Die Religion im Koran Glaubensgrundsätze Koran als Quelle

Ein wahres, gutes Wort ist wie ein Baum, der gute Früchte bringt – Porf. Dr. Hasan Onat

Ein wahres, gutes Wort ist wie ein Baum, der gute Früchte bringt

von Prof. Dr. Hasan Onat

 

„O die ihr glaubt! fürchtet Allah, und redet das rechte Wort. Er wird eure Werke recht machen für euch und euch eure Sünden vergeben. Und wer Allah und Seinem Gesandten gehorcht, wird gewiß einen gewaltigen Erfolg erreichen.“ (33/70-71)

Die Grundlage für die Existens ist das Wort Gottes, welches ,,Sei“ ist.  In der Sure Ya-sin Vers 82 heißt es dazu :

,,Sein Befehl, wenn Er ein Ding will, ist nur, dass Er spricht: ,Sei!‘ – und es ist.“

Daraus lässt sich schließen, dass vorerst Gottes Wort die Schöpfung und die Handlungen lenkt. Die Gedanken eines Menschen werden individuell durch Worte und Begriffe geformt. Schließlich versucht der Mensch mit seinem Verstand Gottesbewusstsein zu erlangen.

Die Offenbarung wurde von Allah herabgesandt, damit der Mensch Bewusstsein erlangt und die Menschheit aus den Finsternissen zum Licht geführt wird. Der Kuran ist das schönste Wort, denn er ist das Wort von Allah. Der Kuran wurde nicht in schriftlicher Form verfasst oder herabgesandt. Der Prophet Mohammed lies die Worte Gottes durch die Schreiber der Offenbarung niederschreiben. Somit wurde das Wort in schriftlicher Form festgehalten. Diese „Worte“ haben den Menschen aus den Finsternissen zum Licht geführt; wurden Wegweiser im Leben und lehrten dem Menschen das Menschsein. Allah, der Erhabene sagt dazu :

,,(Dies ist) ein Buch, das Wir zu dir hinabgesandt haben, auf dass du die Menschheit aus den Finsternissen zum Licht führen mögest nach ihres Herrn Gebot auf den Weg des Allmächtigen, des Preiswürdigen.“ (14/1)

Bevor der Mensch Worte schriftlich festhielt, prägte er sie in sein Gedächnis ein, die dann andere Menschen weitergegeben wurden. Im Wandel der Zeit haben sich Worte verändert, gingen jedoch nicht verloren.

Der Übergang von mündlicher Form ins Schriftliche war ein wichtiger Wandlungsprozess, wodurch die Worte bedeutungsvoller wurden. Durch schriftliches Festhalten der Worte sind die Erfahrungen, Gedanken und Gefühle der Menschen erhalten geblieben. Dies bedeutet nicht, dass durch den Wandel das Wort seine Bedeutung verloren hat, denn durch die Schrift wurden Worte bedeutsamer. Die Worte belesener Menschen haben eine stärkere Wirkung. Wort und Schrift sind nicht gegenläufig. Denn jemand der gut in Wort und Schrift ist, dessen Anschauung hat eine doppelte Wirkung. Nicht jeder Mensch, der in Schrift gut, ist gleichzeitig gut in Wort. Es gibt auch Menschen, die sich nur in Worte ausdrücken und die gut in Wort sind. Kein Wort, das gesagt wird, ist Verschwendung, denn es erfüllt immer seinen Zweck. Die Macht der Worte ist abhängig vom Wissensstand des Menschen und von der Überzeugung des Gesagten. Worte sind wie Wunder; sie beeinflussen den Menschen auf irgendeine Weise.

Wenn das Wort, zur rechten Zeit kommt, dann steigt die Wirkung enorm. Denn diese Worte sind wie ein Samen einer Pflanze, der sich als Knospe öffnen und entfalten will, sobald er in die Erde eingepflanzt wird. Die Erde stößt den Samen nie ab. Ein Gedanke, der zur rechten Zeit kommt, ist wie ein Samen, der zur einer bestimmten Zeit Knospen hervorbringt – als würde die Erde, die Samen mit offenen Armen empfangen, und als würde der Samen wissen, dass die Erde auf ihn wartet. Ein altes Sprichwort sagt: Die Zunge bringt Samen hervor.  Im Kuran heißt es dazu:

 ,,Siehst du nicht, wie Allah das Gleichnis eines guten Wortes prägt? (Es ist) wie ein guter Baum, dessen Wurzel fest ist und dessen Zweige in den Himmel reichen. Er bringt seine Frucht hervor zu jeder Zeit nach seines Herrn Gebot. Und Allah prägt Gleichnisse für die Menschen, auf daß sie nachdenken mögen.“ (14/24-25)

Im Bezug auf ein schlechtes Wort heißt es im Kuran :

,,Ein schlechtes Wort aber ist wie ein schlechter Baum, der aus der Erde entwurzelt ist und keine Festigkeit hat.“(14/26)

Mohammed Eseds Interpretation dazu lautet: ,,In seiner weiteren Bedeutung bezeichnet der Begriff kalima (Wort) jede begriffliche Aussage oder Behauptung. Ein ,gutes Wort‘ steht daher für jede Behauptung (oder Idee), die intrinsisch ist und – weil sie einen Aufruf zu dem impliziert, was im moralischen Sinn gut ist – letztendlich nützlich und von Bestand ist; und da ein Aufruf zu moralischer Rechtschaffenheit der tiefste Sinn jeder von Gottes Botschaften ist, bezieht sich der Begriff ,gutes Wort‘ auch auf sie. Entsprechend bezieht sich der in Vers 26 erwähnte Begriff ,verdorbenes Wort‘ auf das Gegenteil dessen, worauf eine göttliche Botschaft abzielt: nämlich auf jede Idee, die intrinsisch falsch oder moralisch übel ist und daher spirituell schädlich. (Esed, Die Botschaft des Koran).“

Manchmal kann ein Wort oder ein Satz die Welt eines Menschen verändern – vor allem wenn das ,,gute Wort“ zur rechten Zeit kommt. Der Mensch, der aus Ton erschaffen wurde, sollte sich bewusst sein, dass nur Allah, dem Erhabenen die Ehre gebührt. Die Gedanken des Menschen sollten gefiltert werden. Ein gutes Wort ist geprägt vom Glauben, vom Verstand und von der guten Absicht des Menschen. Die Worte, die bei Allah einen Wert haben, sind die, die bedeutungsvoll und tiefsinnig sind. Denn im Kuran heißt es:

,,Warum  sagt ihr das eine und tut das andere?“ (61/2)

Mit diesem Vers möchte Allah den Menschen warnen; ihn auf seine Wortwahl verweisen, damit er wahre und sinnvolle Worte spricht.

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