EINLEITUNG ZUR ZINSLOSEN WIRTSCHAFT
Islam und Koran > Islamische Wirtschaft > Studien Datum: 01 Ekim 2009 Tavsiye Et

Geld, welches man zurücklegt, nennt man Ersparnisse. Das System, bei dem diese Ersparnisse gegen die Zahlung von Zinsen angesammelt und verzinst weiter verliehen werden, nennt man Kreditsystem. In modernen Volkswirtschaften wird dieses System als die Grundlage für die Bildung von Fonds[1] angesehen. Dieses System wird vorwiegend von Banken getragen.

Es ist auch möglich, Ersparnisse durch die Bildung von Gesellschaften zu vereinigen und so große Kapitalmengen zu bilden. Dieses System kann man als Beteiligungssystem bezeichnen.

Kredite werden durch das Erheben von Zinsen abgesichert. Die Laufzeit der Kredite ist nicht von der Dauer der des eigentlichen wirtschaftlichen Zweckes abhängig.

Bei der Kapitalbildung von Gesellschaften gibt es keine Gewinngarantien. Hier ist die Laufzeit von der Dauer der eigentlichen Tätigkeit abhängig.

Brachliegendes Kapital bringt keinen Gewinn. Um mit Kapital Gewinn zu erzielen, gibt es verschiedene Möglichkeiten, angefangen von der Gründung eines Unternehmens bis hin zum Verkauf einer produzierten Ware oder einer Dienstleistung, deren Gewinn vom Erfolg der jeweiligen Maßnahme abhängig ist.

Darüber hinaus zählt die Gewährung von Schulden gegen die Zahlung von Zinsen, etwa 100 Lira zu zahlen, um 110 Lira zu erhalten, nicht als wirtschaftliche Tätigkeit. Eine wirtschaftliche Tätigkeit, beginnt mit dem Einsatz der geliehenen Mittel. Dabei kann nicht garantiert werden, dass die betreffende Tätigkeit innerhalb der gesetzten Frist beendet wird, noch dass sie gewinnbringend sein wird. Aus diesem Grund ist die Zinslast, eine dem Erfolg wirtschaftlicher Tätigkeiten hinderliche Last.

Geld an sich, ist für die Befriedigung von Bedürfnissen nicht geeignet. Es ist weder essbar noch kann man sich damit ankleiden. Dennoch bildet es die Grundlage für die Befriedigung von Bedürfnissen. Daher muss es, wie das Blut in den Adern, stets zirkulieren. Geld, welches sich nicht im Umlauf befindet, nutzt niemandem.

Der Koran befiehlt daher auch nicht, Geld anzusammeln, sondern ‘infaq’ auszuüben. Im Arabischen steht das Wort ‘nafaq’ (النفق) für den Tunnel; etwas durch einen Tunnel hindurchführen hingegen wird mit ‘infaq’ (انفاق) bezeichnet. So wie das Blut durch unsere Adern in den gesamten Körper gelangt, so verbreiten sich auch Einkünfte und das Kapital durch ‘infaq’, also durch das Ausgegebenwerden, in der Gesellschaft.

Das sich im Umlauf befindliche Geld, dient all jenen, die damit in Kontakt kommen. Der Eine begleicht damit seine Schulden, ein Anderer erwirbt damit Güter, ein Dritter lässt damit etwas produzieren und für Andere ist es der Lohn für getane Arbeit… Geld fördert die Produktion und verringert die Arbeitslosigkeit. Allerdings vermehrt oder vermindert sich seine Menge währenddessen nicht.

Jedes Geld, welches in Umlauf gelangt, regt die Wirtschaft an. Handelt es sich bei diesem Geld aber um verzinste Kredite, so ist dieser Impuls nicht von langer Dauer. Denn dieses Geld muss dem Markt, bevor es zurückgezahlt werden muss, zusammen mit den darauf erhobenen Zinsen wieder entzogen werden. Da durch Zinsen die Menge des sich im Umlauf befindlichen Geldes verringert, wird die Marktwirtschaft durch die Zinsen zurückgeworfen und es entsteht der Bedarf nach neuem Geld. Wird dieser neue Bedarf erneut mit verzinsten Krediten gedeckt, verschlechtert sich die Marktsituation erneut. Je öfter dieser Vorgang wiederholt wird, desto größer wird der Bedarf nach Krediten und desto mehr verringert sich die Menge des sich im Umlauf befindlichen Geldes. Schließlich beginnt der Kollaps.

