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Almosen und Zinsen im Koran

 

 

Almosen und Zinsen im Koran

 

Von Prof. Dr. A. Bayındır

 

 

Vorwort

Die Almosen sind finanzielle Hilfen, gegeben an die Leute, die es brauchen, ohne dafür etwas als Gegenleistung zu verlangen.

Die Zinsen sind jedoch das, wenn einer aus Not Geld geliehen hat und bei der Zurückzahlung seiner Schulden einen Zusatzbetrag zum Originalgeliehenen auszahlen muss.

Die Almosen sind ein Ausweg für die Armen und eine Hauptsäule für eine soziale Tätigkeit. Die Zinsen vergrößern dagegen die Not der Armen und zerstören die Basis einer sozialen Wohltätigkeit.

Wenn über Almosen die Rede ist, denkt man sofort an die kleine finanzielle Hilfe, die man den Armen gibt. In unserem Spracherben wird ebenfalls dieses Wort für die wenigen Groschen benützt, die wir den Armen ausgeben. Diese armen Leute sind in Wirklichkeit nur eine von acht verschiedenen Gruppen, die alle Almosen brauchen. Wir werden in diesem Bericht zeigen, dass das, was der Staat an Steuern nimmt, nichts anderes als Almosen ist.

Gott teilte seinem Propheten Mohammed, der ja der Lieder des ersten islamischen Staates war, folgendes mit:[1]

خُذْ مِنْ أَمْوَالِهِمْ صَدَقَةً تُطَهِّرُهُمْ وَتُزَكِّيهِمْ بِهَا وَصَلِّ عَلَيْهِمْ إِنَّ صَلَاتَكَ سَكَنٌ لَهُمْ وَاللَّهُ سَمِيعٌ عَلِيمٌ (103) , سورة التوبة(9)

Kapitel 9 – Die Reue, At-Touba, Vers 103:

Nimm Almosen von ihrem Besitz, auf dass du sie dadurch reinigen und läutern mögest. Und bete für sie; denn dein Gebet verschafft ihnen Beruhigung. Und Allah ist Allhörend, Allwissend (103)[2].

Dieser Koran-Vers und die anderen Verse vorher und nachher sprechen alle nicht nur über die echten Gläubiger. Sie sprechen aber auch über Nichtgläubiger und Heuchler, die ständig versucht hatten, den Propheten Mohammed hereinfallen zu lassen. Die Almosen, die von all diesen Gruppen durch den Staat genommen werden, bekräftigen nicht nur die Zugehörigkeit zum Staate, sondern sie geben auch  Beruhigungsgefühl bei den Almosengebern, weil sie am Bau und an der Bekräftigung ihrer Gesellschaft teilnehmen. Das ist sicherlich ein echter Grund für ihre Erfolge.

Im Islam nennt man die Almosen, die an einen Moslem abgegeben werden: Zakat[3], und die an einen Nicht-Moslem Sadaka. Zakat zeigt die wahre Verbindung zwischen Gott und Menschen, während Sadaka zwischen Regierung und Bürgern. Beide sind der Grund für die Reinigung und Läutern der Zahler. Wir können hier sagen, dass Zakat bzw. Sadaka Steuern sind, die der Staat von den Bürgern nimmt, gleichgültig, was für Religion sie verfolgen. Der Begriff ,,Tribut“: الْجِزْيَةَ)), der als die Steuer, die von jedem Nichtmoslem genommen wird, deklariert wird, ist leider falsch gedeutet. Der folgende Vers (Kapitel 9, Vers 29) erklärt die eigentliche Bedeutung dieses Begriffs:

{قَاتِلُوا الَّذِينَ لَا يُؤْمِنُونَ بِاللَّهِ وَلَا بِالْيَوْمِ الْآخِرِ وَلَا يُحَرِّمُونَ مَا حَرَّمَ اللَّهُ وَرَسُولُهُ وَلَا يَدِينُونَ دِينَ الْحَقِّ مِنَ الَّذِينَ أُوتُوا الْكِتَابَ حَتَّى يُعْطُوا الْجِزْيَةَ عَنْ يَدٍ وَهُمْ صَاغِرُونَ} (التوبة، 9/29)

Kapitel 9 – Die Reue, At-Touba -, Vers 29: 

Kämpft gegen diejenigen, die nicht an Allah und an den Jüngsten Tag glauben, und die das nicht für verboten erklären, was Allah und Sein Gesandter für verboten erklärt haben, und die nicht dem wahren Glauben folgen – von denen, die die Schrift erhalten haben, bis sie eigenhändig den Tribut (الْجِزْيَةَ) in voller Unterwerfung entrichten (29)[4].

Der Kampf gegen die Ungläubige während eines Kriegs endet also sofort, wenn die Gefangene durch irgendeine Weise befreit werden

Der Begriff (Tribut) kommt im folgenden Verse noch klarer zum Ausdruck:

فَإِذَا لَقِيتُمُ الَّذِينَ كَفَرُوا فَضَرْبَ الرِّقَابِ حَتَّى إِذَا أَثْخَنْتُمُوهُمْ فَشُدُّوا الْوَثَاقَ فَإِمَّا مَنًّا بَعْدُ وَإِمَّا فِدَاءً حَتَّى تَضَعَ الْحَرْبُ أَوْزَارَهَا ذَلِكَ وَلَوْ يَشَاءُ اللَّهُ لَانْتَصَرَ مِنْهُمْ وَلَكِنْ لِيَبْلُوَ بَعْضَكُمْ بِبَعْضٍ وَالَّذِينَ قُتِلُوا فِي سَبِيلِ اللَّهِ فَلَنْ يُضِلَّ أَعْمَالَهُمْ (4) سورة محمد(47).

Kapitel 47 – Mohammed, Vers 4:

Wenn ihr (auf einem Feldzug) mit den Ungläubigen zusammentrefft, dann haut (ihnen mit dem Schwert) auf den Nacken! Wenn ihr sie schließlich vollständig niedergekämpft habt (athkhantumuuhum), dann legt (sie) in Fesseln, (um sie) später entweder auf dem Gnadenweg (mannan) oder gegen Lösegeld (Tribut, arab.: Fida-an) freizugeben! (Haut mit dem Schwert drein) bis der Krieg (euch) von seinen Lasten befreit (und vom Frieden abgelöst wird)! Dies (ist der Wortlaut der Offenbarung). Wenn Allah wollte, würde er sich (selber) gegen sie helfen (lan-tasara minhum). Aber er möchte (nicht unmittelbar eingreifen, vielmehr) die einen von euch (die gläubig sind) durch die anderen (die ungläubig sind) auf die Probe stellen. Und denen, die um Allahs willen getötet werden, wird er ihre Werke nicht fehlgehen lassen (so dass sie damit nicht zum Ziel kommen würden)[5].

So beschränkt sich also der Begriff (Tribut) hier nur auf die Tatsache, dass ein Kriegskämpfer gefangen genommen wird und dadurch seine Freiheit verloren hat. Falls er kein Geld besitzt, so kann man ihn freilassen, auch ohne zu zahlen (Gnade, arab.: mannan). Im Falle, dass er genug Geld hat, dann ist er gefragt, Lösegeld (Tribut, arab.: Fida-an) zu zahlen, um seine Freiheit wieder zu erlangen. So gab es also in der Zeit Mohammeds im Falle eines Kriegsgefangenen nur diese zwei Möglichkeiten, dass er seine Freiheit zurückerwerbt. Alles anders Erwähntes über Tötung, Versklavung und jährlich per Kopf geforderte Tribute ist eine reine Verfälschung und entspricht überhaupt nicht der wahren Praktizierung dieses Begriffs. Dies alles ist Jahre nach dem Tode Mohammeds erfunden.

Im Vers 60 des Kapitels 9 (Die Treue) kommt klar zum Ausdruck, dass die Almosen nichts Anderes sind, als die Steuer, die der Staat nimmt.

 

1- Almosen und Zinsdarlehen

Die Anziehungskraft eines Darlehens besteht darin, die eiligen und dringenden Bedürfnisse sofort zu decken. Aber in vielen Fällen findet sich der Darlehen-Nehmer zum Zeitpunkt des Zurückzahlens nicht fähig, seine Schulden auszugleichen. Diese Tatsache zwingt ihn erneut, ein neues Zins-Darlehen zu nehmen. Aufgrund der Anhäufung der Schulden bei jedem Darlehen würde er vielleicht seinen eigenen Besitz verlieren. Er würde sich vollkommen außerhalb der wirtschaftlichen Aktivität finden.

