Familie

Die Mitgift-Philosophie

Die Mitgift-Philosophie

 

Dr. Jamal Najim

 

Vorwort:

Es ist ein alter Gebrauch bei der fast gesamten Menschheit (allen Menschen), dass das Heiraten eigentlich eine Initiative des Mannes ist. Der Mann ist immer derjenige, der um die Hand der Frau bittet, die er heiraten möchte. Sie hat dann selbst zu entscheiden, ob sie ,,ja“ oder ,,nein“ sagt. Es gibt natürlich viele Dinge, die eine Frau nun veranlassen, ,,ja“ zu sagen. Von diesen Dingen ist zum Beispiel, die Bereitschaft des Mannes, Gelder zu zahlen, um die Zufriedenheit seiner zukünftigen Frau zu erlangen. Man gewöhnte sich, diese Summe an Geld, die bereits am Anfang vom Mann ausgezahlt werden musste, als ,,Mitgift: (arabisch: Mahr) بالمهر“, auch Morgengabe genannt, zu bezeichnen.

Die westliche ideologische und wissenschaftliche Revolution lehnte jede Sitte und jeden Gebrauch ab, welcher aus dem Altertum stammt. Deswegen wurden viele, wenn auch gute Volks-Gebräuche bekämpft. Die Mitgift ist eine der guten Sitten, die man wegen der neugekommenen Ideologien verlassen hat. Es wurde als ,,Preis“ für die Frau missdeutet. Man kritisierte es, es sei gegen die ,,Gleichung“ zwischen Frau und Mann, da nun das Ehe-Leben ja ein gemeinsames Leben sei, das sich durch die Kooperation beider Partner auszeichne. Beide Partner ziehen Nutzen im gleichen Maß von dieser kooperativen Partnerschaft. So warum solle denn der Mann Geld als ,,Mitgift“ an die zukünftige Frau zahlen?

Hier sieht man, wie die Mitgift nur als ein pures finanzielles Ereignis betrachtet wird, obschon es ein Mittel ist, die Ehrwürdigung der Frau vonseiten des Mannes zu zeigen. Es symbolisiert auch zusätzlich die innere und volle Bereitschaft des Mannes, sich für seine zukünftige Frau mit allen Mitteln zu opfern, damit sie glücklich wird.

Die die Mitgift ablehnende westliche Ideologie drang sich langsam aber sicher auch in die Islamische Gesellschaft ein, wegen der Immigration einerseits und wegen der direkten Nachbarschaft andererseits. Und dann wurden viele Fragen erhoben: Z. B. was wäre der Nutzen der Mitgift? Gilt das Schließen eines Ehe-Vertrages ohne Mitgift? Was ist der Sinn und die Bedeutung, dass es im Islam eine Bedingung zum Heiraten ist? Ist es wirklich ein Preis für die Frau? Alle diesen Fragen deuten nur darauf hin, dass man die tiefe Weisheit, die dahinter steckt, nicht kennt.

1- Der Stand des Muslims gegenüber Gottesordnung (Befehle):

Wenn eine Sache wortwörtlich (ausdrücklich) im Koran erwähnt wird, dann ist es sicherlich eine gute Sache und dient nur dem Nutzen des Menschen. Der Muslim hat hier diese Sache voll zu akzeptieren und sich dem Befehl Gottes zu unterstellen. Gott, der Erhabene hat ja den Menschen erschaffen und weiß ganz bestimmt, was ihm fehlt und was ihm nutzt. Diesbezüglich steht im Kapitel 67, Al-Mulk, die Herrschaft, Vers: 14

أَلَا يَعْلَمُ مَنْ خَلَقَ وَهُوَ اللَّطِيفُ الْخَبِيرُ (14) سورة الم67 

Kapitel 67 – Die Herrschaft, Vers 14:[1]

  ,,Kennt Er diejenigen denn nicht, die Er erschaffen hat? Und Er ist doch der Nachsichtige, der Allkundige“.

Nur manchmal verzerrt sich das Verständnis für einige Gottesordnungen. Daher fragt man, um zu lernen.  Das ist jedermanns Recht. Deswegen versuchen wir jetzt, das Thema über ,,Mitgift“ näher zu definieren.

