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Warum sündigt der Mensch? Und kann man für jede Sünde Buße tun?

Frage:

Warum sündigt der Mensch? Und kann man für jede Sünde Buße tun? Ich frage, weil man manchmal wegen begangener Sünden die Hoffnung verliert.

Antwort:

Der Mensch ist ein kleinmütiges Geschöpf. Gott Teala sagt dazu:

Wahrlich, der Mensch ist ungeduldig erschaffen; Wenn ihn Schlimmes trifft, ist er voller Klage. Doch wenn ihm Gutes widerfährt, ist er knausrig. (al-Ma’aridsch, Die Wege des Aufstiegs 70/19-21)

Der Mensch ist ein „undankbares“ Geschöpf. Gott Teala sagt hierzu:

Und wenn der Mensch in Not gerät, betet er zu uns im Liegen, Sitzen oder Stehen. Aber nachdem wir ihn aus seiner Not befreit haben, geht er dahin als wenn er (überhaupt) nicht deswegen zu uns gebetet hätte. So zeigte sich (von jeher) denen, die nicht maßhalten, im schönsten Licht, was sie (in ihrem Erdenleben an Bösem) getan haben. (Yunus, Jona 10/12)

Der Mensch ist zudem ein „geiziges“ Geschöpf. Hierzu sagt Gott:

Euer Vermögen und eure Kinder sind euch (geradezu) eine Versuchung (um euch an dieser Welt festzuhalten). Aber bei Gott gibt es (dereinst für diejenigen, die der Versuchung des Diesseits widerstehen) gewaltigen Lohn. Daher fürchtet Gott, soweit ihr es (eben) vermögt, hört (auf das, was euch gesagt wird), seid gehorsam und gebt etwas Gutes als Spende, zu eurem eigenen Vorteil! Denen, die vor der ihnen (als Menschen von Natur aus) innewohnenden Habsucht bewahrt bleiben, wird es wohl ergehen. Wenn ihr Gott ein gutes Darlehen gebt (indem ihr gute Werke tut), wird er es euch (bei der Abrechnung am Jüngsten Tag) vervielfachen und euch (eure Sünden) vergeben. Gott ist mild und weiß (den Menschen für ihre guten Taten) zu danken. (at-Taghabun, Verlust und Gewinn 64/15-17)

All diese Eigenschaften verleiten den Menschen zu fehlerhaftem Handeln. Der Mensch ist aber dazu fähig festzustellen, welche seiner Handlungen richtig und welche falsch sind. So sagt Gott:

(Bei Dem, der einer jeden Seele) ihre Frevelhatigkeit und ihre Gottesfurcht eingegeben hat! Wohl ergehen wird es ja demjenigen, der sie läutert, und enttäuscht sein wird ja, wer sie verkümmern lässt. (asch-Schams, Die Sonne 91/8-10)

Wer Gutes tut, empfindet die Freude, die eine solche Handlung mit sich bringt, und wer Schlechtes tut, an dem nagt das Gewissen. Dies ist ein großes Geschenk Gottes, da es den Menschen dazu bringt, sich von seinen fehlerhaften Handlungen abzuwenden und (gegenüber Gott) Reue zu zeigen. Egal wie schwerwiegend die Sünde auch sein mag, es besteht immer die Möglichkeit zur Buße. Gott Teala gebietet:

Sag: Ihr meine Diener, die ihr gegen euch selbst nicht maßgehalten habt! Gebt nicht die Hoffnung auf die Barmherzigkeit Gottes auf! Gott vergibt (euch) alle (eure) Schuld. Er ist es, der barmherzig ist und bereit zu vergeben. Und wendet euch (bußfertig) eurem Herrn zu und ergebt euch ihm, bevor die Strafe über euch kommt, worauf euch nicht (mehr) geholfen werden wird! Und folgt dem Besten, was von eurem Herrn (als Offenbarung) zu euch herabgesandt worden ist, bevor die Strafe plötzlich über euch kommt, ohne dass ihr es merkt! (az-Zumar, Die Scharen 39/53-55)

In einer anderen Sura sagt Gott:

Und folgt dem Besten, was von eurem Herrn (als Offenbarung) zu euch herabgesandt worden ist, bevor die Strafe plötzlich über euch kommt, ohne daß ihr es merkt! Gott will sich euch (seinerseits gnädig) wieder zuwenden. Diejenigen aber, die ihren Gelüsten folgen, wollen, dass ihr (vom rechten Weg) völlig abweicht. Gott will euch Erleichterung gewähren. Der Mensch ist (ja) von Natur aus schwach. (an-Nisa, Frauen 4/26-28)

Wenn eine Person stirbt ohne Reue gezeigt zu haben, ist die einzige Sünde, die Gott ihm nicht vergibt, dass er Shirk begangen, also Ihm andere Götter beigesellt hat.

Gott vergibt nicht, dass man ihm (andere Götter) beigesellt. Was darunter liegt, vergibt er, wem er (es vergeben) will. (an-Nisa, Frauen 4/48)

Shirk bedeutet Gott andere Götter beizugesellen. Das beinhaltet, eine oder mehrere Eigenschaften Gottes auch in anderen Wesen zu sehen. Manchmal sind es die eigenen Begierden, aber meistens handelt es sich dabei um Ranghöhe oder Geistlichkeit. Ranghohe Geistliche werden zu Mittlern zwischen Gott und Mensch erhoben, weil sie als halb menschlich und halb göttlich angesehen werden. Diese werden von den Religionsoberhäuptern repräsentiert. Da sie eine Beziehung zu einem Partner Gottes haben, die mit einer Beziehung zu Gott gleich gestellt wird, betreiben Religionsoberhäupter religiöse Ausbeutung in großem Stil. In der Sura al-Fatiha, die in jedem rituellen Gebet rezitiert wird, finden sich die Verse: „Oh Allah, Dir (allein) dienen wir, und Dich (allein) bitten wir um Hilfe.“ Muslime, die sich an den Grundsatz dieser Verse halten, leben ihre Religion fernab von Shirk und Missbrauch aus.

Fazit: der Mensch kann wissentlich oder unwissentlich jegliche Art von Sünde und Missetat begehen. Wenn er seinen Sünden abschwören möchte, sollte er wissen, dass stets die Möglichkeit zur Buße besteht. Er sollte somit die Hoffnung nie verlieren.

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