Das Geld wurde früher aus Gold produziert. Die Wertigkeit wurde aufgrund dessen Gewichtes und der Karat-Zahl festgelegt. In dieser Zeit war es sehr beschränkt, ein Darlehen zu geben, weil das Geld selbst ja auch beschränkt war. Nach vielen Epochen erschien das Papier-Geld, dessen Wertigkeit durch eine darauf geschriebene Zahl bekanntgemacht wird. Dieses Papiergeld wurde dann überall so anerkannt, dass es ohne es keinen Handel mehr gibt. Zwei in Größe und Farbe gleiche Papiere, auf dem einen steht die Zahl 1 (eins), und auf dem zweiten steht die Zahl 100 (eine Hundert) Dollar. So ist das zweite Papier 1oo mal mehr wert als das erste. Und noch mehr: Die Bank-Salden werden jetzt tagtäglich von einem Konto zum anderen mit Zinsen überwiesen, ohne dass sie tatsächlich existieren, nicht mal in Papierform. So entwickelten sich nun illusionäre und imaginäre Gelder, die das bekannteste Symbol in den fortgeschrittenen wirtschaftlichen Transaktionen geworden sind. Es sind nur einig Zeros, die am Computerschirm gefügt werden, um unvorstellbare Summen an Geldern entstehen zu lassen, die dann als Zinsdarlehen an die lokalen und internationalen Märkte und Großkonzerne gegeben werden. Darunter leiden zunächst die kleinen Firmen, dann die mittleren. Später finden sich nicht nur die Großfirmen, aber sogar ganze Staaten unter dem Einfluss der Kapital-Inhaber. Die Kapital-Inhaber werden dadurch befähigt, sämtliche Reichtums-Quellen zu besitzen und zu führen. Währenddessen, wo sie sich damit vergnügen, arbeiten sie ständig dafür, die eigentlichen Besitzer dieser Quellen kaltblütig zu Nichte zu machen.

Statistiken nach sollen viele Staaten, unter denen die Türkei, die USA, China, Russland und Großbritannien, unter Schulden leiden. Demnächst werden sogar alle Familien Schulden haben. Die Darlehengeber dirigieren langsam aber sicher die zielorientierten Staaten und können dann alles ändern, was ihnen nicht gefällt.

Deswegen muss man ihnen alsbald die Macht entziehen. Und das kann nur geschehen, wenn man ohne Zinsen arbeitet. Alle herabgesandten Religionen haben das Handeln mit den Zinsen verboten. Der folgende Vers spricht über Juden:

 

فَبِظُلْمٍ مِنَ الَّذِينَ هَادُوا حَرَّمْنَا عَلَيْهِمْ طَيِّبَاتٍ أُحِلَّتْ لَهُمْ وَبِصَدِّهِمْ عَنْ سَبِيلِ اللَّهِ كَثِيرًا (160) وَأَخْذِهِمُ الرِّبَا وَقَدْ نُهُوا عَنْهُ وَأَكْلِهِمْ أَمْوَالَ النَّاسِ بِالْبَاطِلِ وَأَعْتَدْنَا لِلْكَافِرِينَ مِنْهُمْ

عَذَابًا أَلِيمًا (161) سورة النساء(4)

Kapitel 4 – Die Frauen, Verse 160 u. 161:

(Wegen all dieser Vergehen) und weil von Seiten derer, die dem Judentum angehören, gefrevelt wurde, haben wir ihnen gute Dinge verboten, die ihnen (an sich) erlaubt waren, und (deswegen) weil sie viele vom Wege Allahs abhielten (160),

und (weil sie) Zins nahmen, wo es ihnen doch verboten war, und die Leute in betrügerischer Weise um ihr Vermögen brachten. Für die Ungläubigen von ihnen haben wir (im Jenseits) eine schmerzhafte Strafe bereit (161).[6]

Und der folgende Vers zeigt die Hässlichkeit der Zinsen, gleichzeitig den positiven Effekt der Zakat auf die Wirtschaft:

وَمَا آتَيْتُمْ مِنْ رِبًا لِيَرْبُوَ فِي أَمْوَالِ النَّاسِ فَلَا يَرْبُو عِنْدَ اللَّهِ وَمَا آتَيْتُمْ مِنْ زَكَاةٍ تُرِيدُونَ وَجْهَ اللَّهِ فَأُولَئِكَ هُمُ الْمُضْعِفُونَ (39) سورة الروم (30)

Kapitel 30 – Die Römer, Ar-Room -, Vers 39:

Und was immer ihr auf Zinsen verleiht, damit es sich mit dem Gut der Menschen vermehre, es vermehrt sich nicht vor Allah; doch was ihr an Zakat entrichtet, indem ihr nach Allahs Antlitz verlangt, sie sind es, die vielfache Mehrung empfangen werden[7].

Hier wird auch verstanden, dass nur an den Zinsen-Verleiher die Rückzahlung gegeben wird, weil sie nur gegen handfestes Pfand jemandem Zinsdarlehen verleihen.

Eine Person, die unerträgliche Schulden hat, wird die Wohltätigkeits-organisationen suchen, damit sie sie von den Händen der Zinsen-Verleihern durch Almosen retten. Wie es später gezeigt wird, werden wir sehen, dass die Almosen für die Wirtschaft sehr wichtig sind. Die Rolle der Almosen besteht nicht nur darin, dass sie die Bedürfnisse anderer decken, sondern sie bringen viele Leute zurück zum Markt, die wegen höherer Schulden, größerer Verluste oder anderer Schwierigkeiten den Market verlassen mussten. So sind die Almosen ein wahrer Grund zur Beruhigung und Stabilität der Wirtschaft. Das eröffnet den Weg zum Fortschritt und zur Entwicklung. Aus diesem Grund beinhalten sämtliche Verse, die den Zins verbieten, deutliche Hinweise auf die Wichtigkeit der Almosen und der Zakat. Betrachten wir folgende Koranverse:

سورة البقرة(2)

الَّذِينَ يُنْفِقُونَ أَمْوَالَهُمْ بِاللَّيْلِ وَالنَّهَارِ سِرًّا وَعَلَانِيَةً فَلَهُمْ أَجْرُهُمْ عِنْدَ رَبِّهِمْ وَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ (274) الَّذِينَ يَأْكُلُونَ الرِّبَا لَا يَقُومُونَ إِلَّا كَمَا يَقُومُ الَّذِي يَتَخَبَّطُهُ الشَّيْطَانُ مِنَ الْمَسِّ ذَلِكَ بِأَنَّهُمْ قَالُوا إِنَّمَا الْبَيْعُ مِثْلُ الرِّبَا وَأَحَلَّ اللَّهُ الْبَيْعَ وَحَرَّمَ الرِّبَا فَمَنْ جَاءَهُ مَوْعِظَةٌ مِنْ رَبِّهِ فَانْتَهَى فَلَهُ مَا سَلَفَ وَأَمْرُهُ إِلَى اللَّهِ وَمَنْ عَادَ فَأُولَئِكَ أَصْحَابُ النَّارِ هُمْ فِيهَا خَالِدُونَ (275) يَمْحَقُ اللَّهُ الرِّبَا وَيُرْبِي الصَّدَقَاتِ وَاللَّهُ لَا يُحِبُّ كُلَّ كَفَّارٍ أَثِيمٍ (276) إِنَّ الَّذِينَ آمَنُوا وَعَمِلُوا الصَّالِحَاتِ وَأَقَامُوا الصَّلَاةَ وَآتَوُا الزَّكَاةَ لَهُمْ أَجْرُهُمْ عِنْدَ رَبِّهِمْ وَلَا خَوْفٌ عَلَيْهِمْ وَلَا هُمْ يَحْزَنُونَ (277) يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اتَّقُوا اللَّهَ وَذَرُوا مَا بَقِيَ مِنَ الرِّبَا إِنْ كُنْتُمْ مُؤْمِنِينَ (278) فَإِنْ لَمْ تَفْعَلُوا فَأْذَنُوا بِحَرْبٍ مِنَ اللَّهِ وَرَسُولِهِ وَإِنْ تُبْتُمْ فَلَكُمْ رُءُوسُ أَمْوَالِكُمْ لَا تَظْلِمُونَ وَلَا تُظْلَمُونَ (279) وَإِنْ كَانَ ذُو عُسْرَةٍ فَنَظِرَةٌ إِلَى مَيْسَرَةٍ وَأَنْ تَصَدَّقُوا خَيْرٌ لَكُمْ إِنْ كُنْتُمْ تَعْلَمُونَ (280).

Kapitel 2 – Die Kuh, Al-Bakara -,

Vers (274)[8]:

Denen, die ihr Vermögen bei Nacht oder bei Tage geheim oder offen spenden, steht bei ihrem Herrn ihr Lohn zu, und sie brauchen (wegen des Gerichts) keine Angst zu haben, und sie werden (nach der Abrechnung am Jüngsten Tag) nicht traurig sein[9].

 

Vers (275):

„Diejenigen, die Zins nehmen, werden (dereinst) nicht anders dastehen als wie einer, der vom Satan erfasst und geschlagen ist (so dass er sich nicht mehr aufrecht halten kann). Dies (wird ihre Strafe) dafür (sein), dass sie sagen: „“Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.““ Aber Allah hat (nun einmal) das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten. Und wenn zu einem eine Ermahnung von seinem Herrn kommt (wie z.B. die, das Zinsnehmen zu unterlassen) und er dann aufhört (zu tun, was ihm verboten wurde), so sei ihm (belassen), was bereits geschehen ist! Und die (letzte) Entscheidung über ihn steht bei Allah. Diejenigen aber, die es (künftig) wieder tun, werden Insassen des Höllenfeuers sein und (ewig) darin weilen[10].“

 

 Vers  (279)

Allah lässt den Zins (des Wucherers) dahinschwinden, aber er verzinst die Almosen (mit himmlischem Lohn). Allah liebt keinen, der gänzlich ungläubig (kaffaar) und ein Sünder ist[11].

