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Was ist der Stellenwert der Jungfräulichkeit im Islam?

Frage:

Was ist der Stellenwert der Jungfräulichkeit im Islam? Wenn die Jungfräulichkeit an sich doch gar keinen Nutzen hat, warum ist es dann so wichtig, ob sie beschädigt ist? Warum sollte Gott seine Geschöpfe danach diskriminieren?

Antwort:

Gott diskriminiert in keinster Weise seine Diener. Die Jungfräulichkeit darf man nur in Folge einer legitimen Vermählung verlieren, ein außerehelicher Beischlaf wäre Zina, also Unzucht. Zina ist ein klares Verbot einer hässlichen Sünde. Selbst sich dieser zu nähern ist haram.

Gott Teâlâ sagt:

Und nähert euch nicht der Unzucht. Gewiss, sie ist etwas Abscheuliches – und wie schlecht ist dieser Weg. (al-Isrâ, die Nachtreise 17/32)

Jungfräulichkeit ist wichtig, aber das Jungfernhäutchen kann durch Sport oder Unfälle beschädigt werden. Das Grundprinzip ist, dass jeder als unschuldig gilt, bis das Gegenteil bewiesen ist und somit muss man ggf. davon ausgehen, dass das Jungfernhäutchen auf diese Weise gerissen ist. Niemand darf hinterfragen, warum das Jungfernhäutchen gerissen ist – nicht der Ehemann, kein Gericht und auch sonst keiner. Dazu hat niemand das Recht.

Falls die Menge der Brautgabe auf der Voraussetzung erfolgt, dass die Braut noch Jungfrau ist und erst in der Hochzeitsnacht klar wird, dass das Jungfernhäutchen der Frau gerissen ist, wird dennoch die Brautgabe nicht gemindert. (Aus der türkischen Quelle: Ömer Nasuhi BİLMEN, Hukukı İslamiyye ve Is­tılahatı Fıkkhiyye Kâmusu, İst. 1985, c: 2, S: 141.)

Es gibt theoretisch nur eine Situation, in der die Jungfräulichkeit einer Frau untersucht werden darf: Wenn eine Frau, aufgrund der Tatsache, dass ihr Mann den sexuellen Akt mit ihr nicht vollzieht, eine Scheidung fordert und dem Gericht einen entsprechenden Antrag stellt. Wenn der Zustand des Mannes behandelbar ist, wird ihm diese Behandlung mit einer einjährigen Frist nahegelegt. Wenn die Frau nach Ende dieser Frist immer noch behauptet, dass ihr Mann keinen Verkehr mit ihr hat und ihr Mann dies bestreitet, kann geschaut werden, ob die Frau noch Jungfrau ist. Dies dient dem Ziel, entscheiden zu können, ob sie sich aufgrund ihrer Behauptung von ihrem Mann scheiden lassen kann (BİLMEN, a.g.e., c: 2, S. 351.).

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