Die Anzahl von Unternehmern in der Gesellschaft ist gering. Aufgrund der Gefahr, Kredite möglicherweise nicht zurückzahlen zu können und des Zwanges, Sicherheiten zu leisten, hält sich die Anzahl von Unternehmern, die Kredite aufnehmen können, in Grenzen.

So kommt es dazu, dass einige Wenige mittels Kredite über großes Kapital verfügen; auf der anderen Seite begeben sie sich aber auch unter eine hohe Zinslast. Um diese Last an die Bevölkerung abzugeben, eröffnen sie große Firmen, betreiben Reklame und versuchen, Marktanteile zu gewinnen. Mit der Zeit schließen so die kleineren Geschäfte. Die Gesellschaft wird von Kreditgebern und Kreditnehmern bestimmt. Den Unternehmern, die die aufgenommenen Kredite nicht zurückzahlen können, geht die Luft aus und sie erschlaffen wie ein Ballon. Auch die Kreditinstitute nehmen dadurch Schaden. Es entsteht eine wirtschaftliche Krise, die die gesamte Gesellschaft in Mitleidenschaft zieht. Im Koran heißt es dazu:

„O ihr, die ihr glaubt, fürchtet Allah und verzichtet auf das, was noch übrig ist an Zinsen, wenn ihr Gläubige seid. Und wenn ihr dies nicht tut, dann ist euch Krieg angesagt von Allah und Seinem Gesandten. Doch wenn ihr bereut, dann soll euch euer Kapital zustehen, so dass weder ihr Unrecht tut, noch euch Unrecht zugefügt wird. Wenn jemand in Schwierigkeiten ist, dann gewährt ihm Aufschub, bis eine Erleichterung (eintritt). Doch wenn ihr mildtätig seid, so ist es besser für euch, wenn ihr es nur wüsstet.” (2 Al-Baqara, 2/278-280)

Die Vergabe von Schulden unter Erhebung von Zinsen ist eine seit jeher bekannte Praxis. Während früher nur Jene, die über ein erheblich großes Kapital verfügten, verzinst Geld verleihen konnten, sind heutzutage durch die Gründung von Banken auch Eigentümer von kleineren Kapitalmengen in der Lage, Schulden zu vergeben. Diese leihen ihr Geld den Banken und die Banken bilden aus den kleinen Ersparnissen große Fonds und vergeben aus diesen Mitteln auf Antrag Kredite.

Kredite sind mit einem Kostenaufwand verbunden, den man Finanzierungsaufwand nennt. Dieser Aufwand, der sich von der Produktion bis zur Vermarktung in allen Phasen niederschlägt, führt zu einer ständigen Preiserhöhung. Auf Kredite zu zahlende Zinsen bilden den Hauptteil des Finanzierungsaufwands. Die Zinsen, die der Eigentümer des Kapitals erhält, sind dahingegen geringer. Wenn eine Bank zum Beispiel von einem Kreditnehmer 10% Zinsen erhebt, gibt sie dem Kapitalgeber nur 7%. Werden alle Phasen der Produktion in Betracht gezogen, so erkennt man, dass dieser Umstand zu einer Preissteigerung von mindestens 10% führt. Die Zinsen also, die der Kapitalgeber erhält, werden durch die dadurch hervorgerufenen Preissteigerungen wettgemacht, mehr noch, sogar das Kapital wird dadurch dezimiert. Legt zum Beispiel bei einem Preis für ein Kilo Zucker von 0,50 Lira jemand 500 Lira zu 7% bei der Bank an, erhält er nach Ablauf der Zeit von der Bank 535 Lira zurück, aber in demselben Zeitraum wird sich der Preis für Zucker auf mindestens 0,55 Lira erhöht haben. Während er also noch vor einem Jahr für 500 Lira 1000 Kilogramm Zucker kaufen konnte, wird er heute für seine 535 Lira nur noch 973 Kilogramm kaufen können. Demnach hat sich der Wert seines Geldes tatsächlich um ca. 3% verringert. Allerdings ist der Verlust derjenigen, die ihr Geld einfach zur Seite legen noch größer. Jene können nun mit ihren unveränderten 500 Lira nur noch 909 Kilogramm Zucker kaufen. Hier beläuft sich der Wertverlust auf 9% Prozent.

