Glaubensgrundsätze

Wie kann man an etwas glauben, dass man nicht kennt?

Frage:

Im dritten Vers der Sure Baqara (Die Kuh) wird über den Glauben an das „Ungesehene“ berichtet. Was müssen wir darunter verstehen? Wie kann man an etwas glauben, dass man nicht kennt? Weshalb verlangt Gott so etwas?

Antwort:

Der besagte Vers lautet:

Dies ist ein vollkommenes Buch; es ist kein Zweifel darin: eine Richtschnur für die Rechtschaffenen; Die da glauben an das Ungesehene und das Gebet verrichten und spenden von dem, was Wir ihnen gegeben haben. (al-Baqara, Die Kuh 2/2-3)

Hier ist vom Glauben selbst die Rede. Denn mit dem „Ungesehenen“ ist die Überzeugung der Gläubigen gemeint, die von Außenstehenden nicht eingesehen werden kann und somit unsichtbar ist.

Im Arabischen wird hierfür der Ausdruck „gayb“ benutzt, um eben diesen Zustand des Verborgenen zu beschreiben. Außerdem kann es mit keinem der fünf Sinne, mit denen der Mensch ausgestattet ist, wahrgenommen werden.

Hierbei unterscheidet man außerdem zwischen zwei verschiedenen Varianten des „gayb“. Zum einen gibt es „gayb-i mutlak“ und zum anderen „gayb-i izafi“. Ersteres bezeichnet das Wissen, welches nur Gott besitzen kann. „Gayb-i izafi“ jedoch kann auch von manchen Menschen zur Kenntnis gebracht werden.

Der Glaube eines Menschen, welchen er in sich trägt (im Herzen) ist für keinen Außenstehenden offenkundig. Außerdem sollte der Glaube nicht nur mit dem Verstand sondern auch mit dem Herzen vereinbar sein. Und weil genau diese Vereinbarkeit des Glaubens mit dem Herzen nicht sichtbar ist, spricht Gott vom „Ungesehenen“. Auch aus diesem Grund spricht man besonders in Zusammenhang mit der Zeit des Propheten Mohammad von „Munafiqun“ (Heuchlern), deren Glaube so gut vorgetäuscht war, dass selbst Mohammad dies nicht erkennen konnte.

Somit zählt der Glaube zum „gayb“, dem Verborgenen oder wie es der Koran beschreibt zum „Ungesehenen“.

Außerdem offenbart Gott:

Am Tage, da Gott die Gesandten versammeln wird, wird Er sprechen: „Welche Antwort empfinget ihr?“ Sie werden sagen: „Wir haben kein Wissen, Du allein bist der Wisser der verborgenen Dinge.“ (al-Ma’ida, Das Mahl 5/109)

Hierbei ist zeifelsohne vom zuvor beschriebenem „gayb-i mutlak“ gemeint, also vom Wissen, welches jedem außer Gott verborgen bleibt.

Weiterhin offenbart Gott in diesem Zusammenhang:

Wahrlich, Wir erschufen den Menschen, und Wir wissen alles, was sein Fleisch ihm zuflüstert; denn Wir sind ihm näher als die Halsader. (Qaf 50/16)

Dies ist auch der Grund, warum niemand außer Gott um Vergebung für die begangenen Sünden gebeten werden kann und es keinen außer ihn gibt, der letzendlich vergeben kann.

Gott offenbart sich den Menschen auf diese Weise im Koran:

Gott – es gibt keine Gottheit außer Ihm, dem Lebendigen, dem aus Sich Selbst Seienden und Allerhaltenden. Schlummer ergreift Ihn nicht noch Schlaf. Sein ist, was in den Himmeln und was auf Erden ist. Wer ist es, der bei Ihm fürbitten will, es sei denn mit Seiner Erlaubnis? Er weiß, was vor ihnen ist und was hinter ihnen; und sie begreifen nichts von Seinem Wissen, außer was Ihm gefällt. Sein Thron umfaßt die Himmel und die Erde; und ihre Erhaltung beschwert Ihn nicht; und Er ist der Erhabene, der Große. (al-Baqara, Die Kuh 2/255)

Es geht hervor, dass Gott als erhabener Schöpfer von Allem in Kenntnis ist.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass der Glaube eines Menschen eine Angelegenheit zwischen Gott und ihm/ihr selbst ist. Denn kein Außenstehender kann feststellen oder einschätzen, was im Herzen und im Verstand verborgen ist.

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