Eines der größten Hindernisse beim Verständnis des Korans ist die weit verbreitete Meinung in der Gesellschaft, dass er nicht von jedem; sondern vorwiegend von bestimmten Personen verstanden werden könne – nur mit deren Auffassung und Vermittlung das eigentliche Verstehen des Korans möglich sei. Alle anderen Meinungen, welche dieser Auffassung entgegenstünden den Leser fehlleiten würden.
Solch eine Interpretation ist sogar bei fachkundigen Menschen verbreitet, dass selbst diese sich die Frage stellen, ob viel leicht doch etwas dran ist.
Dabei zeigt schon eine einfach angewandte Logik, dass die Offenbarung von Gott, mit Rechtleitung und der Weisheit, keineswegs die Menschheit irregehen lassen würde.
Dass der Koran ein offenkundiges Buch ist, sind mit zahlreichen Hinweisen aus seinem Inhalt zu entnehmen. In dieser Erläuterung begnügen wir uns speziell mit den Versen des zweiten Kapitels (Al-Baqara 2/159 und ff.) Diese Koranstelle prangert die eingangs erwähnte Sichtweise über die falsche Auffassung eines derartigen Koranverständnisses und warnt vor den Konsequenzen welche daraus resultieren würden.
Siehe, was jene angeht, die irgend etwas von dem Beweis der Wahrheit und von der Rechtleitung verhelen, die Wir von droben erteilt haben, nachdem Wir es der Menschheit durch die göttliche Schrift klargemacht haben- diese sind es, die Allah verwerfen wird und die alle, die urteilen können, verwerfen werden. Ausgenommen jedoch werden diejenigen sein, die bereuen und sich selbst in Ordnung bringen und die Wahrheit kundgeben: und es sind sie, deren Reue Ich annehmen werde- denn Ich allein bin der Reueannehmende, der Gnadenspender. Siehe, was jene angeht, die darauf aus sind, die Wahrheit zu leugnen, und als Leugner der Wahrheit sterben- ihnen gebührt Verwerfung durch Gott und durch die Engel und durch alle Menschen.In diesem Zustand sollen sie verbleiben; weder wird ihr Leiden erleichtert werden, noch wird ihnen Aufschub gewährt werden. (al- Baqara 159-162)
Die in der Einleitung erwähnte Interpretation; „nicht jeder darf aus dem Koran Rechtsgutachten ableiten“, scheint in erster Linie harmlos; ja sogar rechtens zu sein.
In der Praxis jedoch hat sich diese Fehlauffassung als die eigentliche Methodik ausgebreitet. Die hieraus entstandene Deformation wiegt die guten Absichten keineswegs auf. Wenn man bedenkt, dass mit diesem Ansatz die einzige Quelle des Menschen aus der Hand genommen wird, mit der er sich selbst betreffende Angelegenheiten in der Religion zu hinterfragen, so ist zweifelsfrei ein großer Schaden darin zu sehen. Das ist eine offensichtliche Gefahr für jeden mit Verstand, dass es keiner weiteren Erklärungen bedarf.
Mit unbegründeten Geboten, wie als Bespiel mit dem Verbot der Berührung des Korans ohne ritueller Waschung, werden Hürden zwischen dem Menschen und dem Koran installiert, womit letztlich der Schauplatz einigen „Aufklärern“ des Korans verbleibt. Jene eine böse Absicht zu unterstellen wäre gänzlich vermessen, wenn aber die Nachahmer der Aufklärer ohne kritisches Hinterfragen lediglich zu „Folgern“ werden, so wird die Fehlinterpretation als Bestandteil der islamischen Tradition verstanden.