2- Was ist die Mitgift?

[2]Die Mitgift, oder auch die sog. Morgengabe, ist ein Geldbetrag, den der Mann wegen Schließens eines Ehe-Vertrags an die Frau auszahlen muss. Gott sagt im Kapitel 4, An-Nisa, die Frauen, Vers 4:[3]

وَآتُوا النِّسَاءَ صَدُقَاتِهِنَّ نِحْلَةً فَإِنْ طِبْنَ لَكُمْ عَنْ شَيْءٍ مِنْهُ نَفْسًا فَكُلُوهُ هَنِيئًا مَرِيئًا (4) سورة النساء4)

,,Und gebt den Frauen ihre Morgengabe (Sadak) als Geschenk (so dass sie frei darüber verfügen können)! Wenn sie euch aber freiwillig etwas davon überlassen, könnt ihr es unbedenklich (für euch selber) verbrauchen“.

Im oben angeführten Vers wird die Morgengabe als ,,SADAK“ genannt, weil sie die ,,Wahrheit“ oder die ,,Ehrlichkeit“ des Mannes mit seinem Vorhaben, beweist. Auf arabisch bedeutet: SADAK, die Wahrheit sagen. Sie besagt ebenfalls, dass der Mann bereit ist, wegen seiner zukünftigen Frau jeden Geld-Betrag auszuzahlen. ,,Nihla: نِحْلَةً“ ist ein koranischer Begriff und bedeutet: Eine ,,Gabe ohne Gegenleistung“. Als Wortstamm haben wir das Wort ,,An-Nuhl“. Dies bedeutet ja wiederrum: jemandem etwas geben zu müssen, ohne von ihm eine Gegenleistung zu erwarten.[4] Und da sehen wir den unverzeihbaren Fehler, durch die Morgengabe (Mitgift) irgendeine Gegenleistung zu erwarten.

3- Die Morgengabe (Mitgift: -arabisch- Mahr) und die ,,Fitrat“  

Der Unterschied zwischen der Natur des Mannes und der Frau macht die Morgengabe (المهر Mahr) zu einer Pflicht für den Mann. Gott hat die Frau als ein erwünschtes, begehrenswerte und anziehendes Wesen beschrieben. Dazu sagt Er im Kapitel 3, Ali-Imran, Vers 14:[5

زُيِّنَ لِلنَّاسِ حُبُّ الشَّهَوَاتِ مِنَ النِّسَاءِ وَالْبَنِينَ وَالْقَنَاطِيرِ الْمُقَنْطَرَةِ مِنَ الذَّهَبِ وَالْفِضَّةِ وَالْخَيْلِ الْمُسَوَّمَةِ وَالْأَنْعَامِ وَالْحَرْثِ ذَلِكَ مَتَاعُ الْحَيَاةِ الدُّنْيَا وَاللَّهُ عِنْدَهُ حُسْنُ الْمَآبِ (14)( سورة آل عمران 3)

(14) ,,Es zieht die Menschen an, alles Begehrenswerte zu lieben: Frauen, Söhne, große Mengen Gold und Silber, edle Pferde, Viehherden und ertragreichen Boden. Das sind die Freuden des Diesseits. Gott bereitet aber im Jenseits die schönste Bleibe für die Gläubigen, die zu Ihm zurückkehren“.

Diese Eigenschaft besitzt der Mann nicht. Darum und aufgrund der Natur der beiden Gender ist der Mann der Verlangende, während die Frau die Verlangte ist. Damit ein Gleichgewicht zwischen den beiden Gendern herrscht, muss der Mann etwas tun, was die Frau zu ihm anzieht, dass sie ihn auch verlangt.

Der Mensch liebt von Natur aus das Geld, wie dies im Vers 20 des Kapitels 89, Al-Fadjr steht:

وَتُحِبُّونَ الْمَالَ حُبًّا جَمًّا (20) سورة الفجر(89)

Kapitel 89 – Die Morgendämmerung, Al-Fadjr, Vers 20:[6]

 ,,Und ihr liebt den Reichtum mit übermäßiger Liebe“.