Produziert jemand mit eigenem Kapital Produkte oder erbringt er Dienstleistungen, so rechnet dieser ebenfalls zu den dafür erhobenen Preisen einen der Zinslast entsprechenden Anteil  hinzu, wie es der jenige tun würde, der selbiges mit Fremdmitteln bewerkstelligt. Eine Begründung dafür sind die so genannten Opportunitätskosten. Denn anstatt das Geld für die Produktion oder Dienstleistungen einzusetzen, könnte man es auch Zins bringend anlegen. Daher tut man so, als hätte man diese Möglichkeit ergriffen und zählt zu den eigentlichen Kosten die so versäumten Zinserträge als Kosten hinzu. Eine weitere Begründung ist das Bedürfnis, sich gegen die Auswirkungen der durch Zinsen bedingten Inflation zu schützen. Steigen doch die Preise stetig, während sich das Kapital der Menschen mit geringem und nominal gleich bleibendem Einkommen mit hoher Geschwindigkeit verringert.

Das Kreditsystem führt dazu, dass eine Kapitalbewegung in Richtung der Reichen stattfindet. Die Kaufkraft der Bevölkerung fällt ständig, wodurch diese zum Kauf auf Kredit angeregt werden. Viele kommen dabei in die Lage, ihre Schulden nicht mehr begleichen zu können. Die Geschäfte sind voll mit Gütern, die Tresore der Banken prall mit Geld gefüllt, aber der der Markt erlebt einen Stillstand und die Armut greift um sich. Im Koran heißt es dazu:

„Allah wird den Zins dahinschwinden lassen und die Zakât vermehren. Und Allah liebt keinen, der ein hartnäckiger Ungläubiger und Übeltäter ist.” (Al-Baqara 2/276)

Diesen Umstand hat der Gesandte Allahs folgendermaßen ausgedrückt:

Zinserträge führen letztlich zur Armut, sind sie auch noch so groß“ (Ahmad bin Hanbal, Musnad, Bd. I, S. 395)

Der genannte Koranvers vergleicht die Zakât (das Geben von Almosen) mit dem Zins. Die Zakât wird dorthin gegeben, wo sie umgehend ausgegeben wird. Wird so 1 Million Lira Zakât gegeben, so gelangt dieses Geld in kurzer Zeit in den Markt und die Belebung, die dieses Geld hervorruft wird von Dauer sein. Der Koranvers dazu lautet:

„Das Gleichnis derjenigen, die ihr Vermögen auf dem Weg Allahs ausgeben, ist wie das Gleichnis eines Samenkorns, das sieben Ähren wachsen lässt, in jeder Ähre hundert Körner. Und Allah vervielfacht es, wem Er will. Und Allah ist Allumfassend, Allwissend.” (Al-Baqara 2/261)

Ein weiterer Weg, Geld in den Umlauf zu bringen, ist die im Arabischen Mudharaba genannte Gemeinschaft von Kapital und Arbeit. Bei so einer Gemeinschaft steuert die eine Seite Geld, die andere Seite ihre Arbeitskraft bei. Dabei geht Jemand mit Geld, der eine Möglichkeit sucht, dieses zu investieren, eine Partnerschaft mit Jemandem ein, der dieses Geld gewinnbringend einsetzt. Der Gewinn wird dabei vereinbarungsgemäß aufgeteilt; Verluste durch das Kapital gedeckt. Hierbei ist der Verlust des Unternehmers dadurch beschränkt, möglicherweise keinen Gewinn aus seiner Tätigkeit zu erhalten.