Die Bilanz ist ernüchternd; Viele Gemeinschaften, welche diese Aufklärer in- und auswendig zitieren können, kommen nicht einmal auf den Gedanken, was Gott in dieser Sache zu sagen hat – und sehen sich sogar in der Mitte des Islam als seine Repräsentanten. Wenn ihnen ihre Auffassung oder die angewandte Methodik als unrichtig mit Beweisen aus dem Koran gezeigt wird, folgt die Antwort prompt:
„Du oder dein Gelehrter, ihr begreift es, aber der Berühmte und namhafte Persönlichkeit Herr sowieso begriff es nicht? Das kann gar nicht sein…“ Anschließend hört man vielerlei an den Haaren herbeigezogene Auslegungen oder sie diffamieren einen persönlich. Einige gehen sogar noch weiter und assoziieren einen mit unliebsamen Sekten und Strömungen, dabei wird die Offenbarung vernachlässigt – leider ist dies immer wieder zu beobachten.
Obschon der Gesandter Gottes in der Abschiedspilgerfahrt sagte: „Die hier Anwesenden sollen die erteilte Botschaft den anderen mitteilen, denn es ist gut möglich, dass sie diese besser begreifen.“ Allein diese Aussage ist ausreichend genug, um nicht – einzige Ausnahme ist der Prophet selbst, in geschichtlicher Tradition hängen zu bleiben und dass dies keine Methodik ist.
Praktizierende Gläubige erheben heute Einspruch dagegen und Recht haben sie:
Der Koran und seine Methode sind aus dem pulsierenden Leben verbannt und wurden degradiert zur heiligen Ikone mystischer Zeremonien.
Das Fehlen von Kritikfähigkeit des Muslims, obgleich jedes Mal beim Glaubensbezeugnis zur Sprache gebracht wird: Ich bezeuge, dass nichts und niemand würdig ist angebetet zu werden als Gott, wiederum bezeuge ich, dass Muhammad sein Gesandter ist – etwas was ihn zum eigentlichen Zeugen machen würde, nämlich den Koran, er nicht einmal aufschlägt.
Strömungen in der Religion, welche ihn zwecks Fürsprache und Individuelle Befriedigung erniedrigen.
Gelehrte unterlassen bedingt aus Angst vor Statusverlust oder Mistrauen gegenüber Koranversen die koranische Methodik , nämlich; die Auslegung des Korans mit sich selbst und Vereinigung der Überlieferungen des Propheten mit den entsprechenden Koranstellen, – stattdessen werden Errungenschaften von Gelehrten aus längst vergangener Zeit gelobt und eigene Erkenntnisse sind nichts weiter als bedeutungslose Hinzufügungen.
Ein Bildungssystem; welche nicht mehr leisten vermag als passive Roboter auszubilden, die Wissenschaft; beschränkt auf Werke aus früherer Zeit und dem pulsierenden Leben den Rücken kehrt, vielfältiges und freies Gedankengut unterdrückt mit Heiligsprechung von „Karriere um jeden Preis“.
Im Staatsmodell – Vorzug von Macht und Regie gegen die göttliche Offenbarung
Als Haltung – falsches Verständnis von Geduld und übertriebener Pazifismus oder Ausgrenzung
Das ist die Handhabe der Muslime heutzutage.
Die Lösung ist, dass jeder Muslim individuell die Zeugenschaft nicht allein mit Worten ausdrückt, sondern koranisches Wissen aneignet. Alle Hindernisse ausräumt, welche dem Verstehen des Korans im Wege sind.
Ohne irgendein einen Unterschied zu machen zwischen Muslimen, Heuchlern, Götzendienern, Wahrheitsleugnern, machen die erwähnten Koranstellen eines sehr deutlich; dass das Festhalten an Dingen, ob materielle oder immaterielle Verwerflichkeit, welche die Annährung an den Koran hindern, ein großes Vergehen ist.
Allah erteilt von droben die beste aller Lehren in Gestalt einer göttlichen Schrift, völlig in sich stimmig, jede Aussage in vielfältiger Form wiederholend- ob derer die Haut aller erschauert, die Ehrfurcht vor ihrem Erhalter haben: am Ende erweichen ihre Haut und ihr Herz beim Gedenken Allahs. Das ist Allahs Rechtleitung: Er leitet damit recht, wer will – während der, den Allah irregehen läßt, niemals irgendeinen Rechtleitenden finden kann. (az- Zumar 23)