 

Vers  (277)

Denen, die glauben und tun, was recht ist, das Gebet (salaat) verrichten und die Almosensteuer (zakaat) geben, steht bei ihrem Herrn ihr Lohn zu, und sie brauchen (wegen des Gerichts) keine Angst zu haben, und sie werden (nach der Abrechnung am jüngsten Tag) nicht traurig sein[12].

Vers  (278)

Ihr Gläubigen! Fürchtet Allah! Und verzichtet auf das, was noch übrig ist an Zinsen, wenn (anders) ihr gläubig seid![13]

Vers  (279)

Wenn ihr (es) nicht tut, dann sei euch Krieg angesagt von Allah und seinem Gesandten! Wenn ihr euch jedoch bekehrt (und auf weiteres Zinsnehmen verzichtet), steht euch euer (ausgeliehenes) Kapital (als Eigentum) zu, so dass weder ihr Unrecht tut (indem ihr Zins nehmt) noch euch Unrecht getan wird (indem man euch um euer Kapital bringt)[14].

Vers  (280)

Und wenn (unter den Schuldnern, die Kapital zurückzahlen müssen) einer ist, der sich in Bedrängnis befindet, dann sei (ihm) Aufschub (gewährt), bis er Erleichterung gefunden hat! Es ist aber besser für euch, ihr gebt (dem, der in Bedrängnis ist) Almosen (indem ihr auf die Rückzahlung überhaupt verzichtet). (Das wird euch einleuchten) wenn (anders) ihr (richtig zu urteilen) wisst[15].

Es ist nicht umsonst, dass in den Versen, die über Zins sprechen, ein harter Ton benutzt wird. Die Abgabe von Zins-Darlehen gehört nicht zu dem aktiv wirtschaftlichen Handeln. Der Annehmer des Zins-Darlehens fängt seine wirtschaftliche Aktivität bereits mit Schulden und Zins an. Und da er ja nicht vorherbestimmen kann, ob diese Tätigkeit bis zum Ende der Darlehensfrist ebenfalls beendet wird, so kann er auch keine Gewinne daraus ziehen. Alles, was er möglicherweise verdienen kann, kann er nur aus den geliehenen Beträgen ziehen. Und das ein ungerechter Gewinn, der zur Zerstörung des Wirtschaftssystems führt.

2- Die Abgabe eines Teils des heranwachsenden Geldes:

,,Infak“ ist der arabische Ausdruck für das deutsche Wort: ,,Ausgabe“und stammt aus dem Begriff ,,Nafak“, welcher bedeutet: Tunnel. Der Koran befiehlt ,,Infak“[16] und verbietet die Aufbewahrung (Speichern) vom Vermögen. Infak heißt hier etwas durch einen vorgeebneten Weg, oder einen vorbereiteten Kanal oder durch einen Berg vorgebohrten Tunnel, durchlaufen lässt. Gelder müssen sich ausbreiten und alle Schichten der Gesellschaft durch ,,Infak“ erreichen, genauso wie das Blut alle Partien des Körpers durch die vorgebildeten verschiedenen Gefäße erreicht. Unser Prophet wurde gefragt, was die Leute ausgeben (spenden) sollen, da wurde folgendes herabgesandt:

Kapitel (2) Die Kuh, Vers (219):

(وَيَسْأَلُونَكَ مَاذَا يُنْفِقُونَ قُلِ الْعَفْوَ كَذَلِكَ يُبَيِّنُ اللَّهُ لَكُمُ الْآيَاتِ لَعَلَّكُمْ تَتَفَكَّرُونَ ) ( 219) .

Und man fragt dich, was man spenden soll. Sag: Al-Afou, also den Überschuss (von dem, was ihr besitzt)! So macht Allah euch die Verse klar. Vielleicht würdet ihr nachdenken[17]

Im oben erwähnten Vers heißt der arabische Begriff ,,Al-Afou: الْعَفْوَeinmal den Überschuss an Geldern, den man zum alltäglichen Leben nicht braucht[18], zum anderen aber ein Vermögen, das heranwachsen kann[19].

Die Wohnung eines Menschen, die Möbeln, sein täglich gebrauchtes Auto, sein Arbeits-Platz und Arbeits-Geräte, sowie sein Essen und Trinken sind lebensnotwendige Dinge. Darum werden aus ihnen auch keine Almosen genommen.

Wir betrachten einen anderen weiteren Vers, der das Wort ,,Al-Afou: الْعَفْوَ“ beinhaltet: Kapitel 7 Die Höhen (Al-Aaraf) Vers 95:

(ثُمَّ بَدَّلْنَا مَكَانَ السَّيِّئَةِ الْحَسَنَةَ حَتَّى عَفَواْ وَّقَالُواْ قَدْ مَسَّ آبَاءنَا الضَّرَّاء وَالسَّرَّاء فَأَخَذْنَاهُم بَغْتَةً وَهُمْ لاَ يَشْعُرُونَ) (الأعراف، 7/95).

„Darauf tauschten Wir das Übel gegen etwas Gutes ein, bis sie anwuchsen und sagten: „“Auch unsere Väter erfuhren Leid und Freude.““ Dann erfassten Wir sie unversehens, ohne dass sie es merkten.“[20]

Hier heißt das Wort (عَفَواْ) das anwachsende Geld, das auf das Reichtum hindeutet. Wir entnehmen auch daraus, dass die Leute, die keinen Überschuss an Geld haben auch keine Steuern zu bezahlen brauchen. Denn das monatliche Gehalt und Rente, die Wohnung, das Auto, der Laden sowie die Maschinerie einer Fabrik und Ähnliches sind alle frei von Steuern.

Gott wollte nicht, dass das ganze überschüssige Geld als Almosen ausgegeben wird, Er hat ein System festgelegt, in dem man nur einen Teil seines überschüssigen Geldes als Almosen ausgibt. Und das wird so betrachtet, als ob er sein gesamtes Geld als Almosen ausgeben würde (ausgegeben hätte).

In folgenden Vers sieht man, dass eine gute Tat zumindest mit dem Zehnfachem belohnt wird:

Kapitel 6 Das Vieh (Al-Anaam), Vers (160):

(مَنْ جَاءَ بِالْحَسَنَةِ فَلَهُ عَشْرُ أَمْثَالِهَا وَمَنْ جَاءَ بِالسَّيِّئَةِ فَلَا يُجْزَى إِلَّا مِثْلَهَا[21] وَهُمْ لَا يُظْلَمُونَ) (الأنعام، 6/160).

Wer eine gute Tat vollbringt, bekommt zehnfachen Lohn, und wer eine böse Tat begeht, bekommt nur eine ihr gleiche Strafe. Keinem wird Unrecht getan.[22]

Einer, der nur eine Hundert Lira aus einer Tausend, die er besitzt, ausgibt, der wird angesehen, als ob er die ganze Tausend Lira ausgegeben hätte.

Die jetzige Steuer, die die Welt des Handels durchwühlt (eindringt), existiert in diesem o. e. System nicht.

 

3- Die Höhe der Almosen

Hier werden zwei Beispiele genannt: Wie hoch sollen die Almosen für (A) die geernteten Plantagen und für (B) Handelsgelder sein.

  1. A) Landwirtschaftliche Produkte:

Gott sagt diesbezüglich:

وَهُوَ الَّذِي أَنْشَأَ جَنَّاتٍ مَعْرُوشَاتٍ وَغَيْرَ مَعْرُوشَاتٍ وَالنَّخْلَ وَالزَّرْعَ مُخْتَلِفًا أُكُلُهُ وَالزَّيْتُونَ وَالرُّمَّانَ مُتَشَابِهًا وَغَيْرَ مُتَشَابِهٍ كُلُوا مِنْ ثَمَرِهِ إِذَا أَثْمَرَ وَآتُوا حَقَّهُ يَوْمَ  حَصَادِهِ  وَلَا تُسْرِفُوا إِنَّهُ لَا يُحِبُّ الْمُسْرِفِينَ) (الأنعام، 6/141

Kapitel (6) Das Vieh (Al-Anaam) Vers (141):

Und er ist es, der Gärten mit und ohne Pfahlwerk hat entstehen lassen, und die Palmen und das Getreide von verschiedenartigem Fruchtertrag (? mukhtalifan ukuluhuu), und die Oliven- und Granatapfelbäume, (deren Früchte) einander ähnlich oder auch unähnlich (sind). Esst, wenn sie tragen, von ihren Früchten und gebt am Tag der Ernte (den Armen), was (davon zu geben eure) Pflicht ist! Und seid (dabei) nicht verschwenderisch! Allah liebt diejenigen nicht, die nicht maßhalten.[23]

In diesem Vers ist die Rede über das landwirtschaftliche Produkt und wie man sich bezüglich Almosen oder ,,Zakaat“ verhalten soll. Das geschieht am gleichen Tage der Ernte.  Der Almosenspender soll ja als ,,Zakaat“ nur das Zehntel des Produktes ausgeben. Aber es wird für ihn so gerechnet, als ob er das gesamte Produkt weggegeben hätte. Und so hat Gott nun die Höhe der Almosen in diesen Fällen am Tage der Ernte mit dem ,,Zehntel“ des Geerntet festgelegt.