Wenn der Mann seiner Verlobten Geld ausgibt, dann wird sie ein Beruhigungs-Gefühl haben und es entsteht in ihr eine gewisse Zuneigung zu ihrem zukünftigen Mann. Diese Morgengabe ist also die erste finanzielle Prüfung des Mannes in seiner Ehe.

4- Die Morgengabe ist eine Versicherungsanzeige für die Heirat:

Als Gott Adam und Eva befohlen hatte, das Paradies zu verlassen, sprach Er zu ihnen:

 قَالَ اهْبِطَا مِنْهَا جَمِيعًا بَعْضُكُمْ لِبَعْضٍ عَدُوٌّ فَإِمَّا يَأْتِيَنَّكُمْ مِنِّي هُدًى فَمَنِ اتَّبَعَ هُدَايَ فَلَا يَضِلُّ وَلَا يَشْقَى (123) سورة طه(20)

Kapitel 20 – `TH (`Ta Ha), Vers 123:[7]

„Er sprach: „“Geht von hier allesamt hinunter, der eine von euch soll des anderen Feind sein! Und wenn Meine Führung zu euch kommt, dann wird der, der Meiner Führung folgt, nicht zugrunde gehen, noch wird er Unglück erleiden.“

Hier wird nun der Begriff Feind näher erörtert: Ein Feind sei einer, der die Grenze eines Anderen ohne Erlaubnis übertritt. Es hat also in diesem Zusammenhang nichts mit ,,Krieg oder Tötung“ zu tun. Es ist ja auch wohl sehr bekannt, dass die Ehefrau ja ständig wissen möchte, was ihr Ehemann so alles macht. Genauso möchte ja der Ehemann ebenfalls wissen, was seine Ehefrau so ohne seine Kenntnis macht. Das geschieht, weil sie beide sehr nah an einander leben, und weil ihre Lebensziele jetzt sehr mit einander verknüpft sind. So etwas ist in der Natur des Menschen verankert. Durch diese Tatsache gibt es ständig ,,Missverständnisse und Gegenmeinungen“ zwischen den beiden. Da gibt Gott die vernünftigste Lösung solcher Eheprobleme, in dem derjenige, der vergibt, ist derjenige, der mehr glücklich wird: Er sagt im Kapitel (64) At-Taghabon, Vers 14:

يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا إِنَّ مِنْ أَزْوَاجِكُمْ وَأَوْلَادِكُمْ عَدُوًّا لَكُمْ فَاحْذَرُوهُمْ وَإِنْ تَعْفُوا وَتَصْفَحُوا وَتَغْفِرُوا فَإِنَّ اللَّهَ غَفُورٌ رَحِيمٌ (14) سورة التغابن(64)

Kapitel 64 – At-Taghabon (Tag von Gewinnen und Verlusten), Vers 14:[8]

,,O ihr, die ihr glaubt, wahrlich, unter euren Frauen und Kindern sind welche, die euch feindlich gesonnen sind; so hütet euch vor ihnen. Und wenn ihr verzeiht und Nachsicht übt und vergebt, dann ist Allah Allvergebend, Barmherzig“.

Trotzdem verweist uns Gott im oben erwähnten Vers auf das Grundprinzip in der Beantwortung auf das Übertreten des Ehepartners. Hierbei dürfen wir die Rolle der ausbezahlten Morgengabe nicht übersehen. Sie hält die eheliche Verbindung, besonders in deren Anfängen, festzusammen.

Der Wert der Dinge steigt je höher, je intensiver man sich darum bemüht hat, sie zu bekommen. Nach Auszahlung der Morgengabe nimmt die Frau mehr Platz in seinem Herzen, weil er um sie mit Zeit, Arbeit und Geld gekämpft hat. Das ist auch ein kräftiger Grund, sie, wegen leichtester und unwichtigster Ursache, nicht zu verlassen.