Mit der Vergabe von Bankierrechten an Mudharaba-Partnerschaften, sind so genannte zinslose Banken entstanden. In der Türkei sind diese Institute zunächst unter dem Namen „Zinsloses Finanzinstitut“ tätig gewesen und nachdem sie rechtlich dem gleichen Gesetz untergestellt wurden, wie die mit Zinsen arbeitenden Banken, wurde diese Bezeichnung in „Beteiligungsbank“ geändert. Durch dieses Gesetz sind diese Banken zu dem Recht gekommen, alle Transaktionen, die „normalen“ Banken mit Zinswirtschaft gestattet sind, auszuführen. Im Unterschied zu diesen Banken bilden diese Institute ihre Fonds ohne die Zahlung von Zinsen und können Leasing- oder Handelsdienstleistungen anbieten.

Nach Erlass dieses Gesetzes erhielten die Beteiligungsbanken die Möglichkeit, je nach Wunsch entweder mit Zinsen, nur teilweise mit Zinsen oder ganz ohne Zinsen zu arbeiten. Diese neue Struktur hat dazu geführt, dass die Identität dieser Banken in Frage gestellt wurde. Das einzige Beschäftigungsfeld von Beteiligungsbanken neben dem Angebot von Bankdienstleistungen sollte auf den Handel beschränkt sein. Da Tätigkeiten, wie Leasing, Mudharaba, Murabaha und Muscharaka Handelstätigkeiten sind, müssen diese Banken sich dabei auch wie Händler verhalten. Dieses Thema wird im Weiteren behandelt werden.

Das zur Verfügung stellen von Ersparnissen als Mudharaba-Kapital ist eine seit jeher bekannte Praxis. Während aber früher nur Kapitaleigner ab einer bestimmten Kapitalmenge Kooperationspartner finden konnten, können heute dank der zinslos arbeitenden Banken auch kleinere Kapitaleigner geeignete Partner finden. Diese Banken vereinigen die Ersparnisse und bilden daraus große Fonds.

Da im Beteiligungssystem keine Kosten für das Kapital anfallen, gibt es auch keinen Finanzierungsaufwand. Denn in diesem System werden Kapitalerträge dadurch erwirtschaftet, dass entweder mit dem Geld Geschäfte gemacht werden oder eine Partnerschaft eingegangen wird. Würde das wirtschaftliche Leben durch dieses System dominiert, so gäbe es weder die durch Zinsen bedingten Opportunitätskosten noch die ebenfalls durch Zinsen entstehende Inflation. Preise steigen und sinken auf natürliche Weise von Zeit zu Zeit. Kapitaleigner wachsen und schrumpfen zusammen mit ihren Partnern.

Das Kreditsystem hingegen, entmachtet die Kapitaleigner. Diese müssen sich nicht darum kümmern, was mit dem Geld passiert. Nachdem sie die Verbindung zu ihrem Geld verlieren, verblassen sie einfach. Alles, was sie zu tun haben, ist in einem Unternehmen zu arbeiten. Da ihr Lohn oder ihr Gehalt fest steht, ist es nicht nötig, dass sie sich um die Lage des Unternehmens kümmern. Sie erhalten ihr Arbeitsentgelt und kümmern sich um ihre Arbeit. Ihre Ersparnisse hingegen, schmelzen mit der Zeit dahin. Ihr Gehalt oder Lohn beginnt, nicht mehr auszureichen. Diese Menschen, die einen großen Anteil der Bevölkerung bilden, verwandeln sich zu introvertierten Personen, die sich um ihr eigenes Überleben kümmern müssen. Aufgrund dieser sie bedrückenden Entwicklung beginnen sie, aufzubegehren. Mit der Zeit nehmen diese Proteste immer mehr zu. Schließlich bilden sich unzufriedene und hoffnungslose Bevölkerungsmassen.