Aber wenn man zusätzliche Kosten wegen zum Beispiel künstlicher Bewässerung, Dünger oder Ähnliches hat, dann verringert sich die Höhe der Almosen auf die Hälfte des Zehntels: 20 / 1. In dieser Erleichterung (finanzieller Entlastung) für den Bauer ist zunächst mal eine kräftige Ermutigung für ihn, dass er noch mehr Arbeit hinstecken soll, damit das Produkt jetzt gebessert wird. Zum anderen stellt es einen Ersatz für einen eventuellen Verlust während der Arbeit auf dem Ackern. Das landwirtschaftliche Produkt wird sich sicherlich zumindest verdoppeln bei Heraufsetzen und Verbesserung der Arbeitstechnik auf dem Felde. Und so wird die Hälfte des Zehntels dem Zehntel des Produktes entsprechen im Falle des Fehlens von jeglichen zusätzlichen Kosten bei der Produktion. Unser Prophet Mohammed sagte[24] diesbezüglich: ,,Wenn also nur aus den bereits vorhandenen Flüssen, oder aus dem Regenwasser bewässert wird, dann ist das Zehntel fällig. Aber wenn man aus selbst hergestellten und bezahlten künstlichen Brunnen bewässert wird, dann ist es nur die Hälfte des Zehntels des Produktes als ,,Zakaat“ vorgesehen“.

Alle später anfallenden Kosten nach Beendigung der Ernte, wie zum Beispiel die Kosten für Transport oder Lagerung am Tage der Ernte werden nicht mehr vom Teil des ,,Zakaates“ entnommen. Im Augenblick der Beendigung der Arbeit der Ernte und deren Vorbereitung zum Verkauf wird sie als eine Verkaufs-Ware angesehen, deren Kosten nun die Händler übernehmen.

 

B- Die Gelder und Handelseinkommen (Gewinn):

Der Handel bedeutet Umtausch von Geld gegen Geld, oder Geld gegen sofortigen Erhalt eines Ersatzes (Ware). Es kann aber auch so sein, dass der eine Teil sofort, während der zweite Teil später ausgehändigt werden kann. Der Zins ist ja auch nichts anderes als Umtausch. Eine Person verleiht zum Beispiel einer anderen 10 Lira, unter der Bedingung, dass sie sie (10 Lira) plus 1 Lira (11 Lira) zurückzahlen muss. Diejenigen, die mit Zins umgehen, gebrauchen dem normalen Handel ähnliche Wege, weil sie ihre Taten begründen wollen, und wissen ganz genau, dass sie die Bedürfnisse anderer Leute ausnutzen und damit die Wege zur Wirtschaft einengen. Sie sagen: Die Zinsleihe ist genauso wie Kaufgeschäft: Verkauf von Ware mit 10 Lira bei sofortiger, und 11 Lira bei späterer Bezahlung. Gott, Der Erhabene, aber sagt:

{الَّذِينَ يَأْكُلُونَ الرِّبَا لَا يَقُومُونَ إِلَّا كَمَا يَقُومُ الَّذِي يَتَخَبَّطُهُ الشَّيْطَانُ مِنَ الْمَسِّ ذَلِكَ بِأَنَّهُمْ قَالُوا إِنَّمَا الْبَيْعُ مِثْلُ الرِّبَا وَأَحَلَّ اللَّهُ الْبَيْعَ وَحَرَّمَ الرِّبَا فَمَنْ جَاءَهُ مَوْعِظَةٌ مِنْ رَبِّهِ فَانْتَهَى فَلَهُ مَا سَلَفَ وَأَمْرُهُ إِلَى اللَّهِ وَمَنْ عَادَ فَأُولَئِكَ أَصْحَابُ النَّارِ هُمْ فِيهَا خَالِدُونَ} (البقرة، 2/275).

Kapitel 2 (Die Kuh, Al-Bakara) Vers 275:

Dies (wird ihre Strafe) dafür (sein), dass sie sagen: „“Kaufgeschäft und Zinsleihe sind ein und dasselbe.““ Aber Allah hat (nun einmal) das Kaufgeschäft erlaubt und die Zinsleihe verboten[25]

Man kann wohl Parallele zwischen Kaufgeschäft und Zinsleihe ziehen, aber es gibt fundamentale Unterschiede zwischen den beiden. Das ist so wie die Ähnlichkeit zwischen Traubensaft und Wein. Trotzdem kann man nicht sagen, dass der Traubesaft genauso wie der Wein ist. Die Ähnlichkeit ist hier nur in dem ursprünglichen Herstellungs-Material, aber nicht im End-Urteil darüber. Und hier steckt ja die große Gefahr.

Eine Ware kostet 10 Lira bei sofortiger, und 11 Lira bei späterer Bezahlung. Das hat mit Zins nichts zu tun, weil die Ware dann 11 Lire kostet. Da es nun keine festen Parameter (Bestimmungsgrößen) für die Preise gab, wird der Preisunterschied zwischen zwei Verkäufen nicht ins Auge fallen. Der Preis könnte sich am gleichen Tag ändern: entweder sich auf 12 Lira erhöhen, oder auf 9 Lira senken. Käufer und Verkäufer führen trotzdem die vorher bereits abgeschlossene Abmachung weiter durch, weil sie wissen, dass der Handel neue Wege zu neuen Produkten und zu einem neuen Horizont eröffnet.

Der Verleiher verleiht 10 Lira, damit er dann 11 Lire zurückbekommt. Nun ist 10 Lira gegen 10 Lira, aber die zusätzliche 1 Lire nimmt er so ohne Gegenleistung. Dies ist deswegen, weil Zins keine wahre wirtschaftliche Effektivität besitzt. Der Verleiher hat keine Mühe oder irgendwelche Tätigkeit verrichtet, wo er dann davon etwas verdienen würde.

Die wirtschaftliche Aktivität fängt in der Sekunde an, wo das geliehene Geld eingesetzt wird. Der Zins-Verleiher interessiert sich überhaupt nicht, wofür das von ihm geliehene Geld benutzt wird. Es interessiert ihn auch nicht, ob der Entleiher Schaden bzw. Verluste erleiden würde. Wenn der Entleiher zum Rückgabe-Termin nicht das Geld haben sollte, dann gibt es eine Art Strafe durch Verdoppelung des Zinsprozentsatzes wegen Verspätung der Rückzahlung. Das Ziel des Zinsverleihers ist also, noch mehr Zusatzprozente zu haben: 10 %, 20 %, 40 % und so weiter. Gott sagt:

يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا لَا تَأْكُلُوا الرِّبَا أَضْعَافًا مُضَاعَفَةً وَاتَّقُوا اللَّهَ لَعَلَّكُمْ تُفْلِحُونَ (سورة آل عمران3)130      

  

Kapitel 3 – Das Haus Imran, Vers 130[26]:  

Ihr Gläubigen! Nehmt keine doppelten und vielfachen Zinsen! Fürchtet Gott, damit ihr Erfolg habt!

Der arabische Begriff (أَضْعَافًا : Ad-Afan) im oben erwähnten Vers beschreibt sprachlich die Eigenschaft vom Zins, die noch klarer im weiteren Verlauf des Verses durch den begrifflichen Zusatz :

( مُضَاعَفَةً  أَضْعَافًا),  geklärt worden ist, das heißt nämlich: Erhöhung um zumindest das  Doppelte des bereits verdoppelten Zinssatzes (Zinseszins). Das heißt: Die Verdoppelung der Zahl eins (1) ist zwei (2), und das Doppelte dieser Verdoppelung ist also vier (4). Die progrediente Erhöhung ist die unabdingbare Eigenschaft des Zinses[27]. Der Vers kann nicht anderes erläutert werden. Jede Art von Zins ist verboten, egal mit welchem Prozent-Satz gearbeitet wird. Gott sagt:

{يَاأَيُّهَا الَّذِينَ آمَنُوا اتَّقُوا اللَّهَ وَذَرُوا مَا بَقِيَ مِنَ الرِّبَا إِنْ كُنْتُمْ مُؤْمِنِينَ. فَإِنْ لَمْ تَفْعَلُوا فَأْذَنُوا بِحَرْبٍ مِنَ اللَّهِ وَرَسُولِهِ وَإِنْ تُبْتُمْ فَلَكُمْ رُءُوسُ أَمْوَالِكُمْ لَا تَظْلِمُونَ وَلَا تُظْلَمُونَ)
لبقرة، 2/278-279)

Kapitel 2 – Die Kuh, AlBakara:

Vers 278[28]

Ihr Gläubigen! Fürchtet Allah! Und verzichtet auf das, was noch übrig ist an Zinsen, wenn (anders) ihr gläubig seid!

 

Vers 279[29]

Wenn ihr (es) nicht tut, dann sei euch Krieg angesagt von Allah und seinem Gesandten! Wenn ihr euch jedoch bekehrt (und auf weiteres Zinsnehmen verzichtet), steht euch euer (ausgeliehenes) Kapital (als Eigentum) zu, so dass weder ihr Unrecht tut (indem ihr Zins nehmt) noch euch Unrecht getan wird (indem man euch um euer Kapital bringt).

