prophet einer sei, der nur fortführe, was vor ihm an Büchern und Gesetzen herabgesandt wurde. Sie haben dem Propheten die Aufgabe zugeschrieben, die eigentlich dem Boten (Resul) gebührt. Und sie haben dem Propheten Eigenschaften zugesprochen, die ein Bote (Resul) hat. Sie bezwecken damit, die Handlungen und Reden des Propheten mit dem gleichzusetzen, was Gott für seine Boten vorgesehen hat.

Ohne diese Vertauschung und Verwechslung zwischen „Prophet“ (Nabi) und ,,Bote” (Resul) hätten sie sich nicht auf die Koranverse berufen können, die auf die absolute Gehorsamkeit des Boten (Resul) bestehen.

Sie haben so die Eigenschaft des Boten (Resul) dem Prophet Mohammed entzogen.

Dadurch nahmen die „Schafii“ die Verse, die den Gehorsamkeit gegenüber dem Boten beordern, als Beweis dafür, dass die Gehorsamkeit dem Propheten gebührt und zwar in dem, was er sagt und was er tut, als wäre es von Gott inspiriert, wie es der Fall beim Herabsenden des Korans ist. Diese Problematik hat sich so vertieft, dass man anfing zu behaupten, das Sagen und Tun (Sunna) Mohammeds seien Wegweiser in Konkurrenz zum Koran, d. h., wir müssten den Koran gemäß dem, was in der Sunna steht, korrigieren!

Das führte dazu, dass die Menschen die Befehlshaber und die regierenden Personen vergöttlicht haben.

Dies alles öffnete Tür und Tor, die wahren Grenzen Gottes zu überschreiten und nicht mehr zu respektieren, denn die Gesetze sind nicht mehr Gesetze Gottes, sondern werden nunmehr durch die Regierenden festgelegt, z. B., wenn in einem Staate die Höhe der Zinsen festgelegt wird, darf man sie weder erhöhen noch senken.

7)  Die modernen Theokraten

Das demokratische System ist im Grunde ein theokratisches, weil es den Staat vergöttlicht. Der einzige Unterschied zum theokratischen System ist, dass nicht im  Namen Gottes regiert wird. Das ist selbstverständlich ein sehr wichtiger Unterschied. Damit wird zumindest die Religion nicht ausgenutzt, um  Macht zu gewinnen.

Die Franzosen kämpften (während der Aufklärung) gegen die Papst-Theokratie mit Erfolg. Sie gerieten aber in eine neue Theokratie, vertreten durch die Hochwürden der regierenden Personen, die ja den Staat präsentieren. Diese erhielten sogar die gesetzliche und politische Immunität. Dem Parlament wurde das Recht gegeben, Gesetze zu erlassen. Normalerweise sind die Abgeordneten des Parlaments Personen, die vom Volk gewählt werden. Sie sind meistens die reichsten und die Kapitalisten unter dem Volk, die durch ihre Gelder die Mehrzahl an Stimmen sammeln. Wenn also ein Gesetz durch diese Leute erlassen wird, dann ja nur zugunsten dieser reichen Schicht. Die arme Schicht wird damit vernachlässigt. Dadurch werden die reichen noch reicher und die armen noch ärmer.

Die schwachen Armen haben noch dazu keine Möglichkeit, gegen diese neue moderne Theokratie zu protestieren.

Schlussfolgerung

Der Erschaffer der Menschen und deren Natur (Fitrat) ist Gott. Er bestimmt die Rechte und macht die Gesetze. Er kann alles ändern. Die Religion, die Er den Menschen gab, ist seine. Er sagt diesbezüglich im Kapitel (30) Ar-Rum, Vers 30:

( 30 )   So richte dein Antlitz aufrichtig zur Religion hin als Anhänger des rechten Glaubens, – (gemäß) der natürlichen Anlage Allahs, mit der Er die Menschen erschaffen hat. Man kann die Schöpfung Allahs nicht abändern. Das ist die richtige Religion. Aber die meisten Menschen wissen nicht.

Gott sagt hier also, dass die Religion die eigentliche Natur des Menschen (,,Fitrat”) ist, und dass sie das Gesetz ist, das mit allem Erschaffenen harmonisiert. Die Abänderung der Religion gleicht der Abänderung der Natur, was zum Elend der Menschheit führt.

Wenn die Menschen den rechten Weg gehen, sollte sich der Staat in die Gesetze Gottes nicht einmischen, sondern den Menschen dienen und deren Angelegenheiten organisieren, ohne aufgrund derer Religionen Unterschiede zu machen.

 

Übersetzt ins Arabische von Dr. Jamal Najim

06.11.2015

Übersetzt ins Deutsche von Dr. Abdulhamid Gehani

30.07.2016

Deutschsprachige Aufsicht:

Hatice Göktaş

 

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