Auf der anderen Seite nimmt der Appetit der Reichen, aufgrund ihrer ständig zunehmenden Besitztümer zügellose Ausmaße an; sie streben nun an, auch das politische und soziale Leben zu beherrschen. So gerät alles aus dem Gleichgewicht.

Im Beteiligungssystem gibt es auch sehr reiche Personen. Da aber bei diesem System die Kapitaleigner zusammen mit ihren Partnern wachsen oder schrumpfen, bleibt ihr Sinn für wirtschaftliche, politische und soziale Entwicklungen erhalten. So entsteht eine liberale Arbeitsumgebung, in der niemand dem Anderen zur Last fällt und jeder sich in der Verantwortung sieht, seinen Beitrag zu leisten.

Das Kreditsystem führt zur Abkoppelung des Kapitals von seinem Eigentümer. Im Beteiligungssystem hingegen, bleibt die Verbindung zwischen Kapital und Kapitaleigner zwangsläufig erhalten. Denn in diesem System, muss die einzelne Person den Verbleib seines Geldes und die wirtschaftliche Entwicklung im Auge behalten. Die Verantwortung, die sie durch ihren Status als Teilhaber erhält, lässt sie aufmerksamer und effektiver werden. Denn die Person wird das Bestreben verspüren, ihre Partner kennen zu lernen und darüber informiert zu sein, wie die Geschäfte laufen. Sonst kann es sein, dass sie anstatt des erwarteten Gewinns Verlust macht. Dabei kann sie den Markt kennen lernen und sich unternehmerische Fähigkeiten aneignen.

Im Beteiligungssystem nehmen die wirtschaftlichen und sozialen Spannungen ab, während die Leistungsfähigkeit zunimmt. Die Unternehmer müssen sich um das Vertrauen der Gesellschaft bemühen. So entsteht ein friedliches und sicheres Klima. Wendete man dieses System der Theorie folgend an, würden auch die Probleme des Arbeitslebens nicht in dem Maße vorhanden sein, wie sie in modernen Gesellschaften vorkommen.

Das Zinsverbot führt dazu, dass das Kreditsystem nicht funktioniert. „Doch Allah hat den Handel erlaubt und das Zinsnehmen verboten.” (Al-Baqara  2/275)

Aus diesem Grund sind die Muslime dazu verpflichtet, das Beteiligungssystem zu entwickeln.

Viele halten das Kaufen und Verkaufen von Waren für das Gleiche wie die Zinswirtschaft. Jene, die diese Meinung vertreten, konzentrieren sich aber dabei nicht auf die Unterschiede, sondern vielmehr auf die Gemeinsamkeiten. Dabei muss man sich doch auf die Unterschiede besinnen, um festzustellen, dass es sich hierbei um unterschiedliche Dinge handelt. In den weiteren Abschnitten wird darauf noch näher eingegangen.

Das Erheben von Zinsen, ist eines der schwerwiegendsten Verbote des Korans. Es gibt außerdem Aussprüche des Propheten und Rechtsauslegungen der Ulema, die dieses Verbot stützen. Dabei muss man sich bewusst darüber sein, was göttliches Verbot, was die Erläuterung des Gesandten Gottes und was die Rechtsauslegung der islamischen Rechtsgelehrten ist. In diesem Buch wird auf diese Einzelheiten hingewiesen.

Bei der Bearbeitung dieses Buches wurde der Koran als Grundlage verwendet und eine ungewohnte Betrachtungsweise zugrunde gelegt. Diese Betrachtungsweise orientiert sich an den Regeln des Korans. Im nächsten Abschnitt wird darauf näher eingegangen.

Die elementaren Bücher des Fikh, der islamischen Rechtswissenschaften, wurden zu Zeiten geschrieben, da Geld noch aus Gold oder Silber gepresst wurde. Diese Münzen hatten überall in der Welt einen gewissen Wert während Geld aus Papier – Banknoten nur durch Beschluss politischer Autoritäten und die Anerkennung der Gesellschaft einen Wert erlangen. Die Anerkennung dieser Geldform als ein Wert außerhalb nationaler Grenzen, hängt von internationalen Beziehungen, dem Ansehen des emittierenden Landes und der Anerkennung durch die Menschen ab.