Die oben genannten Verse sagen ganz eindeutig, dass jeder Zusatz, der mehr als der geliehene Betrag bei der Rückzahlung genommen wird, ist ein verbotener Zins. Der folgende Vers empfiehlt das Abwarten, wenn der Verschuldete noch nicht bereit sein sollte, seine Schulden zurück-zuzahlen. Er empfiehlt stattdessen, die Schulden sogar als Almosen dem Entleiher teilweise oder ganz zu überlassen. Das ist wesentliche viel besser:

{(وَإِن كَانَ ذُو عُسْرَةٍ فَنَظِرَةٌ إِلَىٰ مَيْسَرَةٍ ، وَأَن تَصَدَّقُوا خَيْرٌ لَّكُمْ ، إِن كُنتُمْ تَعْلَمُونَ} (البقرة، 280)

Kapitel 2 – Die Kuh, AlBakara -, Vers 280[30]:

Wenn der Verschuldete in Schwierigkeiten ist, muss man ihm für die Rückzahlung Aufschub gewähren und warten, bis er zahlen kann. Entscheidet ihr euch dafür, ihm etwas oder alles als milde Gabe zu erlassen, ist das für euch besser. Wenn ihr nur wüsstet!

Der folgende Vers zeigt klar und deutlich den Unterschied zwischen Zins-Annehmer und Almosen-geber:

{وَمَا آَتَيْتُمْ مِنْ رِبًا لِيَرْبُوَ فِي أَمْوَالِ النَّاسِ فَلَا يَرْبُو عِنْدَ اللَّهِ، وَمَا آَتَيْتُمْ مِنْ زَكَاةٍ تُرِيدُونَ وَجْهَ اللَّهِ فَأُولَئِكَ هُمُ الْمُضْعِفُونَ} (الروم، 30/39)

 Kapitel 30 – Die Römer, Ar-Room -, Vers 39[31]:

Was ihr an Zinsleihe (ribaa) gebt, damit es sich aus dem Vermögen der Menschen mehrt, vermehrt sich bei Gott nicht. Diejenigen aber, die (Almosen) Zakat-Spenden geben, mit denen sie Gottes Wohlgefallen anstreben, sie sind es, deren Belohnung vervielfacht werden wird.

Der Zins-Verleiher kann ja den geliehenen Betrag doppelt (Zinseszins) zurückbekommen. Es ist aber kein regulärer Verdienst. Die Verdoppeler sind also diejenigen, die den prozentuellen Zins-Satz ständig um das Doppelte erhöhen.

Der letzte Abschnitt des Verses 130 des Kapitels 3 – (Das Haus Imran) bedeutet dann dementsprechend, dass eine Zahl um das Vierfache erhöht wird. Und das heißt wiederrum, dass diejenigen, deren Verdienst (Gewinn) vom Gott um Vierfaches verdoppelt wird, sind die (Zakaat)-Almosen-Ausgeber.

Der Zakaat-Ausgeber, der der Zufriedenheit (Wohlgefallen) Gottes zustrebt (bezweckt) und nicht wie der Zinsverleiher ist, der das Vierfache verdienen möchte, wird von Gott, was er ausgibt,  als das Vierfache angesehen (Siehe oben!). Wenn er z. B. eine Lire ausgegeben hat, dann wird das bei Gott so berechnet, als ob er (durch Doppelung des Doppelten) mindestens vier Lire gespendet hätte. Und da Gott ja eine Spende um das 10-Fache belohnt, ist das End-Resultat 40. Also wenn er eine einzige Lire von seinem Handelsgewinn ausgibt, dann ist es so, als ob er 40 Lire ausgegeben hätte. Das heißt, die Höhe der Zakaat von dem Verdienst stützt sich auf dieses koranische Prinzip.

Unser Prophet Mohammed sagt: Gebt das Viertel vom Zehntel des gesamten Betrages. D. h. mit unserer heutigen Rechnung: 2,5 %.

Ein Händler zu werden ist sehr riskant. Darum ist die Höhe des Zakaates hier, im Vergleich zu der bei den landwirtschaftlichen und tierischen Produkten, niedrig. Es beinhaltet ja eine Ermutigung und Unterstützung zum Aufschwung des Handels. Gleichzeitig werden die Gruppen der Zakaat-Nehmer, und das sind 8 Gruppen, in einem sicheren und friedlichen Milieu leben, weil sie dann Leute finden würden, die sich um sie tatsächlich kümmern. Das reflektiert sich sehr positiv auf deren Gesellschaft durch die Friedens- und Sicherheitsbereitstellung. Dies eröffnet zusätzlich neue Wege zum weiteren Handel und damit zur Entwicklung einer allgemeinen Zivilisation für alle Mitglieder solcher Gesellschaften.

Im Gegensatz dazu stellt der Zins nicht nur ein Milieu von Unsicherheit bereit, sondern er dividiert die Gesellschaft bezüglich ihrer finanziellen Lage zu mehreren Schichten mit größeren Kluften dazwischen. Diese gesellschaftlichen Unterschiede sind der Schlüssel zu jeder Verdorben-heit.

4- Die Gruppen, die Zakaat annehmen dürfen.

Der folgende Vers sagt uns, welche Gruppen von Menschen tatsächlich Almosen (Steuer) brauchen:

{إِنَّمَا الصَّدَقَاتُ لِلْفُقَرَاء وَالْمَسَاكِينِ وَالْعَامِلِينَ عَلَيْهَا وَالْمُؤَلَّفَةِ قُلُوبُهُمْ وَفِي الرِّقَابِ وَالْغَارِمِينَ وَفِي سَبِيلِ اللّهِ وَابْنِ السَّبِيلِ فَرِيضَةً مِّنَ اللّهِ وَاللّهُ عَلِيمٌ حَكِيمٌ} (التوبة، 9/60)

Sura 9 – Die Reue : At-Tauba -, Vers 60:

Die guten Gaben – (Almosen) Sadaqât – sind für die Armen (1), Bedürftigen (2), die Angestellten, die sie einnehmen und verwalten (3), für diejenigen, welche für den Islam gewonnen werden sollen (4), für die Sklavenbefreiung(5), die Verschuldeten(6), für die Sache Gottes(7) und für den mittellosen Wanderer(8). Das ist eine von Gott auferlegte Pflicht. Gottes Wissen und Weisheit sind unermesslich.[32]

Der arabisch-sprachliche Stil (Styl) des Verses lässt eine Zweierteilung der acht Gruppen erkennen. Der erste Teil beinhaltet die Armen (1), Bedürftigen (2), die Angestellten, die sie einnehmen und verwalten (3) und diejenigen, welche für den Islam gewonnen werden sollen (4). Daraus entnimmt man, dass den Mitgliedern dieses Teils die Almosen gegeben werden, ohne dass man von ihnen etwas erwartet, also: diese Almosen gehören dann zu ihrem Eigentum.

Bezüglich des zweiten Teils der Achter Gruppen so deutet die sprachliche Formulierung darauf hin, dass die Almosen in diesem Falle aufbewahrt (gespeichert) werden sollen, bis ein Mitglied dieses Teils erscheint. So zum Beispiel, wenn ein Gefangene befreit werden soll, oder um die Schulden eines Entleihers zurückzuzahlen, oder um jemanden zum Islam einzuladen oder schließlich um einem mittellosen Wanderer zu helfen. Und das bedeutet wiederrum, dass man für solche soziale Zwecke einen sog. Wohltätigkeitsfonds errichten muss. Man muss noch betonen, dass die Verteilung der Almosen an diese letzte Vierer Gruppe nur noch durch diesen Wohltätigkeitsfonds erfolgen muss. Er ist eine islamische Pflicht und gehört zum Aufbau einer islamischen Gesellschaft.

Der Vers ist zusätzlich mit einem sehr wichtigen Ausdruck beendet worden:

{فَرِيضَةً مِّنَ اللّهِ وَاللّهُ عَلِيمٌ حَكِيمٌ}

Das ist eine von Gott auferlegte Pflicht. Gottes Wissen und Weisheit sind unermesslich.[33]

Da es also ein Gottes Befehl ist, so sollen ihm die Führer der Muslimen folgen und ihn durchführen.

Es wurde überliefert, dass einst ein Mann zu dem Propheten Mohammed kam und Almosen haben wollte. Mohammed sagte ihm, dass Gott selbst die Leute, die Almosen bekommen dürfen, in 8 Gruppen eingeteilt hat. Er sagte ihm abschließend weiter, dass er ihm seinen Anteil dann gebe, falls er zu einer dieser Gruppen gehöre.

Wir verstehen durch den oben genannten Vers und die Aussagen Mohammeds, dass Gott selbst genau bestimmt hat, wem die Almosen gegeben werden dürfen. Deswegen darf man ja nichts mehr ändern.

Nun wollen wir die 8 Gruppen genauer ansehen und wie sie in 2 Teile dividiert wurden:

A- Diejenigen, die nach Erhalt der Almosen, sie dann zu ihrem Eigentum zählen.