Ebenfalls verzichtet eine Frau normalerweise nicht auf den Mann, der den wahren Wunsch geäußert hat, sie zu haben und dies durch Auszahlung der Morgengabe beweisen konnte. Sie würde sich auch nicht wegen einer Bagatellsache von ihm scheiden lassen wollen. Sie würde dann beide verlieren: Den Mann und das Geld! Damit sehen wir, wie die Morgengabe ein sehr wichtiger Faktor zur Stabilisierung (Versicherungsanzeige) einer Ehe ist. Sie stellt auch eine Ursache dafür dar, dass der eine Partner Fehler des anderen schnell vergibt.

5- Heiraten ohne Morgengabe:

In der westlichen Gesellschaft herrscht ein sog.,,Gleichberechtigungs-System“ zwischen den beiden Gendern trotz deren natürlichen und physiologischen Unterschiede. Infolge dessen erfolgt die Heirat auch ohne, dass der Mann etwas vorbringt, unter dem Motto, dass es gar keine Unterschiede zwischen den beiden gebe. Die Morgengabe sei, so behauptet man, diskriminierend für die Frau, weil sie deren Wert herabsenkt und stelle so etwas wie einen ,,Preis“ für sie dar. Andere wollen behaupten, dass sie (die Morgengabe) nur ein Symbol sei, es genüge das Wenige davon. Unter diesen ,,glänzenden“ Überschriften kann der Mann im Westen ohne die geringste Mühe heiraten. Die Frau ist dann ja gezwungen, sich an den anfallenden Kosten der neu entstehenden Familie zu beteiligen, in dem sie Arbeit außerhalb ihrer Ehewohnung suchen muss. Die Arbeit der Frau wurde jetzt so selbstverständlich, dass sie jetzt niemand bewertet oder respektiert.

Die Gleichberechtigung zwischen zwei Wesen, die sich sowohl in Natur, als auch in Bedarf völlig voneinander unterscheiden, ist prinzipiell ungerecht.

Solche Annahmen stimmen sich mit der Natur nicht überein und sie sind auch nicht logisch.

Die Gerechtigkeit ist nur dann gegeben, wenn jeder seine Rechte bekommt, die seiner Natur und seinen Bedürfnissen entsprechen.

Die Frau, die ihre natürlichen Bedürfnisse ja nie ändern kann, würde sich in dieser Gesellschaft in eine Situation eingedrängt fühlen, in der sie vollkommen, innerhalb und außerhalb des Hauses, ausgenutzt und überangesträngt (kaputt gemacht) wird. Dies hat schlimmere Folgen auf ihre Verhaltensweisen Zuhause und mit ihrem Mann. Der Mann, der seine Frau ja ohne jegliche Mühe bekommen konnte, wird sich auch kaum die Mühe machen, die Dinge zu verbessern. Er wählt stattdessen die Scheidung, weil eine andere zu heiraten ist ja sehr einfach. Die Frau ihrerseits wird auch nichts verlieren durch die Scheidung von ihrem Mann, da er ihr ja überhaupt nichts gegeben hat. Anderes ausgedrückt: Beide sehen in der Scheidung den einzigen Rettungsweg für ihre Probleme. Das Endresultat ist der schnelle Verfall der Familien, und damit der Verlust des Zusammenhaltes der Groß-Gesellschaft.

6- Die ,,vereinbarte“ und die ,,gleichhohe“ Morgengabe:

Es gibt zwei Arten von der Morgengabe.

Die erste: Die angezeigte, oder vereinbarte Morgengabe. Das ist der Fall, wenn sich beide Partner über eine bestimmte Höhe vereinbaren.

Wenn es aber keine Vereinbarung gibt, wird ein gewisser Betrag festgemacht, der üblicherweise gleich hoch ist, wie er bei anderen ähnlichen Ehen ausgezahlt wird. Das ist die zweite Art der Morgengabe.

Das heißt, die Heirat ist islamisch auch dann gültig, wenn sich beide Partner nicht für eine bestimmte Höhe festgelegt haben. In diesem Fall muss der Ehemann eine Morgengabe auszahlen, die so hoch ist, wie sie für eine andere Frau von ihrer Familie, oder zumindest von ihrer Stadt, bereits ausgezahlt wurde.