Bei der Begleichung von Schulden wurde das Gleichgewicht zwischen dem geliehenen und dem zurückgegebenen Wert bislang durch Gewicht (osman.-arab.: wazn), das Maß (osman.-arab.: keyl) oder die Anzahl (osman.-arab.: ’Adadiyyat-ı mutaqariba) berechnet. Wenn jemand, der sich 100 Gramm Gold geliehen hatte, 100 Gramm Gold derselben Güte zurückzahlte, hatte er seine Schulden beglichen. Jemand, der Getreide schuldete, zahlte seine Schulden in gleichem Maße und jemand, der Eier schuldete, diese in gleicher Anzahl zurück.

Als ein Überbleibsel des auf Münzen basierenden Zahlungssystems, werden heutzutage Banknoten als zählbares Gut angesehen. Zählbare Güter sind Güter, die, wie Eier oder Walnüsse, bestimmten Normen entsprechen und untereinander keinen wesentlichen Wertunterschied aufweisen, weshalb sie durch Angabe der Anzahl handelbar sind. Banknoten entsprechen diesen Kriterien nicht; daher zählen sie nicht zu den zählbaren Gütern. Wäre dem so, müsste eine 1 Dollar-Banknote den gleichen Wert besitzen, wie eine gleich große 100 Dollar-Banknote. Würde man auf ein Ei die Zahl 100 schreiben, würde dieses Ei dadurch auch nicht wertvoller als die anderen. Die Tatsache, dass 100 Lira und 100 Dollar nicht den gleichen Wert besitzen, hängt auch nicht vom verwendeten Material oder der Beschaffenheit des Papiers ab. Daher werden Banknoten nicht ihrer Anzahl, sondern ihrer Kaufkraft entsprechend behandelt. Zählte man Banknoten zu den zählbaren Gütern, wie Gold- oder Silbermünzen, so würde das zu großer Ungerechtigkeit führen. Daher müssen die betreffenden Gesetze geändert werden; Banknoten sollten nicht anhand der darauf verzeichneten Ziffern, sondern gemäß des repräsentierten Wertes gehandelt werden. Dann würde auch das auf diese Weise geschehene Unrecht in großem Maße verhindert.

Hier wird der Leser einige Kapitel finden, die auf diesem Gebiet ein Novum darstellen. Die wichtigsten Kapitel sind die, in denen das Thema Zinsen mit einer unterschiedlichen Betrachtungsweise behandelt wird. In diesen Abschnitten wird gezeigt, dass die prophetischen Aussagen, die den Handel mit Gold, Silber, Getreide, Hafer, Datteln und Salz regeln, zu den koranischen Regelungen keine neuen Regelungen hinzufügen, ganz im Gegenteil – verhindern, dass unter dem Deckmantel des An- und Verkaufs Zinswirtschaft betrieben wird. Wurde doch bislang immer davon ausgegangen, dass die Ahadith (Aussagen des Propheten Mohammad, d.Ü.) einen anderen Bereich, als der Koran regelten, wodurch Zinsen zu einem unverständlichen und unüberschaubaren Thema gerieten. Mit dieser neuen Betrachtungsweise wurde zu diesem Thema eine neue Dimension aufgetan. Um die Zinsen auf eine gesicherte Grundlage zu stellen, ist diese Dimension von besonderer Bedeutung.

Kritik und Anregungen zu dieser Arbeit des Lesers sind stets willkommen.

(Abschnitt aus dem Buch “Zinsen und Wirtschaft” von Prof. Dr. Abdulaziz Bayındır- 2007, Istanbul)


[1] Fonds, aus dem Französischen stammendes Wort. Ein Fonds ist die Absammlung von Geldern und großen Kapitalmengen zwecks des Einsatzes für bestimmte Geschäftstätigkeiten. (Tahsin Saraç, Großes Französisch-Türkisches Wörterbuch, Ankara 1976, Bd. 1, S. 575).

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