Das sind 4 Gruppen:

1- Die Armen:

Ein Armer Mensch ist einer, der seine alltäglich anfallenden Kosten nicht bezahlen kann. Dies wird durch folgende zwei Versen gedeutet:

{وَأَنْكِحُوا الْأَيَامَى مِنْكُمْ وَالصَّالِحِينَ مِنْ عِبَادِكُمْ وَإِمَائِكُمْ إِنْ يَكُونُوا فُقَرَاءَ يُغْنِهِمُ اللَّهُ مِنْ فَضْلِهِ وَاللَّهُ وَاسِعٌ عَلِيمٌ} (النور، 24/32)

*Kapitel 24 – Das Licht, An-Nur -, Vers 32:

Verheiratet die ledigen Frauen und Männer, die unter euch sind, desgleichen die Rechtschaffenen unter euren Sklaven und Sklavinnen! Sollten sie arm sein, wird Gott sie aus Seiner Gabenfülle reich machen. Gott umfasst alles, und Sein Wissen ist unermesslich.[34]

{لِلْفُقَرَاءِ الَّذِينَ أُحْصِرُوا فِي سَبِيلِ اللَّهِ لَا يَسْتَطِيعُونَ ضَرْبًا فِي الْأَرْضِ يَحْسَبُهُمُ الْجَاهِلُ أَغْنِيَاءَ مِنَ التَّعَفُّفِ تَعْرِفُهُمْ بِسِيمَاهُمْ لَا يَسْأَلُونَ النَّاسَ إِلْحَافًا وَمَا تُنْفِقُوا مِنْ خَيْرٍ فَإِنَّ اللَّهَ بِهِ عَلِيمٌ} (البقرة، 2/273)

*Kapitel 2 – Die Kuh, Al-Bakara -, Vers 273:

Die Spenden gehen an die Armen, die beim Kampf für Gottes Sache auf Erden erwerbsunfähig wurden. Der Unwissende könnte sie wegen ihrer  Enthaltsamkeit  für Reiche halten. Du magst sie an ihrer Erscheinung erkennen. Sie bitten nicht aufdringlich um Hilfe. Was ihr für gute Zwecke spendet, weiss Gott genau.[35]

In beiden Versen ist die Rede über einen Menschen, der keine ausreichenden Mittel zum Heiraten besitzt (arm). Im zweiten Vers geht es um einen, der seine volle Zeit für die Sache Gottes verbraucht und nicht genüg verdient (arm).

Die Almosen sollen in der Art so gegeben werden, dass sich der Annehmer nicht zu schämen braucht und dabei soll er sich auch nicht herabgewürdigt fühlen. Der folgende Vers spricht deutlich über diesen (Verhaltens-) Punkt:

{إِنْ تُبْدُوا الصَّدَقَاتِ فَنِعِمَّا هِيَ وَإِنْ تُخْفُوهَا وَتُؤْتُوهَا الْفُقَرَاءَ فَهُوَ خَيْرٌ لَكُمْ وَيُكَفِّرُ عَنْكُمْ مِنْ سَيِّئَاتِكُمْ وَاللَّهُ بِمَا تَعْمَلُونَ خَبِيرٌ} (البقرة، 2/271) .

Kapitel 2 – Die Kuh, Al-Bakara – Vers 271

Gebt ihr öffentlich Almosen, so ist es schön und gut; hält ihr sie aber geheim und gebt sie den Armen, so ist es noch besser für euch; und Er wird (viele) eurer Sünden von euch hinwegnehmen, denn Allah achtet wohl eures Tuns.[36]

Die Bekanntgabe der Almosen ist dann gut, wenn sie die Annehmer durch den Wöhltätigkeitsfonds erhalten sollen. Das sind die Kriegs-gefangene, die mittellosen Wanderer, die den Fonds Verwaltenden und die, die durch ihre Tätigkeit für den Islam nicht genüg verdienen.

2- Die Bedürftigen:

Das Wort ,,Bedürftig“ ist ein Versuch, den arabischen Begriff ,,Miskeen: مسكين“ zu übersetzen. Miskeen (singular, plural: Masakeen) kommt von dem arabischen Wortstamm: (سكن), Sakan, mit der Bedeutung: ,,sich nicht bewegen, ruhig sein“. Das heißt ja dann, jeder, der unfähig ist zu arbeiten, um Geld zu erwerben, wie z. B. ein Kranker, ein Greisen, ein Behinderter, und ein Arbeitsloser, wird als ,,Miskeen: Bedürftiger“ bezeichnet. Der Prophet Mohammed sagt, dass ein ,,Miskeen“, also ein Bedürftiger, sei einer, dem eine oder zwei Malzeiten nicht reich machen würden. Ein ,,Miskeen“ sei einer, dessen Einkommen seine Bedürfnisse nicht deckt. Er frage trotzdem nicht um Hilfe, und wenn dann ohne Insistenz.

In der Geschichte über den Propheten Moses und seinen Begleiter Al-Khudr beschrieb Gott die Besitzer des durch Moses geschädigten Schiffes mit ,,Masakeen (Pluralform vom: Miskeen!), also mit ,,Bedürftigen“. Gott sagt diesbezüglich im Kapitel 18 -Die Höhle, Al-Kahf- Vers 79 :

{أَمَّا السَّفِينَةُ فَكَانَتْ لِمَسَاكِينَ يَعْمَلُونَ فِي الْبَحْرِ فَأَرَدْتُ أَنْ أَعِيبَهَا وَكَانَ وَرَاءَهُمْ مَلِكٌ يَأْخُذُ كُلَّ سَفِينَةٍ غَصْبًا} (الكهف، 18/79).

Was das Schiff anbelangt, so gehörte es bedürftigen Seeleuten. Ich habe es willentlich beschädigt, weil es einen König gab, der hinter ihnen her war und der jedes (unbeschädigte) Schiff mit Gewalt an sich riss.[37]

Gott hat diese Seeleuten als ,,Bedürftige“ bezeichnet, weil sie nach Verlust ihres Schiffes keinen Weg mehr zum Weiterleben haben würden.

3- Die Verwalter der Almosen-Gelder:

Die Verwalter der gesammelten Almosen und deren Helfer (Angestellter) sollen ihre Gehälter aus diesen Geldern nehmen. Diese Almosengelder ähneln den vom Staat entnommenen Steuern und darum sollen die Angestellten ihre monatlichen Gehälter davon nehmen.

4– Diejenigen, welche für den Islam gewonnen werden könnten:

Es sind die verschiedenen Gruppierungen von Menschen, deren Herze für den Islam sind und klare Neigung dazu haben, Moslime zu werden.

Man kann solche Leute zum Islam einladen (und deren Herzen einigen), wenn sich man um sie kümmert, nach ihnen ständig schaut und ihnen finanziell hilft. Es gibt eine proportionale Beziehung zwischen einer guten Tat und Herzen zu einigen. Gott sagt hierzu:

Kapitel 41 – Aufgegliedert, Fussilat -, Vers 34:

Die gute Tat ist der schlechten nicht gleichzustellen. Erwidere die schlechte, die dir geschieht, mit einer guten! So wird derjenige, mit dem eine Feindschaft bestand, zu einem engen Freund.[38]{وَلَا تَسْتَوِي الْحَسَنَةُ وَلَا السَّيِّئَةُ ادْفَعْ بِالَّتِي هِيَ أَحْسَنُ فَإِذَا الَّذِي بَيْنَكَ وَبَيْنَهُ عَدَاوَةٌ كَأَنَّهُ وَلِيٌّ حَمِيمٌ (فصلت، 41/34)

Um dieses Ziel zu erreichen haben wir die Befehle Gottes richtig und korrekt durchzuführen. Anderenfalls würden wir keine guten Resultate erhalten. Gott sagt hierzu im Kapitel 8, die Beuten, Verse 62 – 63:

وَإِنْ يُرِيدُوا أَنْ يَخْدَعُوكَ فَإِنَّ حَسْبَكَ اللَّهُ هُوَ الَّذِي أَيَّدَكَ بِنَصْرِهِ وَبِالْمُؤْمِنِينَ (62) وَأَلَّفَ بَيْنَ قُلُوبِهِمْ لَوْ أَنْفَقْتَ مَا فِي الْأَرْضِ جَمِيعًا مَا أَلَّفْتَ بَيْنَ قُلُوبِهِمْ وَلَكِنَّ اللَّهَ أَلَّفَ بَيْنَهُمْ إِنَّهُ عَزِيزٌ حَكِيمٌ (63)

Kapitel 8 -Die Beuten, Al-Anfal-, Vers 62 – 63:

 (62)Wenn sie dich aber hintergehen wollen, so ist Allah fürwahr deine Genüge. Er hat dich gestärkt mit Seiner Hilfe und mit den Gläubigen.[39]

 (63)Und Er hat Liebe in ihre Herzen gelegt. Hättest du auch alles aufgewandt, was auf Erden ist, du hättest doch nicht Liebe in ihre Herzen zu legen vermocht, Allah aber hat Liebe in sie gelegt. Wahrlich, Er ist allmächtig, allweise.[40]

Die Herzen breit zu öffnen und darin Liebe zu legen ist eine enorm wichtige Angelegenheit. Als Mohammed Mekka eroberte, tötete er keinen und stahl niemandem von den Einwohnern, die ihn infolgedessen auch willkommen hießen. Danach als man sich für den Kampf gegen Hawazen vorbereitete, lieh Mohammed von Safwan Ben Ümaya, der noch nicht in den Islam eingetreten war, 50.000 Dirhem und dazu noch 100 Schilder und verschiedene Gewehre. Nach Beendigung des Krieges zahlte er diese Schulden (mit 100 Kamelen) von dem Wohltätigkeits-fonds zurück.

B- Der Wohltätigkeitsfonds:

Unter diesem Titel versteht man den zweiten Teil der Achter Gruppe, denen man die Almosen (Zakaat) ausgeben darf. In diesem zweiten Teil gibt es vier Gruppen, die im Folgenden näher geklärt werden.

