Eure Fragen

Der Glaube an die Fürsprache („Schafaat“)

Frage:

Laut allgemeinen Statistiken wird ein Moslem zu 99% in einem muslimischen Land oder als Kind muslimischer Eltern geboren. Abdulaziz Bayindir behauptet, dass das Volk des Buches („Ahl Kitaab“) zu den Polytheisten („Muschrik“) gehören, somit jeder der kein Moslem ist, ein Muschrik ist. Hinzugefügt hat er, dass Allah niemanden bestraft, dem die Ankündigung Gottes („Teblig“) nicht erreicht hat, sofern er sich vom Polytheismus / Schirk  (Allah Gottheiten zur Seite stellen) fern gehalten hat.

Bayindir behauptet, dass die an die Fürsprache glaubenden Moslems, die „Ereile zur Hilfe Mohamed“ rufen, ebenfalls Muschrik sind. Seit jeher sind die Vahabiten der gleichen Auffassung wie Bayindir und gehören damit einer Minderheit in der islamischen Welt an.

Auch ich glaube nicht an eine Fürsprache außer der von Allah. Aber ist der Begriff „Schirk“ nicht zu weit gefasst?  Wenn jeder, der kein Moslem ist, ein Muschrik ist und die Moslems, die an eine Fürsprache neben Allah glauben auch dazu gehören, frage ich mich wer denn überhaupt die göttliche Anerkennung bekommt?

Heute leben über 6,5 Milliarden Menschen auf der Welt und wenn wir großzügig sind werden nur ca. 10 Millionen Menschen den Qualen der Hölle entgehen. Denn die Sunniten glauben allen an die Schafaat, die Schiiten mal ganz außen vor gelassen.

Ich bin etwas irritiert und habe zudem Schwierigkeiten diesen Umstand zu akzeptieren. Ist die Situation wirklich so negativ oder übertreibe ich?

 

Antwort:

Schafaat bedeutet, jemanden nicht alleine zu lassen oder aber auch jemanden unterstützend begleiten. Die Fürsprache suchenden Menschen werden zum jüngsten Gericht o Gesandter Gottes („Schafaat ya Rasulallah“) flehen mit der Hoffnung durch seine Unterstützung in den Himmel zu kommen. Den Moslems ist grundsätzlich bekannt, dass man nicht ewig in der Hölle verweilt. Aus diesem Grund hat das Erbitten/Erflehen der Schafaat zum Ziel, direkt in den Himmel zu kommen ohne zuvor die Hölle zu besuchen. Dieser Glaube wir im folgenden überprüft:

1. Am Tag des jüngsten Gerichtes wird es keine Schafaat geben. Allah sagt folgendes:

Und fürchtet den Tag, da keine Seele als Stellvertreterin wird dienen dürfen für eine andere Seele, da keine Fürbitte für sie gelten und kein Lösegeld von ihr genommen werden wird; und es wird niemandem geholfen. (Bakara 2/48)

Wahrlich, die Rechtschaffenen werden in der Wonne sein und die Frevler in der Hölle. Sie werden dort eingehen am Tage des Gerichts; Und sie werden nicht imstande sein, sich davor zu schützen. Woher sollst Du wissen, was der Tag des jüngsten Gerichts ist? Wahrlich woher sollt Du schon wissen, was der Tag des jüngsten Gerichts ist? Es ist der Tag, an dem keiner dem anderen helfen kann. Die ganze Autorität besitzt Allah an jenem Tag . (İnfitâr 82/13-19)

Warne die Ehrfürchtigen vor dem Tag des jüngsten Gerichts mit den Versen vom Koran: Weder werden Sie einen Freund noch ein Fürsprecher an jenem Tag haben, außer Allah. Vielleicht wird sie dieser Rat beschützen. (En’am 6/51)

Sprich: «Die Autoriät für eine Fürsprache hat einzig und allein Allah.» (Zümer 39/44)

(O Muhammad) Sprich: «Ich habe noch nicht mal die Macht, mich selbst zu nützen oder zu schaden, es sei denn Allah möchte es.» (A’raf 7/188)

Den Überlieferungen Ebu Hureyre’s zur Folge hat der Gesandte Gottes bei der Offenbarung des Verses: Und warne deine nächsten Verwandten (Şuara, 26/214) folgende Rede gehalten:

„O Kuraisch-Gemeinde! Schaut, dass ihr euch selbst rettet; Vor Allah kann ich nichts für euch tun. O Söhne Abdulmenaf’s! Vor Allah kann ich nichts für euch tun. (Mein Onkel) Abbas Sohn des Abdulmuttalib! Vor Allah kann ich nichts für dich tun. (Meine Tante) Safiyye! Vor Allah kann ich nichts für dich tun. Meine Tochter Fatima! Von meinem Eigentum kannst Du verlangen was du willst, aber vor Allah kann ich nichts für dich tun“ (Buhârî, Vesâyâ, 11)

Nach den oben genannten Rezitationen fragt man sich wie ein Moslem überhaupt noch Schafaat o Gesandter Gottes sagen kann.

Was erwartet jemand, der vom Propheten Fürsprache verlangt? Wenn jemand vor Gott flieht und Zuflucht beim Propheten sucht setzt diese Person folgendes voraus:

– Der Prophet kennt die Person besser als Gott

– Der Prophet ist barmherziger als Gott

– Der Prophet hat die Authorität den Menschen vor Gott zu schützen

Wer dies glaubt, behauptet doch, dass der Prophet neben Allah eine Gottheit ist.

Allah sagt in einem Vers folgendes:

Wer hilft dem Hilfsbedürftigen und Bedrängten, wenn er darum gebeten wird und löst Eure Probleme bzw. wer hat Euch zum Herrscher der Erde gemacht? Gibt es tatsächlich einen Gott neben Allah? Wie wenig nutzt ihr nur euer Wissen. (Neml 27/62)

Man kann denjenigen, die folgendes behaupten, nicht viel entgegen bringen: „Wenn er in die Hölle geht, folge ich ihm dahin.“ Allerdings sollte ein intelligenter Mensch alles in seiner Macht stehende tun, um sich zu erretten. 

Es gibt solche, die sich für barmherziger als Allah halten und folgendes deklarieren: „Falls  Du den Glauben meines Volkes retten kannst, akzeptiere ich die Strafe dafür“ und unterschätzen die Hölle. 

Schreibe einen Kommentar