Bezüglich der Auszahlung kennt man zwei Wege: Die sofortige und die aufgeschobene.

Die sofortige Auszahlung: Hier darf der Mann seine Frau erst dann berühren, nachdem er die Morgengabe ausgegeben hat, es sei denn sie erlaubt es ausdrücklich, dann wird sie später ausgezahlt.

Die aufgeschobene Auszahlung: Dies kann nur der Teil der Morgengabe sein, der nicht sofort ausgezahlt wurde. Er wird dann zu einer vereinbarten späteren Zeit ausgezahlt, doch spätestens bei Scheidung oder Tod. Beim Tod nimmt die Frau ihre volle aufgeschobene Morgengabe von der Erbe des Ehemannes, bevor sie eingeteilt wird.

Der Ehemann hat absolut kein Recht darauf, die bekannte aufgeschobenen Summe der Morgengabe zu mindern. Gott sagt im Kapitel 4, An-Nisa, die Frauen, Vers 20:

 وَإِنْ أَرَدْتُمُ اسْتِبْدَالَ زَوْجٍ مَكَانَ زَوْجٍ وَآتَيْتُمْ إِحْدَاهُنَّ قِنْطَارًا فَلَا تَأْخُذُوا مِنْهُ شَيْئًا أَتَأْخُذُونَهُ بُهْتَانًا وَإِثْمًا مُبِينًا (20) سورة النساء(4)

Kapitel 4, An-Nisa, die Frauen, Vers 20:[9]

,,Und wenn ihr eine Frau gegen eine andere tauschen möchtet und habt der einen bereits einen (Qantar) Schatz gegeben, so nehmt nichts davon zurück. Möchtet ihr es etwa durch Lüge und offenbare Sünde zurücknehmen?

Die Morgengabe ist ein pures Eigentum der Ehefrau und niemand hat das Recht, an ihn teilzunehmen. Sie hat mit den möglichen Geschenken des Ehemannes an die Familie der Gattin überhaupt nichts zu tun. Diese zusätzlichen Gaben sind nicht Pflicht

7- Die Auszahlung der ,,Hälfte“ der Brautgabe:

Es könnte mal geschehen, dass sich die Ehepartner scheiden lassen, bevor sie sich gegenseitig berühren. In diesem Falle hat der Mann die ,,Hälfte“ der Brautgabe zu zahlen. Es sei denn, die Frau verzichtet bewusst auf alles oder auf einen Teil davon. Der Mann kann ja seinerseits auf seine andere ,,Hälfte“ auch verzichten und seiner ,,geschiedenen“ Frau die gesamte Brautgabe überlassen. Gott sagt im Kapitel 2, Al-Bakara, die Kuh, Vers 237:

وَإِنْ طَلَّقْتُمُوهُنَّ مِنْ قَبْلِ أَنْ تَمَسُّوهُنَّ وَقَدْ فَرَضْتُمْ لَهُنَّ فَرِيضَةً فَنِصْفُ مَا فَرَضْتُمْ إِلَّا أَنْ يَعْفُونَ أَوْ يَعْفُوَ الَّذِي بِيَدِهِ عُقْدَةُ النِّكَاحِ وَأَنْ تَعْفُوا أَقْرَبُ لِلتَّقْوَى وَلَا تَنْسَوُا الْفَضْلَ بَيْنَكُمْ إِنَّ اللَّهَ بِمَا تَعْمَلُونَ بَصِيرٌ (237) سورة البقرة(2)

Kapitel 2, Al-Bakara, die Kuh, Vers 237:[10]

,,Lasst ihr euch von den Frauen scheiden, die ihr nicht berührt habt, aber für die ihr eine Brautgabe ausgesetzt habt, so müsst ihr ihnen die Hälfte der Brautgabe geben, es sei denn, dass die Frau darauf verzichtet. Der Ehemann, der zur Eheschließung bevollmächtigt ist, kann aber auch verzichten und ihr die Brautgabe voll und ganz geben. Wer (von den beiden) das tut, steht der Frömmigkeit am nächsten. Vergesst nicht die Großzügigkeit im Umgang miteinander! Gott sieht alles, was ihr macht“.