1- Der Gefangenenfonds:

Ein Gefangener ist einer, der seine Freiheit verloren hat. Die Gefangenen als Sklaven anzusehen oder als solche zu behandeln ist gegen Gottesbefehle, die im Koran stehen. Der Koran sieht eine gute Behandlung für sie vor. Gott sagt in diesem Zusammenhang im Kapitel 76, -Der Mensch – Al-Insan- Verse 8 – 9:

{وَيُطْعِمُونَ الطَّعَامَ عَلَى حُبِّهِ مِسْكِينًا وَيَتِيمًا وَأَسِيرًا (8). إِنَّمَا نُطْعِمُكُمْ لِوَجْهِ اللَّهِ لَا نُرِيدُ مِنكُمْ جَزَاء وَلَا شُكُورًا (9)} (الإنسان، 76)

Kapitel 76 – Der Mensch – Al-Insan-, Verse 8 – 9:

(8) Und sie geben Speise, aus Liebe zu Ihm, dem Bedürftigen, der Waise und dem Gefangenen,

(9)  (Indem sie sprechen 🙂 „Wir speisen euch nur um Allahs willen. Wir begehren von euch weder Lohn noch Dank.[41]

Wenn einmal der Krieg zu Ende ist, dann soll man die Gefangenen sofort ohne Aufschub frei geben: entweder ohne (Mannan, Gnade), oder mit (Fida, Lösegeld) Entgelt. Gott sagt im Kapitel 47, -Mohammed-, Vers 4:

{فَإِذا لَقِيتُمُ الَّذِينَ كَفَرُوا فَضَرْبَ الرِّقَابِ حَتَّى إِذَا أَثْخَنتُمُوهُمْ فَشُدُّوا الْوَثَاقَ فَإِمَّا مَنًّا بَعْدُ وَإِمَّا فِدَاء حَتَّى تَضَعَ الْحَرْبُ أَوْزَارَهَا} (محمد، 47/4)

Wenn ihr im Krieg auf die Ungläubigen trefft, schlagt ihnen auf den Nacken, bis ihr sie ausser Gefecht gesetzt habt! Dann legt sie in Fesseln! Die Gefangenen könnt ihr später in Gnade oder gegen Lösegeld oder im Austausch freilassen. [42]

Die Gefangen frei zu geben, lindert den Hass zwischen den kämpfenden Parteien (Kriegern) und hinterlässt weiterhin keine Gründe mehr, erneut mit einem neuen Krieg anzufangen. Das Praktizieren des Inhaltes des Verses findet man im Verhalten Mohammeds den Badr-Gefangenen gegenüber angewandt. Er hat einige Gefangenen ohne Entgelt begnadigt, andere gegen Lösegeld. Die gleiche Verhaltensweise fand auch bei früher festgenommenen Gefangenen in z. B. Kheiber- oder Beni Mustalek Zusammenstößen statt, weil es ein Gottes-Befehl war. Mohammed würde ja niemals gegen Gottesbefehle verstoßen. Nun wenn ein Gefangener nur gegen Lösegeld freigegeben werden sollte und der Gefangene kein Geld hat, dann bietet der Wohltätigkeitsfonds diese finanzielle Möglichkeit an und man entnimmt dann davon das Lösegeld. Auch wenn wir einen Gefangenen von uns haben, der in einem weit entfernten Land, oder bei unseren Feinden festgehalten sein sollte, gleichzeitig besitzen seine Angehörigen kein genügendes  Geld, um ihn zu befreien, dann kann der Fonds sicherlich auch hier eine große Hilfe leisten.

2- Der Entleiher-(Al-Gharemeen)-Fonds:

Al-Gharem (Entleiher, sigular; Gharemeen: plural) ist die arabische Bezeichnung für einen, der Schulden hat. Da aber die Armen und die Bedürftigen bereits erwähnt waren, besagt das, dass Al-Gharem (der Entleiher) kein armer Mensch ist. Er kann nur seine Schulden zur Zeit nicht zurückzahlen. Als eine Firma z. B., die durch Darlehn gegründet war, kann der Besitzer die Schulden zurückzahlen, aber die Befürchtung ist groß, dass die Firma möglicherweise pleitegeht. Ihm sollte also geholfen werden durch den entsprechenden Fonds. Diese Hilfe soll als Almosen gegeben werden, sodass er sie nicht zurückzuzahlen braucht. Viele Firmen, die keine Hilfen erhielten, haben ihre Türen schließen müssen. Dadurch ist eine zusätzliche Gruppe arbeitslos geworden. Es wurde von Mohammed überliefert, dass er sagte, dass Darlehn Almosen sein.

Die Schulden fesseln den einen Menschen so fest wie ein Gefangener, weil er ja dann nichts tun kann. Al-Gharemeen-Fonds hilft den Entleihern, ihre Würde und Ehre aufzubewahren und entlässt sie von dem Schulden-Stress. Es wurde von dem Propheten Mohammed folgende Anbetung überliefert, dass er immer Gott darum erbat, den Schulden und den Feinden nicht die Vorherrschaft zu geben. Er erbat Ihn auch, die Feinde nicht schadenfroh machen zu lassen.

Bei genauer Betrachtung dieser Anbetung Mohammeds entdecken wir den enorm kräftigen Zusammenhang zwischen ,,In die Schulden zu fallen“ und ,,der Schadenfreude“ der Feinde. Es wurde von ihm noch zusätzlich diesbezüglich überliefert, dass er sagte, dass Gott einen, der einen Menschen vom Unglück diesseits erlöse, vom Unglück jenseits deswegen erlösen werde.

3- Fonds für die Sache Gottes (Verteidigung):

Gottesweg ist Gottes-Religion. Alles, was für die Religion getan oder ausgegeben wird, ist für Gotteswege, für die Sache Gottes. Wenn wir die Ausgaben für die anderen sieben Gruppen auch als für die Sache Gottes ansehen, dann wird es keinen Unterschied geben zwischen ihnen und dem, womit wir uns jetzt und hier beschäftigen. Die Verse, die über Almosen sprechen, sprechen über die Ausgaben für begründete Kämpfe (Kriege!):

 {وَقَاتِلُوا فِي سَبِيلِ اللَّهِ الَّذِينَ يُقَاتِلُونَكُمْ وَلَا تَعْتَدُوا إِنَّ اللَّهَ لَا يُحِبُّ الْمُعْتَدِينَ} (البقرة، 2/190)

Kapitel 2 – Die Kuh, Al-Bakara -, Vers 190:

(190) Und kämpfet für Allahs Sache gegen jene, die euch bekämpfen, doch überschreitet das Maß nicht, denn Allah liebt nicht die Maßlosen. [43]

{وَأَعِدُّوا لَهُمْ مَا اسْتَطَعْتُمْ مِنْ قُوَّةٍ وَمِنْ رِبَاطِ الْخَيْلِ تُرْهِبُونَ بِهِ عَدُوَّ اللَّهِ وَعَدُوَّكُمْ وَآخَرِينَ مِنْ دُونِهِمْ لَا تَعْلَمُونَهُمُ اللَّهُ يَعْلَمُهُمْ وَمَا تُنْفِقُوا مِنْ شَيْءٍ فِي سَبِيلِ اللَّهِ يُوَفَّ إِلَيْكُمْ وَأَنْتُمْ لَا تُظْلَمُونَ} (الأنفال،8/60)

Kapitel 8 – Die Beuten– Al-Anfaal -, Vers 60:

Bereitet gegen sie alles vor, was ihr an Kriegsausrüstung, und berittenen Kämpfern aufbieten könnt, um Gottes Feinde, eure Feinde und andere außer ihnen abzuschrecken, die ihr nicht durchschaut, die Gott aber gewiß kennt. Was ihr für Gottes Sache spendet, wird euch vergolten. Euch geschieht kein Unrecht.[44]

{وَأَنْفِقُوا فِي سَبِيلِ اللَّهِ وَلَا تُلْقُوا بِأَيْدِيكُمْ إِلَى التَّهْلُكَةِ وَأَحْسِنُوا إِنَّ اللَّهَ يحِبُّ الْمُحْسِنِينَ} (البقرة، 2/195)

Kapitel 2 – Die Kuh, Al-Bakara -, Vers 195:

Für die Sache Gottes sollt ihr Spenden geben, und stürzt euch nicht mit eigener Hand ins Verderben! Bemüht euch stets, gute Taten auf die schönste Art zu vollbringen! Gott liebt diejenigen, die gute Werke auf die schönste Art vollenden.[45]

Alle Kosten solcher Kriege werden von diesem Fond bezahlt. Somit verwirklicht sich der Frieden im Inn- und Ausland und die Einwohner (Bürger!) werden diesen Frieden auch empfinden.

4- Der Fond für die mittellosen Wanderer:

Ein Wanderer ist einer, der keine Mittel besitzt, nach Hause zurückzugehen und zur Zeit kein Zuhause hat. Er ist darum ständig unterwegs.

Für eine Aktivierung des Handels sollten die Straßen sicher sein. Gott sagt:

Kapitel 16, -An-Nahl , Die Bienen- Vers 112 :

  {وَضَرَبَ اللَّهُ مَثَلًا قَرْيَةً كَانَتْ آمِنَةً مُطْمَئِنَّةً يَأْتِيهَا رِزْقُهَا رَغَدًا مِنْ كُلِّ مَكَانٍ فَكَفَرَتْ بِأَنْعُمِ اللَّهِ فَأَذَاقَهَا اللَّهُ لِبَاسَ الْجُوعِ وَالْخَوْفِ بِمَا كَانُوا يَصْنَعُونَ} (النحل، 16/112)

Gott führt das Gleichnis vom Dorf an, das sich der Sicherheit und des Friedens erfreute und von allen Seiten reichlich versorgt wurde. Nachdem seine Bevölkerung aber die Gaben Gottes verleugnete, liess Er sie wegen ihrer Untaten Hunger und Angst erleiden.[46]

Wenn ein Dorf von allen Seiten versorgt werden sollte, dann sollten ja zumindest alle Wege vom und zu diesem Dorf sicher und vom Frieden beherrscht sein. Die Kosten dafür können aus diesem Fonds genommen werden.

Das Endergebnis:

Der Begriff ,,Almosen“ wird im Volksmunde als den kleinen Betrag verstanden, der den Armen, besonders den Bettlern gegeben wird.

Wenn man aber die Verse genau studiert und die Verhaltensweisen Mohammeds richtig betrachtet, finden wir, dass die Almosen als Steuer verstanden werden, die an den Staat ausgegeben werden. Diese Steuer deuten ja darauf hin, dass der Steuerzahler ein guter Bürger sei. Der Begriff ,,Zakat“ wurde erst nach langer Zeit nach der Prophetenepoche an Stelle des Begriffs ,,Almosen“ benutzt. Gleichzeitig gab es auch andere Sorten von ,,neuen Steuern“, die von den Nichtmuslimen genommen werden. Im Koran steht ja:   (خُذْ مِنْ أَمْوَالِهِمْ صَدَقَةً).سورة التوبة (9) الاية (103) :

Kapitel 9 – Die Reue, At-Touba – Vers 103:

Nimm Almosen von ihrem Besitz, (auf dass du sie dadurch reinigen und läutern mögest).

In diesem Vers gibt es den Begriff ,,Zakat“ nicht.

Noch interessanter und unverständlicher, dass man den Vers (30) vom gleichen Kapitel (9) At-Touba (Die Reue), der ausschließlich und in ganz eindeutiger Weise vom ,,Almosen“ spricht, als ,,Zakat“ missdeutete, obschon Gott den Vers über Almosen mit folgenden Worten abgeschlossen hat: eine Vorschrift von Allah!!! Also sind die ,,Almosen” eine ,,Vorschrift” vom Allah!

{فَرِيضَةً مِنَ اللَّهِ وَاللَّهُ عَلِيمٌ حَكِيمٌ} (التوبة، 60).

Kapitel 9 – Die Reue, At-Touba – Vers 60:

Die Almosen sind nur für die Armen und Bedürftigen und für die mit ihrer Verwaltung Beauftragten und für die, deren Herzen versöhnt werden sollen, für die (Befreiung von) Sklaven und für die Schuldner, für die Sache Allahs und für den Wanderer: eine Vorschrift von Allah. Und Allah ist allwissend, allweise.[47]

Es wurde von dem Propheten Mohammed überliefert, dass er sagte, dass Gott das Urteil über Almosen keinem Propheten oder sonst irgendjemandem überlassen habe, bis ER selbst sein Urteil gefällt habe. ER habe sie in acht Gruppen eingeteilt. Wenn der Fragende glaubt, er gehöre zu einer dieser Gruppen, dann würde er sein Anrecht davon selbstverständlich haben.

Die Allgemeinheit der Muslimen glaubten, dass die islamischen Lehren dem Koran und der Praxis von Mohammed entsprächen. Aber es ist leider nicht so, ähnlich dem, womit wir uns jetzt beschäftigen. Sie haben ihre eigene Erklärung und Meinungen bebaut und auch dem-entsprechend praktiziert, vom Koranischen Text abweichend. So zum Beispiel behielten El-Hanfies aus den acht Gruppen der Einteilung der Almosen nur sieben. Weiterhin gaben sie den sieben Gruppen andere verschiedene Bedeutungen. So wurde der Vers zur Seite abgeschoben. Ein gewisser Ömer Bilmann kommentierte erklärend: ,,Die Almosen werden zu sieben Gruppen eingeteilt: Die Armen von den Muslimen, die Bedürftigen, die, die Schulden haben, die mittellosen Wanderer, ,,Mukatebeen“ von den Gefangenen (والمكاتبين من الرقيق)[48], die Krieger für die Sache Allahs und die Verwalter …“.

Sie haben weiterhin alle Gruppen, bis auf die Verwalter, als arm angesehen. Und somit kürzten sie die sieben Gruppen jetzt nur noch zu zwei Gruppen.

Wenn der Staat nun unter keinen finanziellen Unfähikeiten (Insuffienz) leiden möchte, so fängt er unter dieser Anordnung neue Kriege an zu führen, damit er dadurch Kriegs-Beuten bekommt. Zusätzlich erhöht er die von den Einwohnern genommenen Steuer. So wird er dann genug Geld haben, um weiter zu existieren.

Wir haben hier die verschiedenen Meinungen der Islamischen Lehrer bewusst nicht detailliert, damit das oben Aufgeführte klar bleibt und nicht durcheinander gemacht wird. Gott sagt im Kapitel 6, -Al-Anaam, -, Vers 159:

{إِنَّ الَّذِينَ فَرَّقُواْ دِينَهُمْ وَكَانُواْ شِيَعًا لَّسْتَ مِنْهُمْ فِي شَيْءٍ إِنَّمَا أَمْرُهُمْ إِلَى اللّهِ ثُمَّ يُنَبِّئُهُم بِمَا كَانُواْ يَفْعَلُونَ} (الأنعام، 6/159).

Kapıtel 6 – Das Vieh, Al-Anaam -, Vers 159:

Mit denen, die ihre Religion (in verschiedene Gruppen) aufgeteilt haben und zu Parteien geworden sind, hast du nichts gemein. Ihre Angelegenheit steht Allah (allein) zu. (Er wird dereinst darüber entscheiden.) Und dann wird er ihnen Kunde geben über das, was sie (in ihrem Erdenleben) getan haben.[49]

Wir beten zu Gott, dass Er uns den richtigen Weg zeigt und uns dazu verhilft, ihm zu folgen. Ebenfallas, dass Er uns den falschen Weg zeigt und uns dazu hilft, davon weg zu kommen.

 

(Ende des Berichres)!

Übersetzt ins Deutsch: Prof. Dr. med. A. Gehani

  

 www.hablullah.com

 

 

[1] Alle deutschen Koran-Übersetzungen hier sind dem folgenden Link entnommen worden: http://www.ewige-religion.info/koran. Der jeweilige Autor wird bei jedem Vers erwähnt. /

[2] M. A. Rassoul

[3],, Gelder-Zakat“ ist eine jährliche Auszahlung von einem gewissen Geldbetrag, dessen Höhe durch klare islamische Regeln festgesetzt wird. Es gibt andere Zakat-Arten, je nach Art des Guthabens.

[4] Rudi Paret

[5] Rudi Paret

[6] Rudi Paret

[7] M. A. Rassoul

Rudi Paret[8]

Auch alle folgenden Verse bis Nr. 280 vom gleichen Übersetzer

[9] Rudi Paret

[10] Rudi Paret

[11] Rudi Paret

[12] Rudi Paret

[13] Rudi Paret

[14] Rudi Paret

[15] Rudi Paret

[16] الآيات التي أمرت بالإنفاق هي البقرة 195 و254 و267، الحديد 7، المنافقون 10، التغابن 16، الطلاق 6

[17] Rudi Paret

[18] إسماعيل بن حماد الجوهري، الصحاح، مادة عفو

[19] أحمد بن فارس، معجم مقاييس اللغة، مادة عفو

[20] M. A. Rassoul

[21] انظر الفرقان 25/69 ، القصص 28/84 ، الأحزاب، 33/68 ، المؤمنون 4/40

Azhar [22]

 

[23] Rudi Paret

[24] صحيح مسلم، الزكاة1، 7- (981)

[25] Rudi Paret

[26] Azhar

[27] Die Verdoppelung heißt ja eine Zahl und genau so viel dazu. Zweimal doppelt heißt eine Zahl und zwei mal das Doppelte dazu. Im Vers heißt es, zumindest das viermal Doppelte dazu.

[28] Rudi Paret

[29] Rudi Paret

[30] Azhar

[31] Azhar

[32] Azhar

[33] Azhar

[34] Azhar

[35] Ahmadeyya, Azhar

[36] Ahmadeyya

[37] Azhar

[38] Azhar

[39] Ahmadeyya

[40] Ahmadeyya

[41] Ahmadeyya

[42]Azhar

 

[43] Ahmadeyya

[44] Azhar

[45] Ahmadeyya

[46]  Azhar

[47] Ahmadeyya

[48] (مكاتبين) ,,Mukatebeen“ sind Kriegsgefangene, die befreit werden möchten ohne, dass sie Lösegeld haben. Sie machen dann eine Vereinbarung, dass sie unter der Bedingung befreit werde, dass sie das Lösegeld als Schuld tragen, bis sie es dann gesammelt haben und zurückzahlen. Erst dann sind sie tatsächlich frei. In der Zeit, in der sie dafür arbeiten, um das Lösegeld zu sammeln, nennt man sie ,,Mukatebeen“. Sie sind ja weder gefangen noch frei. Sie sind eben- wie es in der arabischen Sprache heißt, ,,Mukatebeen“!

[49] Rudi Paret

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