Derjenige, der zur Eheschließung bevollmächtigt ist, kann nur der Ehemann sein und nicht irgendein anderer Beauftragte, zum Beispiel der Vater. Die Morgengabe ist ein strenges, privates Eigentum der Ehefrau und niemand außer ihr, auch nicht ein Bevollmächtigter, kann darüber verfügen.

8- Ist ein Geschenk sittenmäßig ein Teil der Morgengabe

(Wird ein Geschenk, sittenmäßig zur Morgengabe gerechnet).

Aufgrund der anerkannten lokalen Sitten wird bestimmt, ob Geschenke ein Teil der Morgengabe oder nicht. Falls sie ein Teil davon sind, werden sie dem Ehemann zurückgegeben, wenn die Frau die Scheidung beantragt hat. Falls er aber die Scheidung eingereicht hat, dann gehören die Geschenke, die nun sittenmäßig als Teil der Morgengabe angesehen werden, selbstverständlich der Frau an.

Wenn aber die Geschenke, den lokalen Sitten zufolge, kein Teil der Morgengabe sein sollen, so ist sie nicht gezwungen, ihm diese Geschenke bei Auseinandergehen zurückzugeben. Das Geschenk wird nach der Scheidung Eigentum des Geschenkten, und es gilt nicht mehr, dass der Schenkende sie zurück erwerbt.

9- Die Morgengabe soll nicht übertrieben werden:

Dass die Morgengabe eine Pflicht für den Ehemann ist, ist kein Anlass dafür, dass die Frau oder deren Familie (Berater), sie hoch zu stellen. Die Übertreibung in der Höhe der Brautgabe bringt meistens entgegengesetzte Resultate.  Anstatt dass sie den innigen Wunsch des Ehemannes zum Heiraten ausdrückt, erscheint sie so, als ob sie eine Strafe für ihn wäre. Diese Übertreibung ist ein wesentlicher Grund für den Aufschub und Verspätung der Heirat junger Leute, weil sie einfach das Vermögen nicht haben, um zu heiraten und die anderen erforderlichen und begleitenden Kosten zu decken. Darum empfiehlt der Islam den goldenen Mittelweg (nicht zu hoch, nicht zu tief) in allen Dingen. Und man soll dies ja in Betracht ziehen in der Festlegung der Brautgabe und in den anderen Kosten, die nicht mehr sein sollten als das übliche und bekannte.

Summarium:

Die Morgen(Braut)gabe ist nicht der Preis für die Frau, auch nicht der Preis für den Nutzen, den die Frau dem Mann anbietet, weil jeder dem anderen nützlich sein wird. Sie ist eine Ausdrucksmethode des Mannes, um seinen Wunsch zu zeigen, dass er die Frau heiraten möchte, und dass er es sehr ernst mit ihr meint. Als das im Islam nun eine Pflicht wurde, hat es der Natur des Menschen entsprochen und stellte ein Gleichgewicht beider Gender her. Sie nicht anzuerkennen kann nur auf ein schweres Missverständnis ihrer tiefen, menschlichen und gesellschaftlichen Dimension hindeuten.

 

(Ende des Berichtes)

 

Dr. Jamal Najim

Süleymaniye Stiftung

07.11.2018

 

[1] M. A. Rassoul, http://www.ewige-religion.info/koran/

[2] Mitgift: Wird auch als ,,Morgengabe“ bezeichnet

[3] Rudi Paret

[4]  Das ist der wesentliche Unterschied zum ,,Schenken“, wobei dies keine Pflicht ist, während bei ,,An-Nuhl“ ja eine Gabe Pflicht besteht. Beide gleichen sich darin, keine Gegenleistung zu erwarten.

[5] Azhar

[6] M. A. Rassoul

[7] M. A. Rassoul

[8] M. A. Rassoul

[9] Ahmadeyya

[10] Azhar, mit Umänderung zur Korrektur der Bedeutung.

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